In Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Diabetes-Gesellschaft sechs Millionen Menschen, die an einer der sechs Formen der Stoffwechselstörung leiden. Foto: dpa

Am heutigen Welt-Diabetes-Tag warnen Experten vor immer mehr Erkrankungen im Kindesalter. Die Zuckerkrankheit war schon den alten Griechen und Römern bekannt.

Stuttgart - Die Zuckerkrankheit war schon den alten Griechen und Römern bekannt. „Honigsüßer Durchfluss“ heißt der Fachbegriff Diabetes mellitus übersetzt – weil der Urin der Patienten süßlich schmeckt. Längst nutzen Ärzte für die Diagnose Teststreifen statt ihren Geschmackssinn. Und diese stellen sie immer öfter, wie Experten am Weltdiabetestag warnen.

Diabetes gehört mehr und mehr zu den großen Volksleiden: Zählte die Weltgesundheitsorganisation WHO 1994 weltweit rund 110 Millionen Betroffene, so gibt es nach Schätzungen inzwischen mehr als 250 Millionen Diabetiker. In Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Diabetes-Gesellschaft sechs Millionen Menschen, die an einer der sechs Formen dieser Stoffwechselstörung leiden. Und die bewirkt stets das Gleiche: Im Blut befindet sich zu viel Zucker.

Überraschend sind die neuen Zahlen nicht: Die Deutschen werden immer dicker. Sieben von zehn Männern und fünf von zehn Frauen bringen zu viel Gewicht auf die Waage. Und Übergewicht und Bewegungsmangel gelten als Hauptauslöser für den Typ-2-Diabetes, der häufigsten Form der Stoffwechselstörung.

Wie sehr ungesundes Essen das Risiko für diesen Diabetes-Typ erhöht, hat nun eine europaweite Studie unter der Leitung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke belegt: Von den knapp 22.000 Teilnehmern erkrankten diejenigen an Diabetes Typ 2, bei denen häufig Softdrinks, Weißbrot und verarbeitete Fleischprodukte auf dem Speiseplan standen. Diejenigen, die auf ihre Ernährung geachtet hatten, bekamen die Stoffwechselstörung seltener oder später.

Zuckerkrankheit trifft nicht nur Dicke

Zwar bildet der Körper der Betroffenen genügend Insulin: das Hormon, das normalerweise den Zuckerspiegel im Blut reguliert und dafür sorgt, dass der Zucker auch verstoffwechselt wird. Doch das Insulin wirkt nicht mehr so gut in den Zellen, in denen es wirken muss – in der Leber, dem Fettgewebe und der Muskulatur. Der Effekt verbessert sich erst, wenn die Diabetiker abnehmen und Sport treiben. So verbrauchen Muskelzellen mehr Energie und nehmen mehr Glukose aus dem Blut auf, heißt es beim Berufsverband Deutscher Internisten.

Doch die Zuckerkrankheit trifft nicht nur Dicke: Immer mehr Kinder erkranken am Typ-1-Diabetes. Inzwischen sind es rund 30.000 Betroffene. Und die Zahl der Neuerkrankungen steigt jährlich um zwei bis vier Prozent. Das Immunsystem entgleist und zerstört die insulinproduzierenden Zellen. Es herrscht Insulinmangel. Warum das so ist, können Forscher nur vermuten: Virus­erkrankungen können das Risiko fördern. Aber auch Gene, Vitamin-D-Mangel und die Ernährung können eine Rolle spielen, heißt es bei der Deutschen Diabetes-Hilfe.

Immerhin gibt es einen Weg, die Erkrankung deutlich vor ihrem Ausbruch zu diagnostizieren: Mediziner an dem Helmholtz-Zentrum und der TU München haben gemeinsam mit Forschern aus Dresden, den USA und Finnland herausgefunden, dass der Angriff des Immunsystems beim Typ-1-Diabetes mit der Bildung ganz bestimmter Antikörper verbunden ist. Und diese lassen sich mit einem Bluttest nachweisen.

Die frühe Diagnostik bietet große Chancen. Denn die insulinproduzierenden Zellen werden nicht von heute auf morgen zerstört. Wenn es gelänge, die überschießende Immunreaktion des Körpers in der Frühphase zu kontrollieren, könnte die Krankheit aufgehalten oder im Verlauf gebremst werden.

Infos gibt es bei der Deutschen Diabetes-Gesellschaft und der Deutschen Diabetes-Hilfe.
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