Er schläft selig, sie wälzt sich hin und her – ein Szenario, das mit zunehmendem Alter häufiger wird. Foto: Imago / Panthermedia/Monkeybusiness

Der Schnarchende ist eine tragische Figur, er merkt nichts von den Qualen, die er anderen zufügt. Ein Schlafforscher und eine Therapeutin erklären, was Paare tun können, um das Problem zu lösen.

Kaum geht das Licht aus, ist der Partner, dieses Unschuldslamm, so tief und selig eingeschlafen wie ein kleines Kind. Man hört es an seiner Atmung, sie wird gleichmäßig, ruhig, und da ist es dann auch schon: das laut knarzende Schnarchgeräusch von der anderen Bettseite.

 

Ein Fünftel aller Frauen und ein Viertel aller Männer schnarchen Studien zufolge regelmäßig. Dabei ist der Schnarchende unglückselig: Er stört und quält andere, ohne es zu wissen. Welch tragische Figur! Der Schlaflose kann sich zutiefst gestört fühlen von dem – unbewusst – zur Schau gestellten Genuss: Sieh nur an, ich schlafe schon tief und fest, werde morgen erholt aufwachen! Das ist beinahe so, als schmatze ein Essender laut und deutlich in Gegenwart eines Hungernden. Am nächsten Morgen erinnert sich der Schnarcher natürlich an nichts. Sein munteres und naives Erwachen entfaltet eine Komik, über die der um den Schlaf Gebrachte freilich keine Miene verziehen kann. Da hilft es wenig, wenn der Schnarcher sagt: „Na, was meckerst du denn immer, ich habe wunderbar geschlafen, nimm dir ein Beispiel!“

Schlafen galt lange Zeit als unmännlich

Gerhard Klösch, Schlafforscher aus Wien, erklärt, kulturgeschichtlich betrachtet sei das Schlafen eigentlich eine sehr unmännliche Tätigkeit. Der Mann packt an und ist aktiv – im Schlaf hingegen ist er wehrlos. Der Schlaf ist ein humanes Geschenk Gottes an den Menschen, Gott schläft nicht. Sieht der Mensch, wie so mancher mittelalterliche Herrscher, sich als gottgleich an, braucht er selbstverständlich auch keinen Schlaf. Herrscher wie die Medici oder auch Ludwig der XIV. zeigten ihre üppigen Schlafräume – empfingen dort sogar Gäste. Damit demonstrierte man, dass man sich den Luxus des Schlafraumes leisten konnte, und führte zugleich vor, dass man es nicht nötig hatte, tatsächlich darin zu schlafen.

Schlaf und das Wissen darum, wie er positiv beeinflusst werden kann etwa durch Kräuter, gelten seit jeher als Domäne des Weiblichen. Damit hänge, so der Schlafforscher, zusammen, dass sich Frauen auch heute noch bewusster mit dem Thema Schlaf auseinandersetzten und nur ungern um seine heilsame Wirkung gebracht werden wollten. Meldet der Partner dann keinerlei Probleme mit dem Schlafen und merkt nichts von der nächtlichen Ruhestörung, die sein Schnarchen hervorruft, könne es zu Problemen in der Paarbeziehung kommen.

Frauen reagieren sensibler auf Bewegungen und Gerüche

Studien im Schlaflabor haben gezeigt, dass Frauen zwar angaben, sich wohler zu fühlen, wenn jemand neben ihnen liegt, physiologisch betrachtet aber schlechter und unruhiger schliefen, wenn dem so war. Der Beschützer soll also bitte da sein, aber wenn er das dann ist, stört er eben auch oft – ein bekanntes Dilemma langjähriger Ehen.

