Nur wenige Tage nach der Trauerfeier für ihren Ehemann Philip feiert Elisabeth II. ihren 95. Geburtstag – in aller Stille.
Stuttgart - Es war das zentrale Bild der Trauerfeier für Prinz Philip in Windsor vom vergangenen Samstag, das tags darauf alle britischen Sonntagszeitungen auf ihrer Titelseite hatten: die einsam in der Kirchenbank trauernde Queen, so schmal und zerbrechlich wirkend wie noch nie. Auf jeder anderen Beerdigung dieser Welt wäre es auch in Coronazeiten völlig üblich gewesen, dass nächste Verwandte oder Vertraute in diesem Augenblick an ihrer Seite gewesen wären.
Aber selbst in diesem Augenblick einer familiären Trauerfeier ist Elisabeth II. eben keineswegs einfach nur Witwe. Sie ist die englische Königin, „Her Majesty The Queen“, der Souverän des Landes. Nach dem Tod ihres Ehemannes gibt es bei einer solchen Feier vom Rang her niemand, der den Platz an ihrer Seite einnehmen dürfte. Und auch bei der Trauerfeier für Philip erklingt am Anfang und am Schluss jene Hymne, die immer erklingt, wenn Elisabeth II. offiziell auftritt, ihr allein zu Ehren; von allen gesungen außer von ihr selbst: „God save our gracious Queen“.
Drei Jubiläen standen im Kalender von Haus Windsor
Eigentlich standen drei schöne Jubiläen im familiären Kalender von Haus Windsor – ein Kalender, der eben auch ein staatlicher Kalender ist: An diesem Mittwoch feiert Elizabeth Alexandra Mary Windsor, so der rein private Name, ihren 95. Geburtstag. Am 10. Juni wäre ihr Prinzgemahl Philip hundert Jahre alt geworden. Im Frühjahr 2022 schließlich steht dann ein schier unglaubliches Jubiläum an: das „Platinum Jubilee“ der Monarchin, die dann siebzig Jahre auf dem Thron sein wird, länger als jeder andere Monarch der britischen Geschichte; länger im Amt als jedes Staatsoberhaupt der übrigen Welt.
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Seit am vergangenen Wochenende die Bilder der einsamen Queen gesendet wurden, spekuliert fast alle Welt nun darüber, ob es zu diesem „Platinum Jubilee“, zu dem die britische Regierung bereits eingeladen hat, noch kommen wird. Wie lange will sich Elisabeth dieses Amt noch antun? Wie oft will sie noch einmal pro Woche den Premierminister zum Rapport empfangen, einmal im Jahr im Parlament dessen Regierungserklärung verlesen, am Rememberance Day am 11. November der Toten gedenken, zu Weihnachten ihre TV-Ansprache halten – ganz abgesehen von all den Empfängen, Eröffnungen, Einweihungen, Ehrungen, welche die Queen bis vor wenigen Tagen auch noch im 95. Lebensjahr allesamt mit größter Disziplin absolviert hat?
Mit 18 Jahren versprach sie: „Ich verspreche, mein ganzes Leben in Euren Dienst zu stellen“
Nun ist die Sache mit dem englischen Thron eigentlich ganz einfach: Wer einmal darauf sitzt, tut dies sein restliche Leben lang. In der britischen Monarchie gilt das Prinzip: „Der König ist tot, es lebe der König!“ Elisabeth selbst wurde genau in jener Sekunde Königin, da am 6. Februar 1952 der dazu befugte Arzt den Tod ihres Vaters Georg feststellte. Sie selbst hat zwar als Kind miterlebt, wie König Edward, ihr Onkel, abdankte, um gegen den Willen des Parlaments eine US-Amerikanerin heiraten zu können, der zu enge Kontakte mit deutschen Nazis nachgesagt wurden. Aber sie kann sich auch an die veritable Staatskrise erinnern, die daraus entstand.
Und sie selbst hat am 21. April 1947, am Tage ihrer Volljährigkeit, in einer Radioansprache gesagt: „Ich verspreche, mein ganzes Leben, möge es nun lang sein oder kurz, in Euren Dienst zu stellen.“ Wie sie allen Mühen des Alters zum Trotz diese Worte wahr macht und ihren Untertanen, „the Queen’s subjects“, allen Krisen, Umbrüchen, EU-Austritten und Pandemien ebenso zum Trotz ein Symbol der Gemeinsamkeit, des Zusammenhalts liefert, das nötigt selbst den Anti-Monarchisten längst Respekt ab. Auch jüngste Krisen wie das familiäre Zerwürfnis mit Prinz Harry und dessen Ehefrau Meghan können ihr im öffentlichen Ansehen kaum etwas anhaben; das trifft andere.
Die Trauerzeit um Philip wurde um eine zweite Woche verlängert
Familie Windsor hat ihre offizielle Trauerzeit um Philip um eine zweite Woche verlängert; so kommt niemand auf die Idee, er müsse der Queen zu ihrem 95. Geburtstag öffentlich Feiern ausrichten. Viele werden sich aber jener Traditionsworte erinnern, die schon der BBC-Reporter am 2. Juni 1953 am Ende ihrer Krönungsfeier in Westminster Abbey sprach: „God save our Queen. Long live our Queen. May our Queen live forever.“ Letzteres ein frommer Wunsch – dessen Erfüllung dem Land aber sicher nicht schaden könnte.