Auf Schnäppchenjagd - auch beim Wein Foto: dpa

Für Weinliebhaber sind Sonderangebote eher mit Vorsicht zu genießen. Unser Kolumnist Michael Weier gibt jedoch zu: Er lässt sich von Schnäppchen immer wieder verlocken.

Stuttgart - Heute schon wieder ein Geständnis: Ich bin ja eigentlich ein Weinliebhaber, der immer mit dem Grundsatz auf den Lippen durch die Gegend rennt: Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken! Aus diesem sollte ich eigentlich ableiten, bei der Wahl meiner Weine sehr umsichtig zu sein und nur bei Winzern oder Händlern meines Vertrauens einzukaufen, genau das, was ich immer predige!

Die Realität sieht allerdings manchmal ein bisschen anders aus. Ich bin eben auch nur ein Mensch und falle demnach auf die gängigen Tricks der Branche rein. Einmal habe ich zum Beispiel ein Paket bei der Firma Pallhuber bestellt. Zwölf Flaschen zum sagenhaften Preis von nur 29 Euro! Was einen da erwartet, liegt auf der Hand – nämlich Wein zum Preis von durchschnittlich 2,42 Euro pro ­Flasche. Der macht betrunken, mag für manche Soße taugen, für einen Weinliebhaber jedoch waren die Flaschen eine eher schwierige Sache. Immerhin: Die Mitarbeiter der Firma Pallhuber waren immer ausgesprochen freundlich, haben mich noch ein paarmal angerufen und nach meinen Vorlieben gefragt. Sehr nett. Und eigentlich habe ich dort auch nur bestellt, weil der Name so hübsch ist und im genialen Sketch von Loriot alias Vicco von Bülow mit dem Staubsaugervertreter und dem Weinverkäufer auftaucht: ­„Abgefüllt und original verkorkt von Pallhuber und Söhne!“

Den Versuch mit den zwölf Flaschen legen wir unter Erfahrung ab. Aber habe ich wirklich was gelernt? Ich falle immer noch auf solche Angebote rein. Kürzlich wollte ich bei einem Italiener bestellen, dort gibt’s zu den zwölf Flaschen zum gleichen Preis noch ein Kilo Spaghetti und weitere Leckereien. Vermutlich ist der Wein für die Soße zu den Spaghetti.

Aber solches Wissen schützt nicht, wer anfällig ist, der kauft immer wieder. Ich bin hier genetisch vorbelastet: Als mein Opa vor zwanzig Jahren verstorben ist, fanden wir in seinem Keller drei Kartons mit Kernseife. Die hat er günstig gekriegt, vermute ich. Mein jüngster Coup war allerdings besser vorbereitet. Bei einem Hamburger Händler habe ich wieder ein Sonderangebot bestellt: sechs Flaschen. Vorher habe ich aber im Internet den Preis erforscht. Das Angebot war pro Flasche 80 Cent günstiger! Das ­Weingut ist mir zudem als sehr gut bekannt – und dazu gab’s noch vier Weingläser gratis! Guter Kauf also! Wenn der Wein schmeckt.

Sicher sein kann man sich da bei Wein, den man kennt. Der Getränkehändler meines Vertrauens in Degerloch spielt hier mit, gelegentlich gibt’s zehn Prozent auf die Weine vom Collegium Wirtemberg. Was mich sofort zum Kauf veranlasst, klar. Bei der Weinhandlung Bronner habe ich im Schlussverkauf eingekauft, ohne es zu wissen! Erst an der Kasse gab es das freudige Erwachen, 20 Prozent Rabatt! Wenn ich nicht in Zeitnot gewesen wäre, hätte ich sofort umgedreht. Bei Bernd Kreis und bei der Weinhandlung Schartner schlage ich übrigens immer zu, wenn ältere Weine zu günstigen Konditionen abverkauft ­werden! Und damit ist es raus: Ich bin ein Sonderangebots-Liebhaber!

Am 6. April veranstalten die Fellbacher Weingärtner das Festival der Weingenüsse in der Alten Kelter. Auf alle Einkäufe dort gibt es fünf Prozent Rabatt. Raten Sie mal, wo ich an jenem Sonntag bin.

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