Bereits zum 26. Mal präsentierten Weingüter und Genossenschaften sich und ihre Produkte in der „Kathedrale des Weins“ in Fellbach. Foto: Julian Rettig

Der Weintreff in der Alten Kelter in Fellbach zieht Fachleute und Weinliebhaber an. Neben edlen Tropfen – Winzersekt, Premiumweine sowie Destillate – gab es in diesem Jahr auch Wein in Perlenform zu verkosten. Und Hartmut Jenner wurde als „Remstäler des Jahres 2024“ vorgestellt.

Unter dem imponierenden Holzgewölbe der Alten Kelter in Fellbach – auch Kathedrale des Weins genannt – floss edler Rebensaft. 44 Weingüter und Genossenschaften präsentierten sich und ihre Produkte. Kein Wunder, dass sich die Besucher beim 26. Weintreff vor den Toren Stuttgarts wie im Genießerhimmel fühlten, wie das Remstal wegen seiner vielen vinologischen und kulinarischen Köstlichkeiten auch bezeichnet wird. Am Wochenende konnten rund 300 Weine und weitere regionale Genusserzeugnisse verkostet werden. Außerdem wurde Hartmut Jenner, CEO bei Kärcher, dem Weltunternehmen aus Winnenden, als „Remstäler des Jahres 2024“ vorgestellt.

 

Hartmut Jenner werde „für sein klares Bekenntnis zur Region und damit zum Remstal“ ausgezeichnet, so steht es in der Ernennungsurkunde. „Als Chief Executive Officer der Alfred Kärcher SE & Co. KG verkörpert er die Werte des Remstals auf einzigartige Weise und transportiert diese Botschaft weltweit.“ Außerdem, so Michael Scharmann, Oberbürgermeister der Stadt Weinstadt und Vorsitzender des Vereins Remstal Tourismus, stehe das Remstal ja nicht nur für Genuss. „Wir sind auch bekannt für unsere Wirtschaftskraft, für unsere Tüftler und für unsere fleißige Unternehmer, die stolz sind auf ihre Heimat und auf deren Werte.“ Hartmut Jenner sei, so Scharmann, hierfür „ein Paradebeispiel“.

Hartmut Jenner besitzt einen Weinberg mit Lemberger Trauben

Jenner, der aus der Landwirtschaft kommt, erklärte, er sei stolz und froh, Botschafter seiner Heimat zu sein. „Ich bin hier geboren, liebe die Region, die Landschaft und ihre Menschen. Das Remstal trage ich im Herzen.“ Außerdem besitze er einen Weinberg mit Lemberger Trauben, den der preisgekrönte Jung-Wengerter Moritz Haidle aus Kernen- Stetten im Barrique ausbaut. „Kaufen kann man den Wein aber nicht, nur geschenkt bekommen. Es gibt nur 330 Flaschen davon im Jahr.“

Zusammen mit seiner Ernennungsurkunde bekam Hartmut Jenner die exklusive Bronzeskulptur „Der Krählesbinder“ von dem im Remstal ansässigen Künstler Karl-Ulrich Nuss. Seine Vorgänger sind ebenfalls stolze Besitzer des Krählesbinders: 2019 war der Remshaldener Unternehmer Karl Schnaitmann „Remstäler des Jahres“, 2020 der Autorennfahrer Bernd Mayländer aus Plüderhausen und im vergangenen Jahr die SWR-Moderatorin Petra Klein, die in Fellbach lebt.

Die Neu-Erfindung „Probierbrettle“

Nicht nur der Geschmacks- und Geruchsinn werden beim Weintreff und beim Aromaschnuppern der Weinerlebnisführer gebraucht. Auch ein gewisses Maß an Geschicklichkeit ist durchaus hilfreich. Weinglas, Verkostungsliste und Kugelschreiber heil von Probierstand zu Probierstand zu bringen, erfordert Koordination. Erstaunte und auch ein wenig neidische Blicke erntete deshalb das „Probierbrettle“, das Lutz Häberle und Rainer Hahn, zwei Weinliebhaber aus Rommelshausen, mit sich trugen. Das Brettchen, das, so erklärte sein Erfinder, der Schreinermeister Rainer Hahn, einer Malerpalette nachempfunden sei, ist mit einem Greifloch für den Daumen, dazu mit Halterungen für ein Weinglas mit Stiel, einem Kugelschreiber und einer Klammer für Notizzettel ausgestattet. „Und es hat eine Rundung für den Bauch“, sagte Hahn und deutete auf seine Körpermitte.

Derart gut ausgerüstet konnten die Weinfreunde aus Kernen die geführten Weinproben von Petra Klein in vollen Zügen genießen. „Die Weine aus dem ersten Flight würde ich alle sofort kaufen“, sagte Lutz Häberle, „die haben jeder auf seine Art etwas Besonderes.“ Und auch die große Verkostungstour durch die Angebote der Weingüter und Genossenschaften meisterten sie mit dem Probierbrett recht entspannt.

Wein auf Löffeln

Auf Löffeln statt im Glas wurden indes die Weinperlen vom Weingut Daniel Kuhnle in Weinstadt-Strümpfelbach präsentiert. Die kleinen Kugeln umhüllt von pflanzlichem Alginat funktionierten im Prinzip wie der angesagte Bubble-Tea, erklärte die Mitarbeiterin Alessa Kotroba. Und sie seien vielseitig einsetzbar: „Die Salatperlen aus Rotwein mit Balsamico schmecken nicht nur zu Tomate und Mozzarella, und die Rotweinperlen passen wunderbar zu Fleisch, aber auch auf Panna Cotta, es gibt da kein richtig oder falsch.“

Vieles falsch machen könne man derweil im biologischen Weinbau, erklärte Lukas Ellwanger vom Weingut Doreas in Remshalden-Grunbach. „Biowein ist ein handwerklicher Wein, man arbeitet mit dem, was vom Wengert kommt.“ Auch deshalb stecke mehr Arbeit im Weinberg als im Keller. „Es braucht eine top gesunde Traube, denn man kann beim Ausbau nicht so viel nachschaffen.“