Weil die Menschen immer älter werden, nimmt auch der Bedarf an Sehhilfen weiter zu. Kopfzerbrechen bereitet vielen Inhabern von Optikergeschäften, dass es nur wenig Interesse von potenziellen Nachfolgern für eine Geschäftsübernahme gibt. Die Optiker-Leitmesse Opti wird von 2021 an jeweils in den ungeraden Jahren in Stuttgart stattfinden.
München - Die heimischen Hersteller von Brillengläsern lassen wenige Tage nach Silvester erneut die Sektkorken knallen. „2019 ist deutlich besser als erwartet gelaufen“, jubelt der Chef des deutschen Branchenverbands Spectaris, Josef May. Um gut fünf Prozent auf 4,7 Milliarden Euro seien die Umsätze der augenoptischen Industrie Deutschlands voriges Jahr gestiegen. Nur ein halb so starkes Wachstum war erwartet worden. „Der Trend, Brillen aus modischen Gründen zu kaufen, nimmt zu“, erklärt May am Rande der Branchenleitmesse Opti in München den erfreulichen Zuwachs.
Die Branche wächst seit 2011 kontinuierlich weiter
Die Branche wächst seit 2011, wenn auch nicht im Ausmaß des Vorjahrs. Deutsche werden immer älter. Ältere Menschen brauchen vermehrt Brillen. Vor allem aber wächst das Auslandsgeschäft. Die Exportumsätze der Branche haben 2019 um fast sieben Prozent zugelegt. Brillengläser made in Germany werden jenseits deutscher Grenzen nun fast im gleichen Umfang wie im Inland verkauft. Hier spielt das globale Bevölkerungswachstum der Branche in die Hände.
Durchwachsen sieht es im Handel bei den Optikergeschäften aus. Zwar mehren sich im Jahresvergleich auch hier die Stimmen derer, die steigende Umsätze vermelden, freut sich der Chef des Zentralverbands der Augenoptiker (ZVA), Thomas Truckenbrod. Rund 60 Prozent der Filialen hätten in einer Umfrage soeben von besseren Geschäften berichtet. Voriges Jahr seien es nur knapp mehr als die Hälfte gewesen. Zum zunehmenden Problem werden aber Betriebsübergänge, wenn Besitzer von Optikerbetrieben ins Rentenalter kommen. Etwas mehr als ein Zehntel aller Betriebe plane in der nächsten Zeit einen solchen Übergang, weiß Truckenbrod. Das sind immerhin rund 1200 Geschäfte bundesweit. Erst bei 41 Prozent davon steht ein Nachfolger fest.
Flächendeckende Versorgung ist nicht gefährdet
Mehr als 700 Optikergeschäfte suchen rechnerisch in Deutschland also noch einen solchen. Wird der nicht gefunden, muss der Betrieb schließen. Die flächendeckende Versorgung sei deshalb nicht gefährdet, beruhigt Truckenbrod. Denn es würden auch immer wieder neue Filialen eröffnet. Etwa 12 000 Optiker-Standorte gibt es derzeit bundesweit.
Jeder zweite Betrieb klagt über Fachkräftemangel. Der Verband ZVA hofft, dass diese Klagen demnächst abflauen. Mit mehr als 7000 Lehrlingen und steigender Tendenz seien die Aussichten auf Berufsnachwuchs bei Optikern besser als in manch anderen Bereichen, betont Truckenbrod. Insgesamt beschäftigt die Branche hierzulande relativ konstant knapp 70 000 Mitarbeiter.
An Geschäftsperspektiven mangelt es nicht
An Geschäftsperspektiven mangelt es Optikern nicht. Von den gut 42 Millionen Brillenträgern, die es in Deutschland gibt, habe jeder Vierte keinen Sonnenbrille oder getönte Gläser, sagt May. 300 bis 400 Euro lassen sich Verbraucher einfache Brillen im Schnitt kosten, bei Gleitsichtgläsern sind es bis 1300 Euro – Tendenz jeweils steigend, sagt May. Mit drei Prozent Umsatzwachstum kalkuliere die optische Industrie auch für 2020 wieder.
Die Opti sieht sich mit ihren gut 600 Ausstellern und jährlich 28 000 Fachbesuchern als internationale Leitmesse für Optik und Design. Bislang war sie fest in München verankert. 2021 erstmals und dann in jedem ungeraden Jahr wird sie aber auch in Stuttgart sein. Der Grund ist, dass in diesen Jahren das Münchner Messegelände bis kurz vor der Opti mit der Weltleitmesse Bau belegt ist. Der Abbau der teils riesigen Baumaschinen nimmt so viel Zeit in Anspruch, dass ein geregelter Aufbau der Opti nicht mehr möglich wäre.
„Wir freuen uns sehr, die renommierte Messe für Augenoptik künftig bei uns in ungeraden Jahren begrüßen zu dürfen“, sagt Ulrich Kromer, Sprecher der Geschäftsführung der Landesmesse Stuttgart. Stuttgart biete im Wechsel mit München bestmöglichen Entfaltungsspielraum. Die Münchner Messe habe verschiedene Alternativen begutachtet und bei den Stuttgarter Kollegen schließlich die besten Voraussetzungen für eine wechselseitige Ausrichtung der Opti gefunden, wie Dieter Dohr als Chef der Münchner Gesellschaft für Handwerksmessen betonte. Zum Auftakt 2021 wird die Stuttgarter Opti fünf Messehallen belegen.