In mehreren Kommunen rund um Leonberg wurde das erste Adventswochenende mit Märkten und Festen gefeiert. Pünktlich kam viel Schnee – und zauberte etwa in Leonberg eine filmreife Kulisse.
Wie bestellt fallen am Freitag dicke Flocken vom Himmel – pünktlich zur Eröffnung des Leonberger Adventszaubers sind die Zweige des großen Weihnachtsbaums auf dem Marktplatz mit einer ordentlichen Schicht der weißen Pracht bedeckt. Die Dächer der Fachwerkhäuser sind weiß gepudert, darunter funkeln Lichterketten in den Giebeln. Aus den Hütten, die über den Platz verteilt sind, steigt schon der Dampf empor, vom Glühweintopf oder dem Grill. Hollywoodreif sieht das aus – „fast schon kitschig“, sagt die Citymanagerin Nadja Reichert. „Und es passt super zur Feuershow.“
Kulinarische Versorgung von „Hot Aperol“ bis „Pferdeäpfel“
Die heizt den Besucherinnen und Besuchern am ersten Adventsdörfle-Abend gleich zweimal ein. Stefanie Fleschutz, die mit ihrem Programm „Dance with Fire“ zu Gast in Leonberg ist, schluckt auf der kleinen Marktplatz-Bühne Flammen, versprüht glühende Funken und wirbelt mit brennenden Seilen um sich.
Die Feuerkünstlerin aus Ispringen im Enzkreis steuert eine der wenigen tatsächlich hinzugebuchten Programmpunkte der drei Adventsdörfle-Wochenenden bei – der Rest wird größtenteils von den lokalen Vereinen gestemmt, die auch, im wöchentlichen Wechsel, die Hütten betreiben und dort Glühwein, „Hot Aperol“, Pfannengyros, Crêpes oder auch mal „Pferdeäpfel“ verkaufen, die sich bei genauerem Hinsehen als mit Schokolade überzogenes Obst entpuppen. So wird der Markt eben zur besonderen Form der Vereinsförderung, einer der Kerngedanken dieser Weihnachtsmarkt-Variante, die im Pandemiejahr 2021 zunächst als Notfall-Lösung entstanden war und sich dann aber etabliert hat. „Es ist ein Projekt von der Stadt, für die Bürger, für die Vereine“, sagt Nadja Reichert.
Eine Hütte mehr als vergangenes Jahr
Die Vereine bekommen die Hütten für jeweils ein Wochenende gestellt und dürfen den gesamten Erlös behalten. 80 Prozent Wiederholungstäter aus dem letzten Jahr gebe es, so Reichert, aber auch einige neue Marktbeschicker seien hinzugekommen. Nur für das letzte Wochenende, auf das auch Heiligabend fällt, hatten sich nur zwei Vereine gemeldet – damit findet an diesem letzten Wochenende kein Adventsdörfle statt. Insgesamt war der Andrang der Veranstalter aber groß, deshalb hat die Stadt in diesem Jahr an den drei verbliebenden Wochenenden eine Hütte mehr aufgestellt.
Gemeinsam mit Stefanie Schneider vom Ordnungsamt und Daniela Hoffmann aus dem Referat für Wirtschaftsförderung und Citymanagement hatte Nadja Reichert bei der Planung des Adventsdörfle die Zügel in der Hand. Freiwillig gemeldet, so berichten die drei, haben sich aber auch fast alle Azubis der Stadt. Der frühere Blumenhändler Albert Geurts hat wie im vergangenen Jahr ehrenamtlich die Dekoration des Marktplatzbrunnens übernommen, außerdem mit angepackt hat der Bauhof.
Gläser werden im i-Punkt sortiert und im Rathaus gespült
Und während die Vereine – am ersten Adventswochenende der Förderverein evangelische Jugendarbeit, die Handballer des SV Leonberg/Eltingen, der Lions Club, der Verein JugLeo und Unterstützung Mukoviszidose, Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums und der Voltigierverein – in den Hütten alles geben, passiert hinter den Kulissen ebenfalls einiges: Der i-Punkt am Rande der Altstadt ist der Umschlagpunkt für die eigens bedruckten Leonberg-Gläser, sie warten in Spülkörben ordentlich gestapelt auf die Abholung. Farbige Markierungen weisen darauf hin, welcher Stapel zu welcher Hütte gehört. Kommt ein Verein mit einem Korb benutzter Gläser, gibt es gleich einen frischen – die dreckigen Gläser werden dann zum Spülen ins Rathaus gefahren. Dort kann der ganze Spülkorb in die Maschine gestellt werden.
3000 Gläser, 2000 Speiseschalen aus Kunststoff und 80 Gläserspülkörbe hat die Stadt angeschafft, die auch bei anderen Veranstaltungen genutzt und von Vereinen und Gastronomie ausgeliehen werden können. „Wir sind komplett Mehrweg“, sagt Reichert, „darauf sind wir ganz arg stolz.“ Auf dem Adventsdörfle herrscht inzwischen komplettes Einweg-Verbot, die Standbetreiber müssen ihren Müll selbst wieder mitnehmen.
Geschäfte profitieren von belebter Innenstadt
Reger Betrieb ist an diesem Abend auch noch nach 20 Uhr in den umliegenden Geschäften – den ersten Adventsdörfle-Tag hat man ganz im Sinne der Innenstadtbelebung zur langen Einkaufsnacht gemacht. „So eine Nacht bringt uns immer viel“, erzählt Joachim Heller von Ziegler Wohn- und Tischkultur. Das Weihnachtsgeschäft läuft bei ihm schon seit Oktober, aber wo vorher Dekoration gekauft wurde, geht jetzt das Geschenke-Shoppen richtig los. Toll finde er es, dass mit dem Adventsdörfle die Wochenenden in der Altstadt so bespielt werden. „Schade, dass wir das vierte Adventswochenende nicht mitkriegen“, sagt er. „Aber ich verstehe es natürlich.“ Und sowieso: Der Marktplatz sieht mit dem Adventsdörfle einfach schön aus. „Ich find’s perfekt.“