Die Volieren in der Wilhelma müssen von oben mit Planen gegen Kot und seitlich mit engmaschigen Netzen vor Wildvögeln gesichert werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stallpflicht für Vögel: in der Wilhelma müssen viele Vögel umziehen, um vor der Ansteckung mit der Vogelgrippe geschützt zu werden. Landwirte beklagen indes teils Umsatzeinbußen.

Stuttgart - Wo sind nur die Flamingos hin? Was ist passiert mit den rosaroten Vögeln, die sonst gleich am Eingang der Wilhelma auf einem Bein im Wasser stehen und ihren Kopf in ihr Gefieder stecken? Nun, die Vogelgrippe macht auch vor Zoos nicht halt. Nein, noch ist die Wilhelma nicht betroffen – anders als der Hamburger Tierpark Hagenbeck, wo es mehrere Vogelgrippe-Fälle gibt.

Doch nicht nur im Norden von Deutschland, sondern auch am Bodensee ist das Influenzavirus H5N8 ausgebrochen. Deshalb hat die Landesregierung in Baden-Württemberg am 17. November die Stallpflicht für Geflügel und sonstige Vögel erlassen.

Diese Stallpflicht gilt auch für die rund 1200 Vögel der Wilhelma – damit der Zoo auch künftig von der Vogelgrippe verschont bleibt. Deshalb sind die Flamingos vorübergehend in Innengehege verlegt worden, ebenso wie etwa die Pelikane und die Pfauen. Vögel, die in Volieren unter freiem Himmel leben, werden ebenfalls vor dem Kontakt mit Wildvögeln, die das Virus übertragen können, geschützt: Einige Volieren werden von oben mit Folie gegen Kot und von der Seite mit feinmaschigen Netzen gegen Wildvögel gesichert. „Wir fassen dabei zum Teil Vögel zusammen, da es ein enormer zeitlicher und materieller Aufwand wäre, alle Volieren einzunetzen“, sagt Günther Schleussner, Wilhelma-Kurator für Vögel.

Besucher müssen mit Einshränkungen rechnen

Besucher müssten sich generell keine Sorgen machen, denn die Vogelgrippe könne nicht auf Menschen übertragen werden – ebenso wenig wie auf andere Tiere, sagt Harald Knitter, Pressesprecher der Wilhelma. Allerdings müssten Vogelfreunde bei einem Besuch in der Wilhelma derzeit Einschränkungen in Kauf nehmen, sind doch einige Volieren leer und andere schlecht einsehbar.

Die Ausbreitung des Virus vom Bodensee in Richtung nördliches Baden-Württemberg hält Schleussner zwar ebenfalls für möglich, aber nicht für sehr wahrscheinlich, denn im Herbst würden Wildvögel das Virus auf ihrem Flug in die Winterquartiere einschleppen. „Eine Wildente etwa hat derzeit keine Veranlassung vom Bodensee nach Stuttgart – also gen Norden – zu fliegen“, sagt Schleussner. Deshalb lasse man sich mit der Bestallung der Vögel etwas Zeit. „Wir machen das lieber vernünftig – und nach unserem Tierseuchenplan“, sagt Schleussner.

Und was, wenn trotz aller Vorkehrungen doch ein Vogel der Wilhelma erkranken sollte? „Das ist ein Szenario, das ich mir nicht vorstellen will“, sagt Schleussner. Sicher sei nur, dass man die teilweise wertvollen Vögel nicht alle einfach keulen könne wie die Vögel auf einer Hühnerfarm. In diesem Fall müsse man in enger Abstimmung mit dem Veterinäramt überlegen, was sinnvoll und notwendig sei.

Kunden sind verunsichert

Auch Simon Sperling aus Mühlhausen will die rund 800 Hühner freilich nicht keulen müssen, die seit einiger Zeit in Freilandhaltung und in einem Hühnermobil bei ihm auf dem Hof leben. Darum müssen diese nun drinnen bleiben. „Das geht schon, aber wir müssen die Tiere beschäftigen, da sie sonst zu Kannibalismus neigen“, sagt Sperling. Um dem entgegen zu wirken, bekommen die Hühner, die sonst die Streuobstwiese gewöhnt sind, Stroh und Äpfel zum Picken. In seinem Hofladen merkt Sperling die Verunsicherung der Kunden bereits: In der vergangenen Woche sei der Eierverkauf um die Hälfte zurückgegangen, berichtet er. „Die Kunden fragen mich, ob jetzt Antibiotika in den Eiern drin ist – da wurde nicht genug aufgeklärt“, sagt der Hofbesitzer.

Auch auf dem Biolandhof Alber in Aichtal wurden die 100 Gänse und 9000 Hühner reingeholt. Ein großes Problem stelle dies nicht dar, da die Hühner neben dem Grünauslauf und den vier Ställen noch einen Wintergarten hätten. „Wenn es so kalt ist wie in den vergangenen Tagen, kommen die Legehennen sowieso nicht raus – das stresst sie zu sehr“, sagt Rebecca Alber-Skrna, die Juniorchefin. Weil dem so sei, sei in den Bioland-Richtlinien auch verankert, dass die vorgeschriebene Quadratmeterzahl pro Huhn auch eingehalten wird, ohne dass der Außenbereich dazu gezählt wird. So werde es den Hennen auch derzeit nicht zu eng im Stall. Die Gänse sind in einem großen Heuschuppen untergekommen, der im Torbereich mit einem Vogelschutznetz gesichert ist. Von Seiten der Kunden bekommt Alber-Skrna viele Nachfragen, aber auch viel Zuspruch: „Kunden haben gesagt, sie würden jetzt schon eine Gans kaufen, bevor sie später notgeschlachtet werden muss“, sagt sie, „aber wir haben da keine Befürchtungen.“

Ausnahmeregelungen teilweise möglich

In Degerloch muss eine ganze Schar Gänse gar nicht erst in den Stall. Gänsewirt Rolf Wais hat eine Ausnahmeregelung vom Veterinäramt erhalten, da sonst viele seiner Gänse gestorben wären, weil sie die Enge nicht vertragen hätten. Im Gegenzug muss er geschlachtete oder verendete Tiere auf das Vogelgrippevirus untersuchen lassen.

Nicht alle Vögel lassen sich einfach umsiedeln. „Unsere Pinguine brauchen qualitativ gutes Wasser – da kann man ihnen nicht einfach ein Planschbecken in ein Haus stellen“, sagt Günther Schleussner von der Wilhelma. Deshalb dürfen die Pinguine in Absprache mit dem Veterinäramt so lange draußen bleiben, bis das Virus in der Nähe auftritt.

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