Demenz macht den Alltag für Betroffene und Angehörige kompliziert. Auch Autorin Claudia Leihenseder hat den Gasherd ihrer demenzkranken Mutter abgeklemmt. In ihrem Buch ist das immer wieder ein Thema. (Symbolbild). Foto: dpa/Jens Kalaene

Demenz stellt das Leben der Betroffenen auf den Kopf. Aber auch die Angehörigen leiden darunter, dass ein geliebter Mensch immer verwirrter und hilfloser wird. Die Journalistin Claudia Leihenseder aus Schorndorf hat ein Buch über die Krankheit ihrer Mutter geschrieben.

Schorndorf - Demenz kommt schleichend. Sie nimmt dem Betroffenen Stück für Stück sein Gedächtnis – und damit seine Freiheit, seine Fähigkeiten, seine Persönlichkeit. Was es bedeutet, diese Entwicklung als Angehöriger mitzuerleben, hat Claudia Leihenseder, Mitarbeiterin unserer Zeitung, in einem Tagebuch festgehalten. Bei ihrer Mutter war 2013 Demenz diagnostiziert worden, doch erst Monate später erfuhr die Patientin von ihrer Krankheit. Damit beginnt Leihenseders Buch, das den Titel „Da steht `ne Oma vor der Tür!“ trägt und kürzlich im Kieselsteiner Verlag erschienen ist.

Schreiben hilft

Mal nimmt die Mutter die falsche Bahn und irrt in der Stadt umher, dann sperrt sie sich aus ihrer Wohnung aus oder kauft an der Haustür einen teuren Staubsauger, den sie nicht braucht. „Es sind immer mehr Sachen passiert, da dachte ich mir, eigentlich wäre es spannend, das festzuhalten“, erzählt Claudia Leihenseder. So hat sie im September 2014 damit begonnen, einen Blog im Internet zu schreiben. Schließlich sei Schreiben ihr Medium, sagt die 45-Jährige, die mit ihrer Familie in Schorndorf wohnt. Außerdem helfe es ihr dabei, das Erlebte zu sortieren. Anfangs vergingen zwischen den einzelnen Einträgen meist ein paar Tage, später habe sie fast täglich geschrieben.

Das lag auch daran, dass sie sich mehr und mehr um die allein lebende Demenzkranke kümmern musste. „Ich hatte mir vorgenommen, dass ich meine Mutter begleite in dieser Zeit“, sagt sie. Doch irgendwann wurden die Schwierigkeiten im Alltag zu groß – und so endet das Buch schließlich mit dem Umzug der Mutter in ein Heim.

Hilfreich für andere

„Man verliert den Dementen an die Krankheit, er ist nicht mehr der Mensch, der er mal war“, sagt Leihenseder. Eine solche Erkrankung betreffe letztlich die ganze Familie. Deshalb richte sich ihr Buch vor allem an Angehörige: „Die Intention ist, zu zeigen, wie es mir ergangen ist. Und das hilft vielleicht anderen.“ Ihr selbst hätten die Tipps, mit denen andere Betroffene auf ihren Blog reagiert hatten, gut getan. Sie habe viel über die Krankheit gelesen, habe gewusst, was auf ihre Mutter und sie zukommen kann und wie sich ein Demenzkranker verändert. Das half. „Wenn man weiß, das gehört zur Krankheit und nicht zum Menschen, kann man damit viel besser umgehen“, sagt die Autorin.

Von ihrem Plan, aus dem Blog ein Buch zu machen, erzählte sie dem Illustrator Gecko Keck, der zu den einzelnen Einträgen kleine Zeichnungen angefertigt hat. So erinnert das Demenz-Tagebuch von der Aufmachung her an die Kinderbuchreihe „Gregs Tagebuch“. Keck hat „Da steht `ne Oma vor der Tür“ in seinem eigenen, dem Kieselsteiner Verlag, veröffentlicht.

Claudia Leihenseder hat ihre Mutter gefragt, ob sie einverstanden sei, dass über sie geschrieben wird – in einem der wenigen lichten Momente, die die Demenz ihr noch ließ. Sie hatte nichts dagegen, doch gelesen hat sie keinen der Einträge – das konnte sie nicht mehr.

Bezug: Das 204-seitige Buch ist noch nicht im Handel erhältlich. Es kann aber über die E-Mail-Adresse demenztagebuch@gmx.de zum Preis von 14,90 Euro bestellt werden.

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