Frank Elstner bei der Verleihung beim Radio Regenbogen Awards 2023. Foto: IMAGO//STAR-MEDIA

Fernsehlegende Frank Elstner im Gespräch über seine größte Erfindung, seine Parkinson-Erkrankung und die letzte Ausgabe von „Wetten, dass..?“.

„Wetten, dass..?“ ist zum Sinnbild deutscher Fernsehunterhaltung geworden. Im Interview spricht der Erfinder der Sendung, Frank Elstner, über die Anfänge der Show, seinen Nachfolger Thomas Gottschalk, wo er die letzte Ausgabe verfolgen wird und wie es ihm mit seiner Parkinson-Krankheit geht.

 

Herr Elstner, wie geht es Ihnen?

Mir geht es hervorragend.

Ich frage auch wegen Ihrer Parkinson-Erkrankung. 

Ich habe das große Glück, einen erstklassigen Arzt zu haben und noch dazu einen wunderbaren Mitarbeiter, der Sportwissenschaftler ist und es sich zum Ziel gemacht hat, Parkinson-Kranken durch eine spezielle Intensivtherapie, die er zusammen mit einem Physiotherapeuten in Baden-Baden entwickelt hat, zu helfen. Parkinson ist bis heute ja nicht zu heilen, aber man kann den Verlauf dieser Krankheit durchaus beeinflussen, wenn man viel Sport treibt. Schwimmen, Tischtennis spielen, laufen, joggen, boxen, Nordic Walking – all das hilft gegen die Krankheit und ich mache fröhlich mit. Ich muss ehrlich sagen, dass ich überrascht bin, dass ich schon so lange Parkinson habe und dass es bei mir in einer verhältnismäßig ruhigen Form verläuft. Mein Arzt sagt mir: „Frank, du hast ein Parkinsönchen.“

Warum haben Sie Ihre Erkrankung vor einigen Jahren öffentlich gemacht?

Das ist ganz einfach: Ich wollte es nicht der Boulevardpresse überlassen, über meine Krankheit zu berichten. Ich habe mir gesagt: Komm, das machste jetzt selber, dann weißte wenigstens, dass es auch stimmt.

Viele Menschen verbinden Sie in erster Linie mit „Wetten, dass..?“. Dabei haben Sie in Ihrer Karriere als Radio- und Fernsehmoderator viel mehr gemacht und erdacht. Stört Sie diese Reduzierung auf eine Show?

Nein. Eines ist doch klar: Wenn Sie so etwas erfunden und die ersten Jahre angekoppelt haben und dann auch noch den Moderator ausgesucht haben, der Ihnen nachfolgt, dann wird man ein Leben lang damit in Verbindung gebracht.

Sie haben die Sendung damals an Thomas Gottschalk übergeben. Der formulierte kürzlich, die großen Zeiten der Samstagabendunterhaltung seien vorbei. Sehen Sie das ähnlich? Hat das Fernsehen überhaupt noch eine Zukunft?

Das hat nicht nur Thomas Gottschalk gesagt, das sagen auch andere. Vor allem diejenigen, die keinen Erfolg mehr haben mit einer großen Samstagabendshow.

Das trifft auf Thomas Gottschalk aber ja nicht zu. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass er mit „Wetten, dass..?“ nach wie vor ein Millionenpublikum vor die Fernseher locken kann.

Das zeigt: Wenn „Wetten, dass..?“ richtig gemacht wird, dann hat die Sendung auch Erfolg.

Ein Plädoyer für eine Fortsetzung?

Nein. Über „Wetten, dass..?“ wurde leider so lange geredet und es wurde so viel kopiert, dass die Einmaligkeit dieser Sendung verloren gegangen ist.

Wünschen Sie sich nicht dennoch insgeheim eine Fortsetzung der Sendung?

Ich habe mir vorgenommen, über ein Wenn und Aber von „Wetten, dass..?“ nicht mehr zu spekulieren. Ich freue mich auf die letzte Sendung, die ich höchstwahrscheinlich im Publikum mitverfolgen werde, und hoffe, dass es ein schöner Abschied wird, an den man sich lange erinnert.

Es war die 192. Ausgabe von „Wetten, dass..?“ im Dezember 2010, als Wettkandidat Samuel Koch so schwer stürzte, dass er seitdem querschnittgelähmt ist und im Rollstuhl sitzt. Wo haben Sie diesen tragischen Unfall verfolgt und was ist Ihnen damals durch den Kopf gegangen?

