Zum ersten Mal in diesem Jahr wird es in Stuttgart 25 Grad warm, der erste meteorologische Sommertag. Stimmt der Eindruck, dass sich sommerliches Wetter dieses Jahr nur sehr langsam einstellt? Die Daten der Klimazentrale geben Antwort.
Am Ende eines langen, warmen Wochenendes ist der Sommer auch in Sachen Temperatur angekommen: Mit mehr als 25 Grad an der Wetterstation auf dem Schwabenzentrum hat die Stuttgarter Innenstadt am späten Sonntagnachmittag ihren ersten meteorologischen Sommertag erreicht. Während die Stadt im vergangenen Jahr um diese Zeit bereits ihre erste Hitzewelle hinter sich hatte, folgte dieses Jahr wechselhaftes Wetter auf einen relativ kühlen April.
Doch sind die sommerlichen Temperaturen in diesem Jahr tatsächlich verspätet? Erste Hinweise geben die Daten unseres Projekts „Klimazentrale“, in diesem Fall von der Wetterstation der Stadt Stuttgart auf dem Schwabenzentrum in der Innenstadt: Erst ein Tag mit mindestens 25 Grad - das ist für einen 21. Mai tatsächlich unterdurchschnittlich.
Sommertage bisher unter dem Schnitt
Vergleicht man, wie viele Sommertage bis zum 21. Mai in früheren Jahren bereits gezählt wurden, so liegt das aktuelle Jahr unter dem, was zwischen 1991 und 2020 üblich war. Im Durchschnitt zählte ein Jahr in den vergangenen Jahrzehnten bis dahin bereits mehr als sechs Sommertage, die meisten Jahre bewegten sich im Bereich von rund vier bis acht Sommertagen.
Bei den Jahren 1991 bis 2020 handelt es sich um den Zeitraum, der in der Wissenschaft für das derzeitige Klima herangezogen wird. Dass die Zahl der Sommertage insgesamt zugenommen hat, zeigt der Vergleich mit den vorherigen Jahrzehnten– hier mit den Messdaten der ehemaligen Wetterstation in der Alexanderstraße, laut denen nur einer oder kein Sommertag bis zum 21. Mai zwischen 1961 und 1984 durchaus üblich war. Auch an den beiden DWD-Wetterstationen auf dem Schnarrenberg und am Flughafen hat die durchschnittliche Zahl der Sommertage zwischen den beiden 30-Jahres-Zeiträumen (1961-1990 und 1991-2020) zugenommen.
25 Grad sind heute normal – früher waren sie das nicht
Im heutigen Klima liegen 25 Grad um diese Zeit im Mai im Bereich dessen, was in der Stuttgarter Innenstadt in den meisten Jahren vorkommt. Dagegen waren so sommerliche Temperaturen in den Sechziger- bis Achtzigerjahren, die die heutige Großelterngeneration als Kinder und Jugendliche erlebt hat, zu dieser Zeit im Jahr noch ungewöhnlich. Das zeigt der Vergleich der beiden Normalbereiche:
Die ersten Termine, an denen es 25 Grad oder gar 30 Grad heiß wird, schwanken von Jahr zu Jahr jedoch stark – früher wie heute. 25 Grad bereits im April kamen auch in den Sechziger- und Siebzigerjahren schon mehrfach vor. Im vergangenen Jahr mit seinem extrem heißen Sommer wurde die 30-Grad Grenze bereits am 18. Mai (Schwabenzentrum) beziehungsweise am 19. Mai (Schnarrenberg) überschritten. Die folgende Grafik zeigt beispielhaft für die DWD-Wetterstation auf dem Stuttgarter Schnarrenberg, wann in den Jahren seit Messbeginn 1958 zum ersten Mal 25 und 30 Grad erreicht wurden:
Bei den heißen Tagen ab 30 Grad zeichnet sich in den Daten dabei eine Verschiebung zu immer früheren Terminen ab. Insgesamt sind Hitzetage in Stuttgart im Lauf der Jahrzehnte deutlich häufiger geworden.
Die Jahreszeiten verschieben sich
Untersuchungen belegen, dass die Erderhitzung in unseren Breiten für immer heißere Sommer sorgt – und dass Sommer in Europa im Lauf der Jahrzehnte immer früher beginnen und immer länger dauern. Ein noch greifbareres Bild dessen, dass sich die Jahreszeiten tatsächlich verschieben, zeichnet die Natur. Für den Deutschen Wetterdienst tragen zahlreiche Freiwillige Jahr für Jahr zusammen, wann bestimmte Pflanzen in ihrer Gegend zu blühen beginnen. Die Daten sprechen eine deutliche Sprache: Die Blütezeit im Frühling beginnt immer früher, beim Haselstrauch teils schon im Januar und Februar. Und auch der Frühsommer, gemessen am Blühbeginn des Schwarzen Holunder, hat sich seit 1951 tendenziell vom Juni in den Mai verschoben. Die ersten Holunderblüten in Baden-Württemberg hat der DWD in diesem Jahr bereits am 6. Mai registriert.
Klimazentrale Stuttgart
Dieser Artikel ist Teil des Wetter- und Klimamonitors von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten. Wir stellen für alle Orte in der Metropolregion Stuttgart Daten von amtlichen Wetterstationen zur Verfügung und vergleichen sie automatisiert mit Langzeitmessreihen: Ist das Wetter heute ungewöhnlich oder nicht?
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