Sie wollen nicht, dass Degerlocher auf das KCG ausweichen müssen: Maximilian Traber, Michal Klöpfer, Vincent Knapp, Victoria Mezger, Lara Kuhn und Angelina Rudolph (v.l.). Foto: Julia Bosch

Die Raumnot am Wilhelms-Gymnasium wächst. Bald muss die Schule auch Degerlocher Kinder abweisen. Nun verlangt die Schülermitverantwortung (SMV) eine Lösung. Sie wollen nicht auf das KCG nach Möhringen ausweichen.

Degerloch - Angelina Rudolph ist frustriert: Die Siebtklässlerin hat im vergangenen Jahr viel Zeit damit verbracht, unzählige Unterschriften für den Stuttgarter Bürgerhaushalt zu sammeln, damit am Wilhelms-Gymnasium und der Fritz-Leonhardt-Realschule Container aufgestellt werden. „Auch an den Wochenenden sind wir von Haus zu Haus gezogen und haben mit den Anwohnern über die Raumnot am Wilhelms-Gymnasium und der Fritz-Leonhardt-Realschule gesprochen“, berichtet die Schülerin. „Es ist deprimierend, dass uns die Stadt trotzdem nicht entgegenkommen will – obwohl wir es mit unserem Anliegen auf Platz fünf des Bürgerhaushalts geschafft haben.“

Dass es am Degerlocher Wilhelms-Gymnasium (WG) und der benachbarten Fritz-Leonhardt-Realschule zunehmend enger wird, ist schon länger bekannt. In den vergangenen Jahren mussten beide Schulen regelmäßig Kinder abweisen, da der Platz nicht ausreichte. Bis zu diesem Schuljahr hatten allerdings zumindest die Kinder, die in Degerloch wohnten, einen sicheren Platz an einer der beiden weiterführenden Schulen. Im kommenden Schuljahr 2018/2019 wird das am WG nicht mehr der Fall sein; Degerlocher Kinder müssen dann auf das Königin-Charlotte-Gymnasium (KCG) nach Möhringen ausweichen. Viele Eltern dürften darüber wenig begeistert sein, denn das WG ist auch deshalb so beliebt, weil es als eine von lediglich drei Gymnasien in Stuttgart das Abitur in neun Jahren anbietet.

Von 2018 an nur noch zwei fünfte Klassen

„Vom kommenden Jahr an wird das WG nur noch zwei fünfte Klassen aufnehmen können. Das wollen wir nicht hinnehmen“, erläutert Michal Klöpfer, die zuständige Lehrerin der Schülermitverantwortung (SMV) am WG. Sie bezeichnet den Widerwillen der Stadt, Container aufzustellen, als strukturelles Problem: „Am KCG gibt es noch Platz, also will die Stadt, dass die Degerlocher Schüler den Platz in Möhringen füllen.“ Für die Degerlocher würde das aber bedeuten, dass sie einiges an Zeit mit dem Hin- und Herfahren verbringen.

Dass die Schüler von der Idee wenig begeistert sind, ist offensichtlich. „Die Schüler aus Degerloch, die ans WG wollen, sollten dort auch einen Platz bekommen“, meint die Zehntklässlerin Victoria Mezger. „Das WG hat eine tolle Schulgemeinschaft und es gibt viele Möglichkeiten, sich einzubringen“ Sie hat kein Verständnis dafür, warum die Stadt gegen die Container ist: „Unserer Schulgemeinschaft wird seitens der Stadt schon seit langer Zeit eine Sanierung versprochen. Spätestens wenn diese Sanierung kommt, brauchen wir sowieso Container, da wir während der Bauarbeiten nicht im Schulgebäude bleiben können.“

Die Schüler werden oft hin- und herverlegt

Schon jetzt nehme die permanente Raumnot teilweise absurde Züge an: „Manche Klassen müssen ein halbes Jahr am Stück schwimmen gehen, da wir in den Klassenzimmern und der Turnhalle keinen Platz haben“, berichtet der Lehrer Maximilian Traber. Und der Religionsunterricht finde ständig in den Kunsträumen statt: „Das ist nicht optimal, da in den Kunsträumen die hergestellten Gegenstände der anderen Klassen stehen. Das lenkt jüngere Schüler ab. Außerdem sind die Tische oft dreckig und nicht geeignet für den klassischen Unterricht“, sagt Klöpfer.

Auch in den Konferenzräumen der Lehrerschaft habe schon Unterricht stattgefunden. „Man muss ständig schauen, wo man seine nächste Stunde hat, da wir permanent hin- und herverlegt werden“, sagt der Zwölftklässler Vincent Knapp. Besonders deutlich werde dieses „Raumkarussell“ auch, wenn Mitschüler von ihm beispielsweise montags lediglich zwei Stunden Unterricht hätten und dafür freitagnachmittags bis 17 Uhr in der Schule säßen.

Insgesamt gibt es am WG 21 Klassen sowie fünf Kursstufen, die sich auf 21 Klassenzimmer und neun Fachräume verteilen müssen. „Das reicht einfach nicht aus“, sagt Traber. Platz zum freien Lernen gebe es sowieso seit Langem keinen mehr.

Die Stadt hält sich bedeckt

Durch die Raumnot seien auch einige zusätzliche Angebote nicht mehr möglich. So gebe es zwar ausgebildete Streitschlichter an der Schule, aber keinen Raum, in dem diese Gespräche führen könnten. Auch der Wunsch nach Inklusion gestalte sich zunehmend schwierig: „Wir haben nur zwei Räume, die für Schüler mit Hörschwächen ausgestattet sind“, sagt Klöpfer. Diese seien nicht immer frei. „Man schreibt uns Inklusion vor und wir wollen das auch sehr gerne leben – und dann scheitert es an der Raumfrage“, sagt Klöpfer seufzend.

„Wir haben uns wahnsinnig engagiert für die Containerlösung und nun wird uns vermittelt, dass das alles nutzlos war“, sagt Victoria Mezger. Und der Lehrer Maximilian Traber ergänzt: „Es muss ja kein Containerdorf entstehen, nur zwei oder drei zusätzliche Räume wären schon eine riesige Erleichterung.“ Und diese könnten ja auch, sobald der Andrang am WG nachlasse, wieder abgebaut werden, meint er.

Unterdessen hält sich die Stadtverwaltung sehr bedeckt zu der Diskussion um die Container: „Wir prüfen aktuell verschiedene Übergangslösungen“, heißt es aus dem Referat für Jugend und Bildung. „Wenn uns hierzu Ergebnisse vorliegen, können wir weitere Aussagen treffen.“

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