Wieder kein Aufstieg im Eishockey Unendliche Geschichte

Von Joachim Klumpp 

Bietigheims Shawn Weller jubelt über ein Tor – aber  nicht den Aufstieg. Foto: Baumann
Bietigheims Shawn Weller jubelt über ein Tor – aber nicht den Aufstieg. Foto: Baumann

Es ist eine unendliche Geschichte: Der Auf- und Abstieg zwischen erster und zweiter Liga im Eishockey ist erneut abgelehnt worden. Das ärgert nicht nur die Steelers in Bietigheim.

Bietigheim - Die Bietigheimer Steelers führen auch in dieser Saison die Tabelle in der zweiten Eishockey-Bundesliga (DEL 2) souverän an – und doch herrscht Frust pur bei den Verantwortlichen. Der Grund dafür ist eine Entscheidung aus der vergangenen Woche, als es für die ambitionierten Zweitligisten erneut hieß: April, April – mitten im Januar. Ein Schiedsgericht hatte entschieden, die beantragte Wiedereinführung von Auf- und Abstieg im deutschen Profi-Eishockey abzulehnen, weil ein Teil der eingereichten Sicherheitsleistungen nicht den vertraglich vereinbarten Voraussetzungen entsprochen hat.

Um diese zu schaffen, ist zwischen der DEL 1 und DEL 2 beschlossen worden, dass mindestens sechs Zweitligisten eine Bürgschaft von jeweils 816 000 Euro hinterlegen – macht also 4,896 Millionen Euro. Aus dieser stattlichen Summe wurde letztendlich ein Betrag von 15 000 Euro beanstandet, der aus dem Bietigheimer Paket stammt. Doch deren Geschäftsführer Volker Schoch ist sich keiner Schuld bewusst: „Die Banken unserer Unterstützer haben auf Basis der DEL-Vorlagen die Bürgschaften ausgestellt und teilweise institutsinterne Anpassungen vorgenommen, die nichts am Sinn und Zweck der Bürgschaft verändert haben“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung des Vereins. Im Klartext: Das Geld stand zur Verfügung. Schoch: „Aber offensichtlich hat man so lange gesucht, bis man ein Haar in der Suppe gefunden hat.“

Streit um 15 000 Euro

Wie schon beim ersten Antrag der Zweitligisten vor zwei Jahren, der ebenfalls abgeschmettert worden ist. In der Tat kann man sich als neutraler Beobachter des Eindrucks nicht gänzlich erwehren, dass die DEL-Clubs wenig Interesse zeigen, an der seit 2006 geltenden geschlossenen Gesellschaft zu rütteln. Das schafft Planungssicherheit im Oberhaus – aber macht Ärger darunter. „Denn ohne Auf- und Abstieg fehlt auf Dauer die Attraktivität“, sagt Schoch. Da ist es fast schon verwunderlich, dass die Steelers im Schnitt immer noch mehr als 2800 Besucher in der Egetrans-Arena begrüßen können.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich zu erfüllende Richtlinien, weshalb der DEL-2-Geschäftsführer René Rudorisch selbstkritisch zugibt: „Wir müssen uns alle hinterfragen und an die eigene Nase fassen – und dürfen nicht auf Goodwill der anderen Seite hoffen.“ Das wird auch dadurch deutlich, dass es sich bei der monierten Summe um gerade einmal 0,3 Prozent der Gesamtbürgschaft handelt. „Die Bewertung durch das Schiedsgericht zeigt, wie unsensibel, ohne jegliches Fingerspitzengefühl die Grundlage der Entscheidung ist“, heißt es bei den Steelers.

Neuer Anlauf bis März

Es sei ein Schlag ins Gesicht aller Beteiligten aufseiten des Clubs. Der bemüht sich seit Jahren um einen Aufstieg, den die Steelers im Fall der sportlichen Qualifikation auch liebend gerne wahrnehmen würden. Doch daraus wird nichts – zumindest nicht vor 2019. Bis zum 30. März dieses Jahres können – und wollen – die Zweitligisten nun einen neuen Anlauf nehmen, darauf haben sich die Vertreter aller 14 Vereine am Montagabend auf einer außerordentlichen Sitzung in Frankfurt geeinigt.

Wobei Schoch einschränkt: „Wir prüfen das.“ Denn nach dem Abstieg des SB Rosenheim fehlt aktuell der sechste Club, der Gewehr bei Fuß steht. Und die restlichen Anwärter müssen ihre Unterlagen auf den neuen Stand bringen, um nicht wieder eine böse Überraschung zu erleben. Es ist übrigens die letzte Chance, auf diesem Weg eine sportliche Regelung zu finden, danach läuft der Kooperationsvertrag zwischen den beiden Ligen aus.

Einen prominenten Befürworter indes haben die Zweitligisten – den Bundestrainer Marco Sturm. Der sagte gegenüber unserer Zeitung: „Ich bin da zwar nicht involviert, sondern werde nur informiert, aber ich bedaure den aktuellen Zustand. Langfristig muss der Auf- und Abstieg kommen – Eishockey ist eine der wenigen Mannschaftssportarten in Deutschland, wo es die Verzahnung nicht gibt.“ Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Oder sind am Ende aller guten ­Dinge doch drei?

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