Die Jungen auf dem Storchenturm sind den Wetterkapriolen ausgesetzt. Starkregen ist eine große Gefahr für sie.
Etwa vier Wochen sind die Küken im Nest auf dem Storchenturm inzwischen alt und sie haben schon einiges erlebt. „Der Starkregen vom vergangenen Freitag lässt die Jungen stark auskühlen. Sie haben in den ersten Lebenswochen noch keine wärmenden Federn“, weiß Sabine Holmgeirsson, Storchenbeauftragte der Region. Zwei Küken hat die Nässe wohl bereits das Leben gekostet. Denn nachdem anfangs vier Junge auf den Fotos zu sehen waren, gab es Mitte des Monats eine Überraschung: „Auf einem Foto waren fünf Küken“, erzählt die Storchenbeauftragte. Allerdings ist eines der Jungen deutlich kleiner als seine Geschwister gewesen. Nachdem sich auf den aktuellen Aufnahmen aber nur noch drei Küken ums Futter reißen, haben wohl zwei nicht überlebt. „Und es ist nicht klar, wie es weitergeht. Eines der drei Küken scheint weniger aktiv zu sein als die beiden anderen“, sagt Sabine Holmgeirsson.
Bei der Geburt wiegen die Kleinen nur gut 50 Gramm
„Wenn es so feucht ist wie im Moment, kann sich Wasser im Nest sammeln und die Jungen können auskühlen oder gar ertrinken“, weiß Holmgeirsson, die in Kontakt mit anderen Storchenbeauftragten ist. „Überall im Land gibt es zahlreiche Storchenküken, die den Dauerregen nicht überstanden haben.“ Experten schätzen den Verlust an Jungstörchen wohl bisher auf bis zu 80 Prozent. Denn bei der Geburt wiegen die Kleinen nur gut 50 Gramm. Auch wenn die Altstörche ihre Jungen mit ihrem Körper wärmen und schützen, reicht das nicht aus. Die jungen Störche wachsen allerdings schnell und es scheint auch ausreichend Futter für sie auf den umliegenden Wiesen zu geben. Daher ist bereits ein Termin zur Beringung und Besenderung geplant. „Die Aktion soll am Freitag, den 31. Mai, stattfinden“, sagt Sabine Holmgeirsson. Zuschauen lohnt sich.
„Da Trick, eines der Jungen vom letzten Jahr, hier überwintert hat, ist das Zugverhalten der Störche aus unserer Region auch weiterhin interessant“, erklärt Sabine Holmgeirsson. Auf den Hubsteiger, der für die Beringung gebraucht wird, steigen auch in diesem Jahr wieder Stefan Bosch vom Naturschutzbund (NABU) und Wolfgang Fiedler vom Max-Planck-Institut in Konstanz. Der Wissenschaftler und Verhaltensbiologe ist für die Besenderung verantwortlich. Am Max-Planck-Institut werden unter anderem die Bewegungen von Tieren in ihrer natürlichen Umgebung untersucht, ohne die Tiere zu stören. Dank der Sender und mit Hilfe der App Animal Tracker kann jeder künftig die Routen der Jungstörche mitverfolgen. Die Kosten für den benötigten Hubsteiger übernimmt wieder der NABU Weil der Stadt.
In den letzten Nestlingswochen brauchen die Jungen jeweils rund eineinhalb Kilogramm Mäuse, Regenwürmer, Schlangen und auch Frösche – da bleibt den Eltern keine Zeit zum Rasten. Bleibt nur zu hoffen, dass das Wetter mitmacht!