In Berlin gibt es bereits ein Katzenmusikcafé. Unsere Autorin wünscht sich auch eins in Stuttgart. Foto: dpa

Zum Weltkatzentag erinnert sich unsere Autorin Alexandra Belopolsky an ihr Leben in Tel Aviv, wo sie ständig von Straßenkatzen begleitet wurde. Das hatte durchaus Vorteile.

Stuttgart - Getigert, schwarz mit einem Kragen, grau mit Handschuhen. Mit breitem, flachem Gesicht, mit einer langen Schnauze, mit einem fluffigen Schweif. Ich bin mit Katzen jeder Farbe, Form, Größe und Flauschigkeitsstufe aufgewachsen – und das, obwohl wir nie ein Haustier hatten.

In Tel Aviv, wo ich groß geworden bin, sind Straßenkatzen so allgegenwärtig wie aktuell Einhörner in den Geschäften. Sie sitzen in Ecken, spazieren durch die Seitenstraßen, sorgen für kleine Herzinfarkte, wenn sie eine Hauptstraße überqueren. Ein Straßencafé ohne eine Katze in unmittelbarer Nähe ist in Tel Aviv fast undenkbar. Ich finde es immer noch seltsam, wenn ich am Rotebühlplatz oder in der Tübinger Straße draußen sitze und kein miauender Bettler versucht, etwas von meinem Teller abzubekommen – entweder durch verschmustes Anreiben oder böses Anstarren.

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Nach offizieller Schätzung leben in Israel mehrere Millionen Katzen auf der Straße. Natürlich ist das nicht ideal – weder für viele Einwohner, noch für die Ökobilanz und auch nicht für die Tiere selbst. Lokale Behörden versuchen seit Jahren, die Tiere zu sterilisieren, um ihre Anzahl zu verringern – doch es fehlt das Budget. Ein heißer Kampf besteht seit Jahren zwischen Tierfreunden, die die obdachlosen Fellnasen regelmäßig mit Futter und Wasser versorgen, und deren Gegnern.

Und doch hat diese dauernde Präsenz ihren Charme. Eine der schönsten Erinnerungen aus meinem letzten Tel Aviv Besuch ist ein Abendessen in einem Straßencafé. Eine große graue Katze hatte erkannt, dass mein Salat Hähnchen enthielt – und ich teilte gern mit ihr. Den Rest des Abends verbrachte ich zwischen Plaudern, Kaffeetrinken und Füttern und Streicheln.

Studien weisen nach, dass das Streicheln von Katzen beruhigt

Man kann sich in Tel Aviv auf die Katzen verlassen. Komme ich von einem schlechten Termin, wurde ich bereits belästigt (ein Phänomen, das in Tel Aviv so präsent ist wie die Katzen), bin ich übellaunig – doch früher oder später stoße ich auf ein flauschiges Wesen, das sich mit ein bisschen Glück auch streicheln lässt. Und vielleicht sogar dabei schnurrt. Studien haben nachgewiesen, dass das Streicheln einer Katze eine beruhingende Wirkung aufweist.

Das fehlt mir. Ich war bisher noch nie in der Lage, eine Katze zu Hause zu halten – und ich vermisse sie. Deshalb wünsche ich mir zwar nicht, dass der Stuttgarter Schlossplatz auf einmal von Straßenkatzen bevölkert wird. Als Tierliebhaberin schätze ich es sehr, dass die 13,4 Millionen Katzen in deutschen Haushalten gut versogt sind, und würde es nie ändern wollen. Aber ich freue mich tierisch auf den Tag, an dem in Stuttgart ein Katzencafé aufmacht.

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