Im Bereich der Steinmauer gedeiht nicht nur viel Grün, sondern es haben sich auch Zauneidechsen angesiedelt. Foto: Martin Braun

An der Stedingerstraße soll der Gehweg verbreitert werden. Der Weilimdorfer Bezirksbeirat beschäftigt sich mit der Frage, ob dafür in den Lebensraum der Zauneidechsen oder den der Autofahrer eingegriffen werden soll.

Weilimdorf - Die Artenvielfalt des Weilimdorfer Tierreichs ist allem Anschein nach größer, als so manchem recht sein dürfte. Erst jüngst, in der Diskussion um die Windräder im Tauschwald, kamen der Waldschnepfe und dem Wespenbussard eine zentrale Rolle zu. Nun ist es die Zauneidechse, die einer Baumaßnahme womöglich im Wege steht. Wie Andrej Malyschew vom städtischen Tiefbauamt in der vergangenen Bezirksbeiratssitzung berichtete, kann die Verbreiterung des Gehwegs an der Stedingerstraße 89 nicht wie geplant angegangen werden: In der Steinmauer, die dafür versetzt werden muss, haben sich offenbar Zauneidechsen angesiedelt – eine streng geschützte Tierart.

„Wir sind auf Lösungssuche“, so Maly­schew. Eine Möglichkeit sei, den Gehweg zur Straße hin zu verbreitern. Das sahen die Freien Wähler (FW) anders: „Der Straßenraum darf an der Stelle nicht schmaler gemacht werden“, sagte Michael Schrade, FW-Sprecher im Weilimdorfer Bezirksbeirat. Deshalb hat seine Fraktion für die nächste Sitzung einen Antrag vorgelegt. Darin fordert sie, den Gehweg an der Stedingerstraße wie ursprünglich gedacht zu verbreitern, „ohne dafür in die Straße bzw. den Fahrbahnbelag einzugreifen“.

Das Grundstück gehört der Stadt, die Mauer nicht

Komplizierter wird die Situation noch dadurch, dass die Mauer, in der die Reptilien anscheinend leben, zwar auf öffentlichem Grund steht, aber zum Garten eines Privatgrundstücks gehört. Dessen Eigentümer wollten sich gegenüber unserer Zeitung nicht äußern, arbeiten wohl aber mit dem Tiefbauamt an einer einvernehmlichen Lösung.

Wie es einst dazu kam, dass die Mauer dort errichtet wurde, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Weder die Bezirksvorsteherin Ulrike Zich noch Jürgen Mutz, der Leiter der Bauabteilung Mitte/Nord beim Tiefbauamt, können darüber Auskunft geben. „Der Zustand ist schon seit einigen Jahren so, wie lange, kann ich nicht sagen“, sagt Jürgen Mutz. Der Bebauungsplan für das Gebiet stammt aus dem Jahre 1939, wie alt das Mäuerchen ist, lässt sich nur vermuten. Michael Schrade geht davon aus, dass es schon Jahrzehnte her ist, dass der Stadt dort ein paar Meter Grund abhandengekommen sind, die jetzigen Eigentümer hätten das Grundstück aber erst vor zwei Jahren gekauft. „Die Situation ist historisch gewachsen“, so der FW-Bezirksbeirat.

Die Engstelle ist nicht das einzige Problem vor Ort

Üppig gewachsen ist dort lange Jahre auch das Gebüsch, sagt Claudia Munzig. Wie die Leiterin der Tagespflege in der benachbarten Altenwohnanlage berichtet, hätten die Eigentümer erst vor einiger Zeit die Hecke fein säuberlich zurückgeschnitten und den Abschnitt schön angelegt. Die Idee, das Trottoir dort zu verbreitern, kommt aus dem Stadtseniorenrat. Bei einer Begehung sei aufgefallen, dass der Gehweg in dem Bereich mit Rollstühlen oder Rollatoren kaum genutzt werden könne, berichtet Wolfgang Nufer, der Weilimdorfer Sprecher des Gremiums. Die Bewohner der Altenwohnanlage am Lindenbachsee gingen daher meist ein Stück auf der Straße. Claudia Munzig bestätigt diese Beobachtung: „Es ist tatsächlich eng dort und nicht richtig, wenn die Leute auf der Straße laufen müssen.“ Allerdings schätzt sie das Problem als nicht so gravierend ein.

Bislang seien ihr keine Beschwerden darüber bekannt. Die Verkehrssituation im Bereich der Altenwohnanlage lasse generell zu wünschen übrig: „Von Bewohnerseite aus wurde geäußert, dass es schön wäre, wenn die Autos langsamer fahren würden.“ Außerdem, so Munzig, sei die Stedingerstraße mit Rollstühlen oder Rollatoren meist schwer zu überqueren, weil Autos vor dem abgesenkten Bordstein parken.

Offensichtlich reicht der Lebensraum am Ende der Stedingerstraße also für eine friedliche Koexistenz von Zauneidechsen, Senioren und Autofahrern nicht aus. Den Freien Wählern ist klar, was zu tun ist: In ihrem Antrag bitten sie „dringend darum, alles zu versuchen, die Zauneidechsen umzusiedeln oder zu vergrämen“.

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