Lisi Maier von der Bundesstiftung für Gleichstellung forderte in Eislingen mehr Tempo. Ein höherer Frauenanteil in Berufen wäre ein Mittel gegen den Fachkräftemangel. Der Bahnstreik verzögerte Maiers Auftritt in der Stadthalle – Leni Breymaier füllte die Lücke.
Die Efa-Vorsitzende Leni Breymaier musste bei der Veranstaltung zum Weltfrauentag am Freitag zunächst in die Bresche springen. Als Rednerin war Lisi Maier, Co-Direktorin der Bundesstiftung für Gleichstellung, angekündigt – aber sie hing auf der Schiene fest. Der Grund: Bahnstreik. Breymaier füllte in der Eislinger Stadthalle die Lücke, bis Maier kam, gut.
„Es gibt noch handfeste Verteilungsfragen“, betonte die SPD-Bundestagsabgeordnete, die auch im Stiftungsrat sitzt. Man habe schon vieles erreicht, Themen, die nur Frauen bewegen, würden mittlerweile politisch ausgeleuchtet. Die Hände in den Schoß legen könne man freilich nicht, um Gleichstellung und Parität auf allen Ebenen zu erreichen, müssten Forderungen nicht nur gestellt, sondern energisch durchgesetzt werden.
Mit Blick auf bisher Erreichtes müsse es dennoch weiter heißen: „Wir wollen nicht die Hälfte des Kuchens, sondern die Bäckerei“, sagte Breymaier. Sie fordert mehr politisches Engagement von ihren Geschlechtsgenossinnen.
Mit einer halbstündigen Verspätung, nach zehn Stunden Bahnfahrt, traf Lisi Maier schließlich ein und sie bestätigte mit Zahlen und Fakten, was Breymaier schon angerissen hatte: Frauen sind dreifach benachteiligt, wenn es um den Arbeitsmarkt geht. Sie arbeiten weniger, bekommen für gleiche Leistung weniger Geld und leisten deutlich mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer. Spätestens bei der Rente schnappe die Teilzeitfalle zu.
Auch in puncto Führungsposition ist es mit Parität nicht weit her, nur ein Drittel sind hier Frauen. „Obwohl Frauen beim Berufseintritt im Schnitt höher qualifiziert sind als Männer“, erklärte Maier. Studien belegen: Die Teilzeitquote lag bei Frauen im Jahr 2020 bei 65,5 Prozent, 2010 bei 64,2 Prozent, der EU-Durchschnitt ist mit 33,9 Prozent deutlich niedriger.
Deutlich höheres Tempo bei Gleichstellung gefordert
Die Quote variiert auch in den Bundesländern, Baden-Württemberg ist hier, gefolgt von Bayern, das Schlusslicht, in den östlichen Bundesländern sind weit mehr Frauen im Vollerwerb. Ausschlaggebend sei vor allem das Kinderbetreuungsangebot.
Fachkräftemangel ist in aller Munde. „Könnten die Mütter mit jüngstem Kind unter sechs Jahren ihre Arbeitswünsche umsetzen, entspräche das 840 000 zusätzlichen Personen auf dem Arbeitsmarkt“, sagte Maier und fügte an: „Würden 2,5 Millionen der teilzeitbeschäftigten Mütter ihre Wochenarbeitszeit um eine Stunde erhöhen, entspräche das rund 70 000 Vollzeitstellen.“ Die Lösung liege praktisch auf der Hand, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die daraus resultierende Mehrbeschäftigung von Frauen seien abhängig vom weiteren Ausbau der Kinderbetreuung.
Gemäß der Agenda für nachhaltige Entwicklung soll die Geschlechter-Gleichstellung bis 2030 umgesetzt werden. „Gemessen am aktuellen Tempo wird es noch 140 Jahre dauern, bis Frauen gleichberechtigt Führungspositionen einnehmen“, sagte Maier und forderte deutlich mehr Tempo.
Kundgebung zum Weltfrauentag
Schon am späten Freitagnachmittag gab es auf dem Göppinger Marktplatz eine Kundgebung zum Weltfrauentag. Dort wurde geredet und getanzt. Verschiedene Rednerinnen haben mehr Fortschritte beim Thema Gleichberechtigung gefordert. Eva Epple vom Interkulturellen Frauenrat nannte die globale Lage in Bezug auf Frauenrechte „hoffnungsloser als vor zwei Jahren“. Anja Verena Schick, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Göppingen, sagte, es gelte „tief verwurzelte Ungleichheiten zu überwinden“. Heide Kottmann vom Kreisfrauenrat wies darauf hin, dass Frauen in der Kommunalpolitik auch im Kreis Göppingen nach wie vor unterrepräsentiert seien. Dabei könnten Frauen den Blick auf die Herausforderungen vor Ort verändern. Göppingens Oberbürgermeister Alex Maier betonte: Frauenrechte sind Menschenrechte. Alle sollten sich dafür einsetzen.
Stiftung bündelt Wissen zum Thema Gleichstellung
Stiftung
Die Bundesstiftung für Gleichstellung wurde vor zwei Jahren mit dem Ziel, die Gleichstellung zu stärken, gegründet. Die Aufgabe der Stiftung ist es, Wissen zu bündeln und daraus Schlussfolgerungen für den politischen Handlungsprozess abzuleiten.
Person
1984 in München geboren, hat Lisi Maier Lehramt für Realschule studiert. Sie kam über die Kolpingjugend zur Jugendverbandsarbeit und wurde im Jahr 2012 hauptamtliche BDKJ-Bundesvorsitzende. Seit zwei Jahren ist sie Co-Direktorin der Bundesstiftung. Sie teilt sich den Job mit Arn Sauer.
Weltfrauentag
Seit 1911 feiern Frauen den „Internationalen Tag der Frauen“, an dem weltweit auf Frauenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam gemacht wird.