Ich war an dem Abend beim 50. Geburtstag eines guten Freundes und plötzlich kam jemand aus der Küche und berichtete von dem Unfall. Da war die Feier vorbei. Über zwei Dinge bin ich im Nachhinein sehr froh: Erstens, dass es Michelle Hunziker und Thomas Gottschalk gelungen ist, den richtigen Ton zu treffen, um die Sendung zu Ende zu führen.

Und zweitens?

Dass Herr Koch es geschafft hat, seine beruflichen Ambitionen umzusetzen, und dass er heute als gefragter Schauspieler seinen Weg geht.

Seinen Ursprung hat „Wetten, dass..?“ ja in Osnabrück, oder?

Das stimmt nicht so ganz.

Sondern?

Richtig ist, dass ich in Osnabrück ausprobiert habe, ob das Wetten an sich funktioniert beim Publikum.

Wie das?

Michael Schanze und ich waren zu einer Veranstaltung in Osnabrück eingeladen. Michael hat sich an den Flügel gesetzt und seine Lieder gesungen und als ich auf die Bühne kam, habe ich den Gästen gesagt, dass ich vorhabe, mit ihnen zu wetten. So habe ich mit dem Publikum gewettet, dass es ihm nicht gelingt, aus den Hosenträgern der anwesenden Herren eine Kette zu bilden, die bis vor die Tür der Halle reicht. Die Folge war ein Ballsaal voller Männer, die ihre Sakkos auszogen, ihre Hosenträger abknüpften und daraus eine lange Schnur bis vor die Tür machten. Das war eine unglaubliche Gaudi und unfassbar tolle Stimmung in der Halle. Da habe ich gemerkt: Mensch, du kannst mit dem Thema Menschen mobilisieren. Das zu wissen, reichte mir an dem Abend. Ich bin zurück nach Luxemburg gefahren, wo ich das Ganze zu Hause weiterentwickelt habe.

Und haben den wohl größten Showerfolg der Geschichte gelandet.

Joa, das dürfen andere sagen, ich gehe mit so etwas vorsichtiger um.

Wer nach Frank Elstner googelt, stößt auf drei Ehen und fünf Kinder. Das hört sich nach einem bewegten Privatleben an.

Das ist überhaupt nicht bewegt. Ich führe ein sehr ruhiges Privatleben. Mit meiner jetzigen Frau habe ich zwei Kinder und lebe mit ihr glücklich seit mehr als 30 Jahren zusammen. Zeigen Sie mir gerade im Showbusiness mal eine so lange Partnerschaft. Ich glaube, da bin ich ein gutes Beispiel.

Wie sieht denn der Alltag von Frank Elstner aus?

Wenn ich daran denke, was ich auch heute noch so alles mache, scheine ich schon ein bisschen ein Workaholic zu sein. Es macht mir einfach Spaß, über Dinge nachzudenken, die man verändern kann. Wenn ich Fernsehen gucke, was ich immer weniger tue und was meine Kinder schon gar nicht mehr machen, dann habe ich immer das Gefühl, ich sitze vor einer Schulaufgabe. Bei jedem Bild, das ich sehe, fällt mir ein anderes Bild ein. Ich bin halt kein normaler Konsument von Bewegtbildern, sondern ich überlege ständig, wie man das noch besser hätte umsetzen können.

Sie sind ein Beispiel dafür, wie man auch ohne Abitur eine große Karriere machen kann.

Durchs Abitur gefallen zu sein, hat mich jahrelang verfolgt. Damals habe ich mir geschworen, nie wieder in eine Situation zu kommen, in der andere Menschen darüber entscheiden, ob ich Karriere mache oder nicht. Ich habe nach dem ersten Scheitern beim Abi dann einen zweiten Anlauf unternommen, aber denselben Trottel als Klassenlehrer bekommen. Dann bin ich aufgestanden und habe gesagt: Macht’s gut, Jungs, mich seid ihr los.

Die letzte Ausgabe von „Wetten, dass..?“ mit Thomas Gottschalk ist für den 25. November dieses Jahres geplant. Ein trauriger Tag für Sie?

Ich warte die Situation ab. Ich habe so oft in meinem Leben Abschied geübt, dass ich nicht damit rechne, dass mich das umhauen wird.

Ich erlebe Sie trotz Ihrer schweren Krankheit als ausgesprochen positiven Menschen. Wie schaffen Sie es, so optimistisch durch die Welt zu gehen?

Das ist ganz einfach: Wenn ich das Gegenteil tun würde, wäre ich ein griesgrämiger und trauriger Mensch – und der will ich nicht sein.