Salti auf dem doppelten Todesrad – Spannung pur im Weltweihnachtscircus. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Er wollte etwas schaffen, was das Publikum beeindruckt. Mustafa Danguir gelingt das im Weltweihnachtscircus in Stuttgart mit seiner atemberaubenden Todesrad-Konstruktion, die Artistik und Nervenkitzel vereint – und mitunter die Schwerkraft zu überlisten scheint.

Es sind acht Artisten, die im Weltweihnachtscircus als Mustafa-Danger-Gruppe auftreten und auf dem sogenannten doppelten Todesrädern ihre gefährliche Artistik zeigen: Sprünge und Salti auf dem zehn Meter hohen und eine Tonne schweren Metallbau, dessen metallene Reifen nur wenige Zentimeter über dem Boden streifen und in denen sich die Artisten ohne zusätzliche Sicherung bewegen. Vier Stunden hat es gebraucht, um das artistische Gerät, das aussieht wie jeweils vier zusammengeschweißte Hamsterräder, im Weltweihnachtscircus aufzubauen. In Deutschland ist es in dieser Form erstmals zu sehen.

 

Den Silbernen Clown in Monte Carlo bekommen

Eine gefährliche Sensation: Der Chef Mustafa Danguir und Yassir Achak vollführen auf den zwei Todesrädern den doppelten Salto. Dafür haben sie im Januar den Silbernen Clown in Monte Carlo beim Internationalen Circusfestival erhalten. Ein besonderer Höhepunkt für die Artisten und Danguir, der die Artistik von der Pike auf gelernt hat. „Wir haben in Monte Carlo Geschichte geschrieben“, sagt er. Der 47-Jährige weiß, es ist die beste Präsentation, die er je hatte. Danguir ist in Marokko geboren, lebt aber seit langem in Spanien.

Beim Zirkus Ringling Brothers in den USA tätig

Er hat schon vielerlei Artistik präsentiert und sein Rüstzeug an einer Artistenschule in Spanien erworben: Dort war er als Jongleur und auch am Trapez aktiv. Am Hochseil war er zehn Jahre beim Zirkus Ringling Brothers in den USA tätig mit einer Gruppe. Dort ist er auch einmal abgestürzt in die Sicherheitsmatte und hat sich verletzt. Aber zum Glück konnte er als Artist weiterarbeiten. Die Zeit in den USA hat er dennoch genossen, in Texas und New York mit 26 000 Zuschauern.

Eigene Zirkusschule in Spanien

Danguir stammt nicht aus einer Zirkusfamilie, sein Vater war Barkeeper und seine Mutter hat sich um die Familie gekümmert: drei Töchter und drei Söhne. Die Kinder studieren und führen ein normales Leben, was ihn freut. Er hat sein Diplom von der Zirkusschule. Sein erster großer Traum war es, bei Ringling Brothers zu arbeiten. Von dort sah er als Kind schon Aufführungen und wollte einmal hin. Sein zweiter Traum ist es, die Qualität als Artist zu halten und weiter zu entwickeln. Und nun jüngst seine Zirkusschule, die er 2020 in Spanien in Ourense gegründet hat. „Dort bilde ich Menschen mit Talent aus“, sagt er. Er gibt ihnen die Chance, sich ihren Fähigkeiten entsprechend zu entwickeln, gespeist aus den Erfahrungen, die er als Artist gesammelt hat. „Es können Kinder ab zehn Jahren mitmachen, aber auch schon mal Vierjährige kommen“, erzählt er. Etwa 45 artistische Lehrer aus aller Welt unterstützen ihn in der Schule.

Ehefrau Inès klettert ihm auf dem Todesrad auf die Schultern

Danguirs Frau Inès Castrillo tritt mit ihm auch im Weltweihnachtscircus auf. Sie klettert ihm auf die Schultern und so überschreiten sie das Todesrad unversehrt in schwindelerregender Höhe immer entgegen der Schwerkraft. Die Präsentation will der Artistenchef noch weiter entwickeln. Er war in ganz Europa von Portugal bis Italien auf Tour, auch im Fernsehen im Libanon bei „Go Talent“ und in Italien. Auch hat er Japan, Kanada, Mexico, Peru und Santiago de Chile bereist.

Skywalk in Spanien mit einem Motorrad

Mit dem amerikanischen Clown und Artisten Bello Nock ist er befreundet. Er hat ihn 1996 in Florida kennen gelernt. Beide eint der Nervenkitzel am Skywalk. Nur auf verschiedene Art. Im spanischen Benidorm ist Danguir 2010 vom Hotel Bali in 200 Metern Höhe über ein Hochseil mit einem Motorrad gefahren zu einem Berg auf einer Strecke von einem Kilometer – ein Weltrekord. Mit dem Artisten Yassir Achak als ausgleichendes Gewicht am Seil darunter. Und in Madrid machte er sich die Freude, im Stadion von Real Madrid in 40 Metern Höhe zu balancieren. Das Schöne für ihn: „Ich war als Kind Fan von Real Madrid.“ Dieses Jahr war er schon auf Skywalk-Abenteuer in Peru. Auf die Frage, ob er denn keine Angst habe, antwortet er: „Wir kontrollieren unsere Angst“.

„Du siehst nicht nur einen Akt, sondern ein Leben“

In der Manege sagt er, sieht das Publikum zehn Minuten von der Vorführung, wenn sich die zwei Todesräder drehen. „Doch du siehst dort nicht nur einen Akt, sondern ein Leben.“ Das Auf und Ab der Räder, die sich in der Manege ständig drehen und von den Artisten bewegt werden, symbolisieren für ihn das Leben. Nach dem Weltweihnachtscircus geht die Gruppe zum Zirkus Krone nach München. Dann wird „Mister Danger“ , wie ihn in Madrid einst eine TV-Moderatorin bezeichnete, dort für Nervenkitzel sorgen.

Für die Vorstellungen der 29. Auflage des Weltweihnachtscircus bis Sonntag, 7. Januar 2024 auf dem Wasen gibt es Infos und Tickets im Internet unter: weltweihnachtscircus.de/.