Ob mit oder ohne Vorgabe sind die Preise auf den Weihnachtsmärkten nahezu einheitlich. Das regnerische Wetter am Wochenende hielt die Besucherinnen und Besucher kaum davon ab, die traditionellen vorweihnachtlichen Märkte zu besuchen.
Ganz im Zeichen ihrer Weihnachtsmärkte standen am Wochenende die benachbarten Städte Renningen und Weil der Stadt. In der Keplerstadt an der Würm fanden auf dem großzügigen Marktplatz und den angrenzenden Straßen 58 Aussteller mit Hütten und Ständen Platz, in der Rankbachstadt kamen 47 Anbieter auf den Kirchplatz. Das regnerische Wetter hielt die Besucherinnen und Besucher kaum davon ab, die traditionellen vorweihnachtlichen Märkte zu besuchen. Schließlich gibt es dort nicht nur allerhand Kunsthandwerkliches zu erstehen, Chöre singen und Orchester spielen, sondern es lockt auch ein reiches Angebot an Essen und Trinken.
Was könnte typischer sein für einen Weihnachtsmarkt als der Duft von Bratwurst und Krautschupfnudeln? Vielleicht noch der von gebrannten Mandeln und Glühwein. Ist doch der gewürzte heiße Wein augenscheinlich das Lieblingsgetränk in der Adventszeit, wenn sich möglicherweise auch in mancher Tasse alkoholfreier Punsch verbirgt. Klar, dass über die Preise für Glühwein gesprochen wird.
Drei Euro ist die Richtschnur
Die Weiler Schelme mit ihrem Stand direkt am Rathaus verlangen drei Euro für ein Viertele und liegen damit voll auf Linie. „Der Preis ist kostendeckend und es bleibt auch noch was übrig, sonst würden wir’s nicht machen“, sagt ein Vertreter der Maskengruppe der Weil der Städter Narrenzunft. Drei Euro für einen Glühwein ist auch die Richtschnur, die die Stadt als Veranstalterin des Marktes den Beschickern als Untergrenze empfohlen hat. „Wir wollen verhindern, dass einzelne Anbieter das deutlich unterbieten“, erklärt der Weiler Wirtschaftsförderer und Stadtmarketing- und Tourismusmanager Markus Wagner. Schließlich ist solch ein Markt für Vereine eine Möglichkeit, mit dem Erlös aus dem Getränkeverkauf die Vereinskasse aufzubessern.
Auch für andere Vereine ist die Drei-Euro-Grenze offensichtlich eine gute Vorgabe, so etwa beim TSV Hausen. „Das ist für uns ein guter Preis“, sagt Walter Rentschler. Er zieht eine Flasche hervor und zeigt, dass es sich um Festtagsglühwein der Heilbronner Genossenschaft handelt, „Winzer-Glühwein“ also, wie ihn vergleichbar auch andere Anbieter kredenzen. 3,50 Euro kostet dieser beispielsweise in der Gondel der Skizunft oder beim LRFV Weil der Stadt. Wer allerdings am Stand vom Heidehof und Imkerei Müller einen laut Sarah Müller „vor Ort frisch selbstgemachten Glühwein aus Trollinger und Lemberger“ genießen möchte, muss vier Euro dafür berappen. Soviel kostet an dem Stand dieses Jahr auch der Honig-Met – und das nicht nur in der alten Reichsstadt, sondern ebenfalls in Renningen, wo die Freyen Rittersleut zu Randingen traditionell dieses Getränk mit dem Mittelalter-Flair ausschenken. „Wir haben vergangenes Jahr 3,50 Euro verlangt, aber der Einkaufspreis ist deutlich nach oben gegangen“, erklärt der Vereinsvorsitzende Tobias Wild den gestiegenen Endpreis. „Obwohl wir auf vier Euro hochgegangen sind, verdienen wir weniger als vorher“, fügt er hinzu. Ansonsten scheint auch in Renningen der drei-Euro-Preis für Glühwein das Maß der Dinge zu sein, so viel wie im vergangenen Jahr. „Wir haben geschaut, was denn die anderen so machen – und uns entsprechend angepasst“, heißt daher beim Renninger Gewerbe- und Handelsverein.
Kunstauktion mit gespendeten Werken
Gar nicht hoch genug gehen können hingegen die Preise bei einer Auktion der Stadt, für die lokale Kunstschaffende des Renninger Kunstforums 17 Werke gespendet hatten. Nicht alle Bilder finden am Samstagnachmittag spontan Liebhaber, doch um manche wird im Sitzungssaal des Rathauses heftig gerungen. Am Schluss werden inmitten der vielen Marktbesucher im Beisein des Bürgermeisters Wolfgang Faißt zwei große Spendenchecks zu je 600 Euro an die Renninger Aktion Notnagel und das Kinderhospiz Leonberg übergeben.
Anders als in Weil der Stadt oder Leonberg präsentieren sich in Renningen auch diesmal wieder die im Gemeinderat vertretenen Parteien oder Gruppierungen. SPD, CDU und Freie Wähler sind mit von der Partie, wie schon seit Jahren, wie es unisono heißt. „Wir stehen ja schon immer hier, es wäre komisch, wenn wir nicht dabei wären“, meint Cornelia Junack von der SPD mit Blick auf die lange Tradition. Man wolle ja in den Austausch mit den Bürgern gehen. Die Kommunalpolitik spiele eher keine Rolle. Wenn es überhaupt politisch werde, dann gehe es eher um die große Politik in Berlin. Auch CDU-Gemeinderat Andreas Kindler weist am Stand seiner Partei auf die diese Tradition in Renningen hin. „Es freut uns, dass wir es hier nicht so streng haben“, meint er vor dem Hintergrund der 2024 anstehenden Kommunalwahlen. Der Markt sei eine gute Gelegenheit, miteinander zu reden. Carina Kauffmann ergänzt, dass es auch in früheren Jahren nie ein Thema gewesen sei, dass die Parteien auf dem Weihnachtsmarkt Wahlkampf machen.