Noch unklar ist, wann sich die Discokugel für maskenlose Tänzer wieder dreht. Foto: Lg//Iannone

Endlich ohne Maske tanzen – viele haben sich zu früh auf alte Freiheiten in den Clubs gefreut. Noch gibt es Klärungsbedarf. PCR-Tests werden jetzt billiger.

Stuttgart - Wann kehrt die gute alte Partynacht mit verschwitzen Shirts, verliebten Blicken auf Tanzflächen und vibrierenden Rhythmen durch Mark und Bein zurück? Die baden-württembergische Landesregierung geht in Deutschland voran beim Retten des seit 17 Monaten brachliegenden Clublebens. Es ist auch ein Retten des Jungseins und Erwachsenwerdens. Seit Montag entscheiden im Land nicht mehr die Inzidenzen, was erlaubt ist. Geimpfte sind im Vorteil. Clubs dürfen öffnen – aber die allermeisten in Stuttgart machen es nicht. Denn noch immer ist unklar, wann genau die Maskenpflicht auf den Tanzflächen fällt, wie dies Vertreter der Clubszene, der Dehoga und das Gesundheitsministerium bereits am Dienstag ausgehandelt haben. Im Update der neuen Coronaverordnung steht davon noch nichts.

 

Wann tritt die neue Bestimmung in Kraft?

Etliche Clubs hatten sich voller Vorfreude darauf vorbereitet, an diesem Freitag die erste Tanznacht ohne Masken zu feiern. Weil vieles noch unklar ist, hat etwa das Kowalski das Re-Opening abgesagt, wie Betreiber Sasa Mijailovic mitteilt. Der Club beim Hauptbahnhof wird am Wochenende nur eine Bar mit zugebauter Tanzfläche sein, auf der Stühle und Tische stehen. Voraussetzung für den Tanzstart ohne Maske ist ein Hygienekonzept, das die Clubbranche dem Sozialministerium vorlegen muss. „Frühestens zum letzten August-Wochenende kann ohne Maske und mit voller Kapazität durchgestartet werden“, glaubt Marius Lehnert, der vom DJ zum Testanbieter geworden ist.

Was sagt das Sozialministerium?

Der Zeitplan für die Rückkehr alter Freiheiten ist noch offen. Für das Sozialministerium erklärt Sprecherin Claudia Krüger: „Die Vertreter der Clubbetreiber haben zugesagt, einen Muster-Hygieneplan zu erstellen, der unter anderem darlegt, wie eine gleichwertige Alternative zum  Mund-Nasen-Schutz  erzielt  wird.“ Sobald dieses Konzept vorliege, könne darüber entschieden werden. „Der Zeitplan liegt also in den Händen der Verbände und Organisationen beziehungsweise der einzelnen Clubbetreiber“, unterstreicht Claudia Krüger. Einen Termin zum Start der maskenfreien Clubs kann Dehoga-Sprecher Daniel Ohl nicht nennen. „Beide Seiten arbeiten mit Hochdruck am Konzept“, sagt er. Dabei gehe es um die „Präzisierung der Bestimmungen für die Luftreinigung“. Ist der Luftaustausch optimal, darf der Club zu 100 Prozent ausgelastet werden. Wenn nicht, zu 70 Prozent, der Eintritt wäre nur mit 2-G-Regel (geimpft, genesen) möglich.

Wann öffnen die Clubs?

Das Mica am Kronprinzplatz, das Kowalski beim Hauptbahnhof und das 7grad an der Theo-Heuss werden auf jeden Fall am Freitag öffnen – wenn es nicht anders geht, mit Maske oder als Bar ohne Tanz. Das Pure an der Friedrichstraße hofft noch, am Freitag mit neuen Regeln öffnen zu können, allein schon, um „13 antivirale Luftfilter“ vorzustellen, die in der Pandemie installiert wurden und „reinste Luft weit in die Räume fluten“. Der Perkins Park startet am 17. September – mit der „La Boum“-Party. Das White Noise und Climax Institute öffnen im Oktober. Der Club im Schiff von Fridas Pier will sich Ende der nächsten Woche zurückmelden. Es gibt so manches, was angesichts dieses schwierigen Neustarts bei den Clubbetreibern für Kopfschütteln sorgt. So dürften etwa bei Hochzeiten und privaten Festen mehrere Hundert Menschen ohne Masken zusammenkommen, in den Clubs aber bisher nicht. Obwohl junge Leute bald wieder ohne Maske tanzen dürfen, müssen sie diese sogar auf den Pausenhöfen der Schulen tragen. Der Schülerausweis reicht übrigens nicht, um in Clubs zu kommen.  

Wie hoch ist die Impfquote?

Die neue Coronaverordnung des Landes zielt darauf ab, den Impfanreiz zu erhöhen. Die Clubvertreter haben zugesagt, dass direkt vor den Tanzorten künftig mobile Impfteams den Piks verpassen können. „Impfen ist das neue Cool“, lautet die Devise. Der Mica-Club schätzt, dass 50 Prozent seiner Gäste bereits geimpft ist. Beim Club Kowalski mit älteren Gästen ist diese Quote wesentlich höher. „Bei Tischreservierungen für unseren Barbetrieb fragen wir immer nach, wer geimpft ist, weil diese Leute abgezogen werden“, sagt Betreiber Sasa Mijailovic. Dieser Prozentsatz liege bereits bei 80 Prozent.

Welche Angebote von PCR-Tests gibt es?

Für Nichtgeimpfte, die nach der Wiedereröffnung von Clubs und Diskotheken auch wieder abtanzen wollen, gibt es in Stuttgart bisher PCR-Testangebote, deren Preise von knapp 50 Euro bis zu 156 Euro reichen und deren Ergebnisse nach 24 bis 36 Stunden vorliegen. Das ist nicht nur aus Sicht der Clubbesucher deutlich zu teuer und zu langsam. Zumal ein Test nicht älter als 48 Stunden sein darf. So hat etwa der Anbieter 15minutentest.de im Bosch-Areal einen PCR-Test für 49,90 Euro im Angebot, dessen Ergebnis „im Laufe des Folgetages“ vorliegt, sagt Marius Lehnert. Das Unternehmen werde aber „in Kürze“ einen PCR-Test anbieten, dessen Ergebnis bis zum nächsten Morgen da ist. Und bis zum letzten August-Wochenende werden man so weit sein, hofft Lehnert, der selbst Mitglied im Club Kollektiv ist, dass der Preis „auf 39,90 Euro runtergeht“.

Wie wird das Testangebot günstiger?

Lars Rüther von LMV Laboratories aus Stuttgart, die in Kooperation mit Coronatest.de Teststellen im Königsbau und im Milaneo unterhalten, ist bei der Preisgestaltung noch ambitionierter. „Ziel ist, dass wir auf 30 Euro oder darunter kommen und das Testergebnis spätestens nach drei Stunden vorliegt“, sagt der LMV-Geschäftsführer. Bis jetzt hat man ähnliche Preise wie der Mitbewerber aus dem Bosch-Areal. Doch LMV hat in Stuttgart selbst ein Labor aufgebaut, das Testergebnisse innerhalb von drei Stunden liefert. Dieses soll auch noch auf einen Lkw montiert und mobil gemacht werden. Das schnelle und günstigere Angebot könne man erreichen, wenn viele Tests zusammenkommen und die Proben frühzeitig genommen und etwa an den Clubs gesammelt ins Labor gebracht werden. Zum Zielpreis sagt Rüther: „15 Euro pro Nacht wären vertretbar.“