Lady Gaga und Adam Driver spielen in dem Film von Ridley Scott das Ehepaar Gucci. Foto: dpa/Fabio Lovino

Vor 100 Jahren startet Gucci als kleiner Lederwarenladen in Florenz. Heute singen Rapper von der Luxusmarke. Der dramatische Teil der Familiensaga kommt nun auf die Leinwand. Eine Geschichte über Glamour, Exzess und Mord.

Stuttgart - Guccio Gucci; mit diesem Namen muss man natürlich berühmt werden. Gucci wurde am 28. März 1881 in Florenz geboren. Sein Vater war Lederhandwerker und Hutmacher, leider nur mäßig erfolgreich. Doch der kleine Guccio sollte aus seinem Nachnamen eine weltbekannte Marke machen. Zuvor arbeitete er im Londoner Nobelhotel Savoy, um am lebenden Objekt zu studieren, was die Aristokraten gerne mochten – nämlich hochwertige Gepäckstücke.

 

Gucci startete 1921 in Florenz

Und so eröffnete Gucci seinen ersten Laden 1921 in Florenz. Die Marke Gucci war geboren. Sein ältester Sohn Aldo sollte das Geschäft weiter nach vorne bringen. Aldos Coup in den 1930er Jahren: Das Doppel-G aus dem Namen seines Vaters fungiert als Logo, das Muster mit den ineinandergreifenden Buchstaben – das sogenannte Diamantmuster, das auf allen Taschen und Koffern zu sehen ist.

Heute ist der Name Synonym für Reichtum, eklektischen Stil und Macht. Und auch für einen Mord: 1995 ließ Patrizia Reggiani – bekannt auch unter dem Spitznamen „Lady Gucci“ – ihren Ex-Mann Maurizio Gucci ermorden. Diese dunkle Episode der Familiengeschichte wurde jetzt für die große Leinwand verfilmt. Regie führt Ridley Scott, hochgradig besetzt ist „House of Gucci“ selbstverständlich auch – zur Unkenntlichkeit geschminkt ist Jared Leto als Paolo Gucci, Al Pacino gibt den lustigen Aldo Gucci, Adam Driver spielt den naiven Maurizio Gucci und Lady Gaga brilliert als böse Patrizia, die einen Auftragsmörder auf ihren Ex-Gatten ansetzte. Als Vorlage diente das Buch „Gucci: Mode, Mord und Business“ von Sara Gay Forden.

Nur Gucci, Bratan, ich trag’ nur noch Gucci“, rappt Capital Bra

Die Geschichte der Marke mit allen Höhen und Tiefen, den wichtigen Designern wie etwa Tom Ford, der in den 1990er Jahren den Namen Gucci rehabilitierte, lässt sich in dem kleinen, goldenen Buch „Little Book of Gucci“ (Eden Books) nachlesen. Denn nicht minder spannend ist die Geschichte des Modelabels selbst, die bei Scott in den Hintergrund rückt.

Nach harten Jahren, wirtschaftlicher Wunderzeit, tragischen Geschehnissen, viel Exzess, Glamour und Mord ist die Marke heute der Traum aller Influencerinnen, die das Doppel-G am Gürtel tragen, und selbst Rapper wie Capital Bra zollen dem Label Tribut. „Nur Gucci, Bratan, ich trag’ nur noch Gucci“, sprechsingt der Berliner Rapper 2017.

Modehistorisch hat Gucci einige ikonische Teile geschaffen

Die Zielgruppe von Guccio Gucci war vor 100 Jahren eine andere: Die oberen Zehntausend, die Fans von Polo und Pferderennen, sollten seine Gepäckstücke lieben. Also beschäftigte er die besten Ledermacher der Toskana, entwarf Sättel und Satteltaschen. Es folgten Handtaschen, Schuhe und Gürtel.

Modehistorisch hat Gucci einige ikonische Teile geschaffen: den Horsebit Loafer etwa, ein Slipperschuh mit der goldenen Spange, die an die Trense, das Mundstück für die Zügel eines Pferdes, erinnert. Es sollte eine Hommage von Aldo an die Vorliebe seines Vaters für den Reitsport sein. Der Gucci-Loafer ist seit 1985 in einer Dauerausstellung im New Yorker Metropolitan Museum zu sehen. Das Horsebit-Motiv – die Spange – findet sich immer noch auf vielen Teilen wieder: als Verschluss an Taschen oder Gürteln, auf Schmuck, gedruckt auf Stoffen für Krawatten, Schals oder Kleidung. Noch so ein wiederkehrendes Motiv: das grün-rot-grüne Band, das wiederum an einen Gurt eines Pferdesattels erinnert.

Die „Hobo Bag“ wurde so oft von Jackie Kennedy Onassis getragen, dass sie in „Jackie“ umbenannt wurde

Überhaupt waren Accessoires in den 50er und 60er Jahren – unter Aldo Gucci – essenziell für die Marke: Der Seidenschal „Flora“, den Rodolfo Gucci (Bruder von Aldo) bei dem Maler Vittorio Accornero de Testa in Auftrag gab, zierte nicht nur Grace Kellys Hals. Die „Hobo Bag“ wurde so oft von Jackie Kennedy Onassis getragen, dass sie in „Jackie“ umbenannt wurde. Die Tasche mit dem Bambusgriff – „Bamboo Bag“ (von Guccio Gucci entworfen) – wurde von Ingrid Bergman, Elizabeth Taylor oder Prinzessin Diana geschätzt – und wird noch heute produziert. Kostenpunkt: rund 3000 Euro.

Es waren die 60er Jahre, in denen das Label Gucci weiter expandierte: In New York, London, Paris und Palm Beach wurden Filialen eröffnet. In den 70er Jahren folgte der asiatische Raum. Und in genau dieser Pailletten-Glitzer-Zeit startet der wunderbar fotografierte Film „House of Gucci“, der in erster Linie natürlich von der dramatischen Liebesgeschichte erzählt, vom schönen Leben in Saus und Braus, von Steuerhinterziehung und Machtspielen, aber auch von der Neuerfindung der Marke 1990 unter dem damals unbekannten Designer Tom Ford.

Gucci war wieder cool und elegant, glamourös und sexy

Und auch wenn heute Gucci draufsteht, ist kein Gucci mehr drin. Die Erben stiegen nach und nach aus, verkauften ihre Anteile – das Modeimperium wuchs und daran hatte Ford großen Anteil. Kate Moss trug 1995 ein lilafarbenes Satinhemd, weit aufgeknöpft, Hüfthose und schmaler Gürtel, natürlich den Horsebit Loafer als High-Heel-Variation – und die Marke Gucci war wieder cool und elegant, glamourös und sexy. Mit seinen Nachfolgern Frida Giannini und Alessandro Michele wurden die Looks noch androgyner und verrückter. Aber immer wieder zu erkennen an den ikonischen Versatzstücken: Denn die sind gekommen, um zu bleiben.