Channing Tatum als Kriegsveteran, Jamie Foxx als US-Präsident in „White House Down“ Foto: Verleih

1996 legte Roland Emmerich in „Independence Day“ das Weiße Haus in Schutt und Asche, jetzt lässt der 57-jährige Exil-Schwabe statt Aliens Terroristen auf den Amtssitz des US-Präsidenten los.

Filmkritik und Trailer zum Kinofilm „White House Down“

Stuttgart - 1996 legte Roland Emmerich in „Independence Day“ das Weiße Haus in Schutt und Asche, jetzt lässt der 57-jährige Exil-Schwabe statt Aliens Terroristen auf den Amtssitz des US-Präsidenten los. Das Rennen um den Kinostart gegen den Konkurrenten „Olympus Has Fallen“, der bereits im Juni in Deutschland zu sehen war, hat er zwar verloren, qualitativ ist sein Popcorn-Kino Klassen besser: Die Story versinkt nicht im dumpfen Patriotismus, bietet weitaus bessere Effekte und Darsteller.

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Channing Tatum („Side Effects“, „Magic Mike“) gibt John, einen klassischen Kriegsveteranen auf der Verliererstraße. Er ­bewirbt sich im Weißen Haus beim Secret Service, wird aber abgelehnt wegen dunkler Flecken in seiner Militärakte. Seiner politikinteressierten Teenager-Tochter Emily (Joey King ), die bei seiner Ex-Frau lebt, verschweigt er die Niederlage – und beeindruckt sie mit einer Besichtigungstour durchs Weiße Haus.

Während Touristen erfahren, welcher ­Gebäudeteil bei „Independence Day“ in die Luft flog, bereiten zwielichtige Figuren einen Anschlag vor. Sie stürmen das Weiße Haus, nehmen Geiseln, ­erschießen kaltblütig Minister. Ein Insider führt sie an – und sie wollen den Präsidenten (Jamie Foxx). Nun bekommt John seine Chance, als Held über sich hinauszuwachsen, die Tochter, den Präsidenten und natürlich die Welt zu retten.

Emmerich hat wie üblich große Kino­bilder produziert

Drehbuch-Autor James Vanderbilt („The Amazing Spider-Man“) verknüpft einen ­cleveren Verschwörungs-Plot mit einem hübschen Vater-Tochter-Drama und einem präsidialen Buddy-Movie. Und Emmerich trifft durchweg den richtigen Ton: Die Terroristen sind ungewöhnlicher Herkunft und sich keineswegs einig, das familiäre Drama kommt ohne tränenrühriges Gesülze aus.

Channing Tatum und Jamie Foxx gelingt eine natürliche Annäherung zwischen dem angegriffenen Soldaten und dem pazifistischen Präsidenten. Ohne patriotisches ­Pathos diskutieren sie die aktuellen politischen Verhältnisse und gehen ans Eingemachte. In welchem Blockbuster war je vom „militärisch-industriellen Komplex“ die Rede? Dass der schwarze US-Präsident mit verlorenen Idealen hadert, passt ins kritische Bild wie konspirativ konkurrierende Geheimdienste und ein irrer Hacker, der das US-Sicherheitssystem aushebelt und einem James-Bond-Film entsprungen sein könnte.

Emmerich hat wie üblich große Kino­bilder produziert, und er lässt es kräftig krachen. Die Präsidenten-Maschine „Air Force One“ mit dem Vize an Bord gerät in ­Bedrängnis, die gepanzerte „Beast“-Limousine liefert sich auf dem Rasen des Weißen Hauses ein Verfolgungsrennen und steht unter Dauerfeuer. Das Drama geht schlüssig auf, gut gesetzte humoristische Momente sorgen immer wieder für Verschnaufpausen – so funktioniert Unterhaltungskino. Auf die Fortsetzung von „Independence Day“ kann man jetzt schon gespannt sein; nicht ausgeschlossen, dass Wiederholungstäter Emmerich dann zum dritten Mal das Weiße Haus in Schutt und Asche legt.

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