„Ich habe dem Fernsehen viel zu verdanken“, sagt der gebürtige Österreicher mit luxemburgischen Pass: „Fernsehen ist mein Leben, bis heute.“ Die ZDF-Unterhaltungsshow ...
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Frank Elstner ist einer der erfolgreichsten Moderatoren im deutschen Fernsehen. Am Donnerstag wird er 70.

Stuttgart - Wer Frank Elstner kennt, der weiß: Der Mann steht zwar seit Jahrzehnten im Rampenlicht, er sucht es aber nicht. Und so wird der gebürtige Österreicher mit luxemburgischen Pass und Wohnsitz in Baden-Baden, der eigentlich Timm Maria Franz Elstner heißt, am Donnerstagabend abtauchen. Er wird nicht zu einer Gala einladen und das Defilee der Gratulanten entgegennehmen. Er wird auch nicht von ARD, ZDF oder RTL mit einer Geburtstagshow zur besten Sendezeit beschenkt, in der dann alte Weggefährten wie Thomas Gottschalk und Cherno Jobatey aus der Torte steigen. Nein, Frank Elstner zieht sich an seinem 70. Geburtstag zurück. „Ich habe ein paar Freunde zum Essen eingeladen“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung und ergänzt: „Ich habe weder bei meinem Charakter noch körperlich irgendwelche Veränderungen festgestellt, sondern fühle mich topfit.“ Soll heißen: Macht’ bloß kein so Aufhebens wegen dieses runden Geburtstags.

"Fernsehen ist mein Leben"

Das hört sich reichlich unspektakulär an. Und passt dennoch ganz genau zu dem Mann mit den silbergrauen Haaren, der einst die Schule nach der 13. Klasse ohne Abitur verließ, der bereits als Zehnjähriger die Hauptrolle in der Hörfunkbearbeitung von Walt Disneys „Bambi“ hatte, der Schauspielunterricht nahm, am Karlsruher Kammertheater spielte, ein Zeitungsvolontariat machte, bei RTL in Luxemburg zu Jugendzeiten einer der beliebtesten Radio-Discjockeys war – und doch irgendwann ein Mann des Fernsehens wurde. Elstner ist längst zum letzten verbliebenen Dino unter den deutschen TV-Entertainern der alten Schule geworden. „Fernsehen ist mein Leben, und das bis heute“, sagt er.

In der Tat hat Elstner wie kaum ein anderer die deutsche Fernsehlandschaft geprägt. Er entwarf unzählige Shows, die meisten wurden zum Erfolg. Eine der bekanntesten waren „Die Montagsmaler“, die Elstner in den 70er Jahren präsentierte und mit der er ein Millionenpublikum erreichte, als noch niemand über Einschaltquoten sprach. Er moderierte Shows wie „Spiel ohne Grenzen“ und „Punkt, Punkt, Komma, Strich“, holte ab 2002 die TV-Show „Verstehen Sie Spaß?“ aus dem Tal der Tränen heraus, kam auf neue Ideen wie „Die große Show der Naturwunder“ und „Das unglaubliche Quiz der Tiere“. Dass es in diesem langen Fernsehleben auch Misserfolge wie eine Reiseshow bei RTL gab, fällt da kaum ins Gewicht.

Überstrahlt wird Elstners Karriere von „Wetten, dass...?“

Denn Elstners Karriere wird ohnehin von einem Glanzlicht überstrahlt. „Wetten, dass . . .?“, jener Rateshow, die ihm einst „bei einem Glas Rotwein am Küchentisch“ einfiel und die ab 1981 zum erfolgreichsten Showformat aller Zeiten wurde. „Diese Sendung war das Highlight meiner Karriere“, sagt er. Da ist es typisch Elstner, dass er sich nicht zu den Turbulenzen der vergangenen Wochen äußern will, als das ZDF verzweifelt nach einem Nachfolger für Moderator Thomas Gottschalk suchte. Und doch berichten Freunde, wie Elstner in kleiner, vertrauter Runde gelitten hat, als es um die Zukunft ­seines TV-Babys ging. Nun, da mit Markus Lanz ein Nachfolger ab Oktober gefunden ist, meldet sich Elstner zumindest leise zu Wort. „Der Markus wird das Kind gut schaukeln“, sagt er und fügt dann vielsagend hinzu: „Die Sendung hat eine gute Zukunft, wenn die Wetten im Vordergrund stehen. Denn die Fantasie der Zuschauer ist unerschöpflich.“

Es darf als ein kleiner Wink in Richtung Gottschalk verstanden werden, der „Wetten, dass . . .?“ in den vergangenen Jahren vor allem zu seiner Bühne gemacht hatte.

"Natürlich wird es enger"

Überhaupt, die Samstagabendshows. Elstner gibt ihnen – entgegen der Meinung von Experten – trotz neuer Medien eine gute Zukunft. „Natürlich wird es enger“, sagt er über den Konkurrenzdruck zwischen den Sendern, „aber eine gute Idee setzt sich immer durch.“ Das Dschungelcamp von RTL sei eine solche gute Idee, hat er dieser Tage mal gesagt – und damit selbst gut meinende Kritiker überrascht. Dann freilich kam der Zusatz: „Man müsste aber anstelle der bemitleidenswerten Darsteller eine gute Mannschaft schicken, dann wäre das schon ganz anders.“ Da ist er wieder, Elstner, der Fernsehshowerfinder, der Fernsehproduzent, der Fernsehmoderator, der in dritter Ehe verheiratet ist und fünf Kinder hat, der jeden Tag mit seinem Personal-Trainer eine Stunde joggt, kein Fleisch isst. Seine vornehme Zurückhaltung, sein Charme, sein skandalfreies Leben, seine berufsbedingte Neugier haben ihn beim Publikum beliebt gemacht.

Mal geht er auf Expedition in den brasilianischen Urwald, um mit Experten einen Film über seltene Papageienarten zu drehen und wäre fast nicht zurückgekommen, weil er eine giftige Korallenschlange anfassen wollte. In letzter Sekunde sei er von einem Einheimischen zurückgehalten worden, erinnert er sich. „Man hat mir dann erzählt, dass der Letzte, der ein solches Tier anfasste, ein Wissenschaftler war. Er wurde gebissen und war eine Stunde später tot.“

Ein anderes Mal gibt er den neugierigen Gentleman, wenn er bei seiner Sendung „Menschen der Woche“ im SWR-Fernsehen mit den Gästen über deren Leben, Schicksale und Höhenflüge plaudert. „Diese Sendung passt zu mir und dem Sender. Wenn es geht, möchte ich sie noch viele Jahre machen.“ Seine Traumbesetzung für diese Talkshow hat er neulich mal umrissen: den Papst, die britische Königin und den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Das klingt jetzt ­ausnahmsweise mal nicht bescheiden.

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