Der Einsatz in Weil der Stadt für die Opfer der großen Flut im Ahrtal war und ist beeindruckend. Am Samstag gab es wieder eine Benefiz-Aktion. Leider ohne großes Publikum.
Es hätte ein schöner Strandsommer-Abend auf dem Marktplatz werden können, mit bester Unterhaltung, leckerer Verköstigung, stimmigem Ambiente, vielen Besuchern und in der Folge mit vielen Spenden für die Flutopfer-Hilfe. Aber das Wetter machte den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung – obwohl es nach anfänglichem Regen nahezu trocken blieb. Dennoch sind am Freitag nur etwa 100 Gäste zum Benefizkonzert zugunsten der von der Flut vor zwei Jahren betroffenen Menschen, besonders der Kinder, gekommen. Die Künstlerinnen und Künstler, die Carsten Dvorak für diese Veranstaltung in die Keplerstadt geholt hatte, hätten ein größeres Publikum verdient gehabt.
Vererbte Hilfsbereitschaft
„Mein erster Gedanke nach der Flutkatastrophe war, was brauchen die Menschen dort jetzt sofort, beispielsweise trockene Klamotten“, erzählt der Weil der Städter Carsten Dvorak über die Anfänge seines Engagements. Die Hilfsbereitschaft der Menschen sei groß gewesen, „aber irgendeiner muss die Sachen halt dort hinbringen“, sagt er. Unter dem Motto „Weil der Stadt hilft der Eifel“ habe sich in der Stadt eine Gruppe gebildet, die inzwischen eine „tolle Gemeinschaft“ sei. Seither sind die Helfer aus der Stadt immer wieder in den betroffenen Gebieten gewesen, sei es mit Materialtransporten oder tatkräftiger Unterstützung.
Auf die Frage nach dem Warum für sein Engagement verweist er auf seine Eltern. „Das habe ich geerbt“, sagt er schmunzelnd. Sein Vater Hans-Joachim Dvorak wurde in diesem Jahr für sein Engagement für die Stadtgesellschaft mit der Bürgermedaille ausgezeichnet. Seine Eltern sind auch an diesem Benefiz-Abend mit von der Partie: Sie helfen beim Getränkeverkauf, es gibt Weine aus Rheinland-Pfalz. Martin-Eugen und Gabi Mareska vom Kepler-Café bieten Döppekuchen an, eine Spezialität aus der Eifel mit Kartoffeln und Speck - gespendet für den guten Zweck.
Auch die drei Künstler, die das Publikum einen Abend lang kostenlos unterhalten, wollen heute, zwei Jahre nach der großen Flut, betroffenen Menschen helfen. Der Singer und Songwriter Helmar Hoffmann aus Rheinland-Pfalz singt nachdenkliche und ermutigende Lieder vom Leben, auch mit Blick auf die Folgen der Flut. Er war selbst von Anfang an im Katastrophengebiet unterwegs. Die Sängerin Nadia Ayche aus Bruchsal, die in Stuttgart in der Titelrolle des Musicals „Miss Saigon“ zu sehen war, begeistert das Publikum in Weil der Stadt mit ihrer ausdrucksvollen Stimme.
Verlosaktion mit Bild
Und sie spricht über ihr Engagement zugunsten der Flutopfer. Es gebe noch unendlich viel zu tun, sagt sie. Nach ihrer Erfahrung würden viele Hilfsanträge auf offiziellem Weg oft schleppend bearbeitet. Sie wolle mit ihrer Aktion „Einfach machen – Patenschaften“ konkrete Soforthilfe ermöglichen, wobei sie durch ein Netzwerk an Helfern unterstützt werde. Immer noch litten Tausende Kinder an den Folgen der Flut. Es fehle etwa an Spielplätzen und Freizeitmöglichkeiten. Auch bei der Bewältigung des Traumas, das die Flut vielfach ausgelöst habe, solle den Kindern geholfen werden, erklärt Carsten Dvorak.
Auch mit Gemälden unterstützen Künstler das Engagement für Kinder- und Jugendprojekte. Franz Hirst, selbst aktiver Helfer vor Ort, hat drei seiner großformatigen Werke gespendet, von denen eines in Weil der Stadt verlost wird. Interessenten können Fünf-Euro-Lose kaufen, 176 Stück sind es am Schluss, immerhin wieder über 800 Euro für die Hilfe im Ahrtal – und große Freude bei der Gewinnerin des Bildes.
Tanzstimmung am Schluss
Lou Hoffmann aus Waghäusel, die als künstlerische Botschafterin die Flutopfer-Hilfe von Nadia Ayche unterstützt, rundet den Abend musikalisch ab. Die Sängerin und Entertainerin, die 2003 beim ESC-Wettbewerb auf dem 11. Platz gelandet ist, zündet mit viel Bühnenpräsenz ein buntes Feuerwerk an Schlager-Oldies aus den vergangenen Jahrzehnten. Da schwingen zu vorgerückter Stunde schließlich doch noch so manche Gäste das Tanzbein und die Hüften.