Hochkarätige Artistik mit Camilo Moreno gibt es auch beim Herrenberger Weihnachtszirkus, der bis 7. Januar auf der Festwiese gastiert. Foto: /tefanie Schlecht

Bei der zweiten Auflage des Zirkus-Wintergastspiels auf der Festwiese zieht ein abwechslungsreiches Programm große und kleine Gäste in ihren Bann. Das Ensemble gastiert noch bis zum 7. Januar in der Gäustadt.

Die bunte Zeltkuppellandschaft und der Geruch von Sägespänen in Verbindung mit Popcorn- und Zuckerwatte-Duft zaubert den Gästen auf dem Herrenberger Festplatz schon vor Beginn der Vorstellung ein Lächeln ins Gesicht: Sich von der Atmosphäre in den Bann ziehen lassen und im wahrsten Sinne Zirkusluft schnuppernd für gut zwei Stunden dem Alltag entfliehen, das alles macht das spezielle Zirkusflair aus – und natürlich die Darbietungen, sobald es „Vorhang auf, Manege frei“ heißt.

 

Radartistik wird auch geboten. /Stefanie Schlecht

In diesem Herzen pulsiert auch in Herrenberg das Leben: Zirkusdirektor Guiliano Frank, der aus einer Zirkusdynastie stammt und selbst zur achten Generation zählt, hat hochkarätige Artisten eingeladen, die durch ihre Vielseitigkeit begeistern: Gleich zu Beginn setzt das tschechische Geschwisterpaar Anna und Slavek den Maßstab für die Show. Mit herausragendem Gleichgewichtsgefühl zeigen sie dem Publikum, was auf Kunstfahrrädern einzeln und zu zweit so alles möglich ist. Das hält zum ersten, aber nicht zum einzigen Mal in der Vorstellung den Atem an, als der Slavek sich durch das Dreieck, das der Fahrradrahmen bildet, hindurchwindet, ohne dass das stehende Rad dabei aus der Balance kommt. Auch mit Hand-auf-Hand-Äquilibristik glänzen die beiden gemeinsam und Anna zeigt ihre faszinierende Beweglichkeit als Kontorsionistin an einem mit allerlei Querstangen und Haltegriffen ausgestatteten Doppelring, der nur auf den ersten Blick einem Rhönrad ähnelt.

Mit Jessica und Camilo Moreno geht es für das Publikum hoch hinaus: Sie schwebt dann scheinbar mühelos an den Vertikaltüchern oder dem Aerial Hoop unter der Zeltkuppel und zeigt ihr teils atemberaubendes Luftakrobatik-Repertoire solo oder mit ihrem kolumbianischen Partner in perfekter Harmonie an den Strapaten, jenen Bändern, die direkt am Zeltdach befestigt sind. Camilo Moreno glänzt zudem mit seiner erstklassigen Körperbeherrschung am schwebenden Vertikalmast und als Hochstapler der besonderen Art, wenn er auf übereinandergestapelten Stühlen seine Handstandakrobatik vorführt.

Mit drei verschiedenen Vorführungen ist Tiertrainer Giovanni Bravissimo vertreten. Im Sattel eines Andalusierhengstes, zeigt er, wie wendig diese Pferderasse bei der Arbeit ist. Außerdem präsentiert er verschiedene Reptilien vom Gecko bis zur Riesenschlange. Ein besonderes Lächeln zaubert er zudem mit seiner buntgemischten Hundetruppe in die großen und kleinen Gesichter, wenn diese mit Feuereifer durch Reifen springen oder sich zur Polonaise aufreihen. Für die größten Lacher sorgt der Direktor selbst, wenn er als Clown Guiliano liebevoll choreografiert seine Späße treibt – teilweise mit dem Publikum, aber nie auf dessen Kosten.

800 Gäste passen heuer ins große Zirkuszelt

Der Weihnachtszirkus gastiert zum zweiten Mal in der Gäustadt. Bei der Premiere im vergangenen Jahr „hatten wir Platz für 400 Gäste“, berichtete Guiliano Frank. Da diese Kapazität des Hauptzeltes bei weitem nicht ausgereicht hatte, dient es jetzt als Foyer. Dort werden die Besucherinnen und Besucher mit einer kulinarischen Vielfalt empfangen. Von herzhaften Roten und Pommes bis hin zu süßen Leckereien wie Popcorn, Zuckerwatte und Schokofrüchten reicht das Angebot. Durch einen Verbindungstunnel gelangen die Gäste in das eigentliche Zirkuszelt. Dieses fasst knapp 800 Gäste und damit fast doppelt so viele wie im vergangenen Jahr.

Dieses ist zudem, anders als im Vorjahr, anstatt mit Bankreihen, mit komfortablen Einzelsitzen „wie im Stadion“ (Guiliano Frank) ausgestattet. Neben den Wohnwagen, in denen die Artisten leben, komplettiert auch ein großzügiges Stallzelt sowie ein eigenes Zelt, das auf Reptilien-Wohlfühltemperatur geheizt ist und große Terrarien beherbergt, die Zirkuslandschaft auf der Festwiese. Damit, dass beim Herrenberger Weihnachtszirkus rund 60 Tiere dabei sind – die wenigsten sind Teil der eigentlichen Show – , hatte der Zirkus im Vorfeld, wie berichtet, den Unmut der Tierrechtsorganisation Peta auf sich gezogen, war aber von Behördenseite nicht beanstandet worden.

Bis zum 7. Januar täglich um 16 Uhr

Gastspiel Noch bis einschließlich Sonntag, 7. Januar, hat der Herrenberger Weihnachtszirkus sein Zelt auf dem Festplatz am Jahnweg aufgeschlagen. Vorstellungsbeginn ist täglich um 16 Uhr. Nähere Infos, auch zur telefonischen Ticketreservierung, gibt es unter https://herrenberger-weihnachtscircus.de. Karten kosten zwischen 19 und 33 Euro für Erwachsene und zwischen 15 und 28 Euro für Kinder.