Er weckt im Publikum vielerlei Emotionen – der Artist Henry Ayala, auch bekannt als „Prince of Clowns“, sorgt im Weltweihnachtscircus für Spaß und Nervenkitzel. Und er ist dankbar, dass das Publikum hier eine friedliche Welt erleben kann.
In der Manege begeistert er mit seiner Igelfrisur und seinem spitzbübischen Lächeln, scheinbar mühelos lotst er Besucher schnell mal in die Zirkusarena, um mit ihnen ein oder zwei Späße zu machen: Doch wer Henry Ayala abseits der Aufführung begegnet, trifft einen offenen und tiefgründigen Menschen. Schnell wird klar, dass er Spannung und Spaß nicht nur in der Manege zusammenbringt – beides bestimmt auch sein Leben. „Artist zu sein ist für mich kein Beruf, sondern das Leben“, sagt er.
Henry Ayala ist 44 Jahre alt und vertritt eine Zirkusfamilie in sechster Generation. Er ist in Venezuela geboren, mit der Familie im Alter von acht Jahren nach England gezogen und seitdem in Europa und auf der ganzen Welt unterwegs. Seine Eltern waren Hochseilartisten, der Rest der Familie trat als Clowns auf.
Schon mit fünf Jahren die ersten Shows
Ayala vereint beides. Mit fünf Jahren begann er auf dem Hochseil. Spielerisch in neun Meter Höhe. Sein Vater Henry senior trainierte ihn, und auch Mutter Luz freute sich über sein Talent. Schon mit fünf machte er in Shows mit. Später, als er 13 Jahre alt war, wurde seine Passion für Clowns geweckt. „Ich liebe Charly Chaplin. Er ist meine Inspiration.“ Die Menschen zum Lachen zu bringen, das will er. Mit 18 Jahren begann Ayala auch als Spaßmacher zu arbeiten. „Ich bin froh, ohne die sozialen Medien aufgewachsen zu sein“, sagt er. Das sei einfacher gewesen. Er schaue nicht, was andere in den sozialen Netzwerken machen. Er erfindet seine Geschichten und Tricks selbst.
Im Zirkus gefallen ihm die Reaktionen des Publikums. Etwa die Szene, in der er einen tollpatschigen Kellner mimt und an deren Ende Tabletts mit Torten fliegen, mit Spaghetti geworfen wird und alle Generationen begeistert sind. Seine Kandidaten aus dem Publikum schaut er kurz an, fühlt die Energie, ob es passen könnte. Die Zuschauer dürfen nicht zu schüchtern sein oder zu verrückt, sagt Ayala. Für seine Clown-Artistik hat er in Monte Carlo beim Internationalen Circusfestival den Silbernen Clown gewonnen. Doch Spaß ist nur die eine Seite.
Drei Weltrekorde auf dem Hochseil
Die Spannung hält er als Chef der Gruppe Ayala, die auch im Weltweihnachtscircus auftritt. Er fährt Einrad, an dem ein Artist hängt und sich dreht, er wiederum jongliert.
Ayala hält drei Weltrekorde auf dem Hochseil: 211-mal sprang er in einer Minute Seil, er machte 1009 Sprünge auf dem Hochseil und 14 Sprünge mit einem brennenden Feuerreifen in 60 Sekunden in Italien. Die Emotionen des Publikums seien es, die ihn freuen und bewegen, sagt er.
Bello Nock hat ihm zum Silbernen Clown gratuliert
Unweigerlich denkt man an den amerikanischen Star-Clown Bello Nock. „Er hat mir in Monte Carlo gratuliert“, sagt Ayala. In ihrer Art zu arbeiten sind sich die beiden ähnlich. Die Höhe macht ihnen nichts aus. Gehen sie durch eine Stadt, überlegen sie, wie toll es sein könnte, auf einem Hochseil zwischen den Gebäuden zu balancieren. Übrigens sieht er nicht das Seil, sondern eine Brücke vor sich, sagt er.
In Brasilien lief er in über 145 Meter Höhe als Prince of Clowns zwischen Hochhäusern. „Die Vorbereitung ist das Wichtigste“, sagt er. Sein Vater unterstützte ihn, als er vor sechs Jahren in Salvador de Bailla zwischen Hochhäusern erst balancierte, dann Fahrrad fuhr. Henry Ayala hat immer neue Pläne im Kopf. Seine Frau Tatjana stammt aus der Ukraine, sie ist Artistin auf einem elastischen Hochseil. Beide haben zwei Kinder, einen vierjährigen Jungen und ein zehn Monate altes Mädchen – die siebte Generation.
Mit Ehefrau Tatjana und Sohn dem Ukraine-Krieg entflohen
Im Februar 2022 haben sie den Schrecken des Kriegs in der Ukraine und den Überfall Russlands erleben müssen. Ayala schildert, wie sie den Ausbruch des Kriegs in Kiew erlebt haben, als sie im Schlaf von lauten Explosionen geweckt wurden und seine Schwiegermutter erklärte: „Die Russen attackieren uns. Wir müssen raus!“ Sie haben die Flucht schließlich über Polen geschafft, zuletzt zu Fuß. Es hat geklappt, weil Ayala einen britischen Pass hat. Doch noch lebt in Kiew ein Teil der Familie. „Es gibt jeden Tag Angriffe“, sagt Ayala.
Internationale Auftritte von China bis Australien
Die Artistenfamilie kann ausweichen, auch nach England und Spanien. Der Auftritt im Zirkus helfe ihm, sagt Ayala. Er ist dankbar, hier zu sein. Und er freut sich, dass im Zirkus angesichts all der Krisen und Kriege in der Welt eine bessere, friedliche Welt zu erleben ist. „Es ist ein gutes Gefühl, positive Eindrücke geben zu können“, sagt Ayala.
Für die Auftritte bis zum 7. Januar 2024 auf dem Wasen gibt es weitere Infos und Tickets unter: https://weltweihnachtscircus.de.