Stefan Heim, Gerlinde Kretschmann und Tom Hörner amüsieren sich beim Weindorf-Treff Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Trotz des Regens waren alle nach einem Glas Wein per du: Beim Weindorf-Treff von SWR 4 und den Stuttgarter Nachrichten wurde am Dienstag sehr gemütlich geplaudert. Unterbrochen wurde das Gespräch lediglich von gelegentlichen Gesangseinlagen.

Stuttgart - Bei einem Gläschen Wein in der Laube der alten Kanzlei ist es kaum verwunderlich, dass die Stimmung unter den Gästen des Weindorf-Treffs am Dienstag so gemütlich und gelöst war, dass bereits nach wenigen Minuten alle per du waren. Angestoßen hatte das Duzen Baden-Württembergs First Lady Gerlinde Kretschmann. Am Evangelischen Kirchentag hatte sie SWR-4-Chef Axel Graser kennengelernt, seitdem reden sich die beiden mit dem Vornamen an. „So weit hat’s damals g’reicht“, schwäbelte Frau Kretschmann, „und so machet ma gleich mal weiter.“ Eine Frau, ein Wort. Und so stellten sich die Gäste brav der Reihe nach vor, während sich vor der Laube tapfere Zuschauer mit ihren Schirmen sammelten.

Neben „der Gerlinde, der Frau vom Winfried“ hatte „der Stefan vom VfB“ Platz genommen; also Stefan Heim, der neue Finanzvorstand des VfB Stuttgart. Den beiden gegenüber saßen „die Tatjana vom SWR“, Tatjana Geßler, Moderatorin der Landesschau aktuell, und „die Annekatrin von Württemberg“, die Württemberger Weinprinzessin Annekatrin Gauger. Auch die Moderatoren stießen mit an, „der Tom von den Stuttgarter Nachrichten“ und „der Axel von SWR 4“. Tom Hörner begann auch sofort damit, die Zuschauer in einen Weindorf-Treff-Chor zu verwandeln. Immer, wenn vom „wolkenverhangenen Himmel“ die Rede war, schmetterte der Chor: „Und immer immer wieder geht die Sonne auf!“

Moderatorin Tatjana Geßler erzählt von ihrer Hochzeitsnacht

Von diesen gelegentlichen Gesangseinlagen unterbrochen, erzählte „die Gerlinde“ von ihrem Leben als First Lady. Das ist mit einigem Zeitaufwand verbunden. „Viel putzen kann i dahoim nimmer“, sagte sie, „zwei Termine muss i im Jahr wahrnehmen, der Rescht isch aber alles freiwillig.“ Und wenn ihr Mann mit den Söhnen ins Fußballstadion geht, kommt sie mittlerweile auch gerne mit. „Nur beim VfB tät i gern mal wieder mehr jubeln“, sagt sie in Richtung Stefan Heim.

Das nahm „der Stefan“ direkt zum Anlass, die Landesmutter zum nächsten VfB-Spiel einzuladen – die beiden anderen Damen am Tisch sind ihm natürlich auch willkommen. Tatjana Geßler wird den Stadionbesuch wohl noch ein wenig aufschieben müssen, da sie zur Zeit mit einem Bandscheibenvorfall kämpft. Und das, obwohl sie gerade seit vier Wochen verheiratet ist. Deswegen war ihre Hochzeitsnacht auch weniger romantisch als erwartet. „Wir haben dafür eben Händchen gehalten“, plauderte sie aus dem Nähkästchen. Kleiner Trost: Ihre Kinderbücher „Tatjanas Tiergeschichten“ verkaufen sich seit zehn Jahren wie geschnitten Brot.

Berühmter Fernsehauftritt durch eine Schluckauf-Attacke

Auch bei der Blindverkostung behauptete sich Tatjana Geßler und erkannte auf Anhieb: „Das ist eine Limonade“, beim Wein war sie sich zumindest sicher: „Das ist kein roter.“ Stefan Heim erkannte seinen Rotwein und mit ein wenig Hilfe von der Weinprinzessin auch die Traube: Trollinger. Gerlinde Kretschmann bestand den Geschmackstest am besten und identifizierte ihren Tropfen als Lemberger. Danach drehte sich das Gespräch um Tatjana Geßlers berühmtesten Fernsehauftritt: eine 14-minütige Fernsehsendung, während der sie mit Schluckauf moderieren musste. „Da macht man so viele Jahre Journalismus, schreibt 15 Bücher und wird dann wegen so etwas bekannt“, kommentierte sie.

Gegen Schluckauf weiß „der Stefan“ ein Mittel: Dreimal hintereinander einen schwäbischen Zungenbrecher aufsagen, dann geht der Schluckauf weg. Im Beruf geht es bei Stefan Heim aber mehr um Zahlen als um Sprechakrobatik. Als Finanzvorstand muss er für den VfB mit 110 Millionen Euro Einnahmen im Jahr jonglieren, ohne dabei die sportlichen Ziele aus dem Blick zu verlieren. Gar nicht so einfach. „Seit dem Jahr 2007 hat kein eingetragener Verein mehr die Bundesliga gewonnen“, klagt er, „das waren immer Kapitalgesellschaften.“ Er ist stolz darauf, dass der VfB ein Traditionsclub ist. Daher könne die Umstrukturierung in eine Kapitalgesellschaft nicht gegen den Willen der Mitglieder beschlossen werden – auch wenn Stefan Heim nicht abgeneigt scheint. Bis dahin gilt auch für den VfB: Immer wieder geht die Sonne auf.

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