„Was das Schlafen angeht, liegt das aber nicht unbedingt daran, dass der Partner schnarcht“, sagt Gerhard Klösch. Vielmehr reagierten Frauen auch sensibler auf Bewegungen und Gerüche. Habe der Partner viel Alkohol getrunken beispielsweise, führe das unter Umständen zu unangenehmen Ausdünstungen, es befördere durch die Muskelentspannung außerdem das Schnarchen – „das Gaumensegel flattert.“ Wenn man abends aus war und getrunken habe, wäre es also angeraten, gleich im Gästezimmer zu nächtigen, um den anderen nicht die Nacht über wach zu halten, rät Klösch. Auch Medikamente oder chronische Krankheiten beeinflussten sowohl den Schlaf als auch den Körpergeruch und könnten somit Einfluss nehmen auf die Nachtruhe.

Obwohl Schnarchen hauptsächlich Männersache sei, werden Frauen mit zunehmendem Alter selbst zu Ruhestörerinnen, erklärt der Psychologe und Schlafforscher: „Weibliche Hormone schützen vor dem Schnarchen, das bedeutet aber, dass viele Frauen in den Wechseljahren zu schnarchen beginnen.“

Schlecht sind Ausweichmanöver – etwa, wenn einer auf dem Sofa einschlafe

Fest steht, Schlafprobleme verschärfen sich generell im Alter. Das hat mehrere Ursachen. Häufiges Bewegen, vermehrtes Aufwachen, nicht zuletzt Toilettengänge nähmen spätestens ab 60 zu, sagt Gerhard Klösch. Manchmal kämen noch Schmerzen, etwa im Lendenwirbelbereich hinzu. Deshalb die Einsicht: „Je älter wir werden, desto wichtiger werden getrennte Matratzen.“ Dadurch werde die Übertragung der Bewegungen auf den anderen minimiert.

Doch das ändert nun auch nichts am lauten Schnarchgeräusch von nebenan. Bleiben also nur getrennte Schlafzimmer? Klösch findet, das sei für viele eine gute Lösung. Egal, wie ein Paar sich entscheide, am wichtigsten sei der Weg dorthin. „Es ist nie gut, dem Problem auszuweichen – auch wenn viele Angst haben, dass der Partner sich zurückgewiesen fühlen könnte, wenn man getrennte Schlafzimmer vorschlägt“, sagt Klösch. Schlechter seien Ausweichmanöver wie etwa, wenn einer erst mal auf dem Sofa vor dem Fernseher einschlafe. „Wenn wir uns nach 15 Stunden Wachsein aufs Sofa legen, will der Körper Schlafdruck abbauen. Das kann beim Einschlafen helfen.“ Wache man nach zwei Stunden wieder auf und versuche, im Bett weiterzuschlafen, habe man den Schlafdruck bereits abgebaut, er fehle dann als Einschlafhilfe – und man liegt wach.

Bei getrennten Betten können Besuche nach dem morgendlichen Aufwachen helfen

Auch die Stuttgarter Paartherapeutin und Diplompsychologin Marion Stelter rät: „Am besten frühzeitig planvoll das Schnarchen ansprechen, damit gemeinsam ein guter Umgang gefunden werden kann. Bei längerem Zuwarten besteht die Gefahr, dass sich Ärger anstaut und dieser inadäquat geäußert wird.“ Gerhard Klösch rät davon ab, das Problem im Bett oder direkt nach dem Aufwachen anzusprechen: „Das Schlafzimmer muss eine Oase der Ruhe bleiben.“

Klösch verweist auf Studien, die zeigen konnten, dass Paare, die eine bewusste und gemeinsame Entscheidung für die Schlafsituation getroffen hätten, zufriedener seien als jene, die das Thema mieden – egal ob die Entscheidung am Ende laute, getrennt zu schlafen oder nicht. Marion Stelter glaubt, es könnten im Fall der räumlichen Trennung bei Nacht „gemeinsame Paarmomente im Bett eingerichtet werden“. Das könnten etwa Kuscheln vor dem Einschlafen sein oder Besuche nach dem morgendlichen Aufwachen.

Stelter hat einen Trost parat: „Das Thema spielt bei mir in den Paartherapie eine untergeordnete Rolle. Es erweist sich meiner Erfahrung nach nicht als Beziehungskiller, sondern als durchaus lösbares Thema in einer ansonsten intakten Partnerschaft.“