Weiers Weinlese Handball und Wein

Von Michael Weier 

Ganz so bunt ist unser Weinkolumnist nicht, dennoch jubelt er am Wochenende in Zagreb Foto:  
Ganz so bunt ist unser Weinkolumnist nicht, dennoch jubelt er am Wochenende in Zagreb Foto:  

Eigentlich trinkt selbst der eingefleischte Weinliebhaber und Weinkolumnist Weier bei einem Handballspiel der deutschen Nationalmannschaft nur Bier. Aber er verspricht: In Kroatien schaut er sich für seine Leser dennoch nach guten Tropfen um.

Stuttgart - Heute widme ich mich einem wirklich heiklen Thema – zu meiner Haltung bei einem Spiel der deutschen Handballer. Bei der Niederlage gegen Dänemark am Wochenende habe ich meinen Sohn (6) beobachtet, wie er nach einem Tor der deutschen Mannschaft die Faust geballt hat und „JAAA!!!“ gebrüllt hat. Das klang sehr martialisch. Und ich fragte mich: Von wem hat er das nur?

Was ich damit sagen will: Handball ist bei mir eine sehr emotionale Sache. An diesem Wochenende fliege ich wieder zur Europameisterschaft nach Kroatien. Beim Handball trinke ich in der Regel Bier, sonst überlebe ich solche Spiele nicht. Aber ich kümmere mich auch im­mer brav um meine Leser.

Zum Beispiel war ich schon in Dänemark bei solch einem ­Er­eignis. Dort habe ich mit ­meinen Freunden ein Weingut ­besucht! Das war unvergesslich. Wie wir mit dem Zug in die Pampa gefahren sind, um ein paar ganz traurige Reben zu besichtigen, das war großer Sport. Der dänische Wein hat sich dann sogar in einer Blindverkostung vor ein paar Monaten souverän gegen weitere im Urlaub erstandene Mitbringsel aus Kuba und Polen durchgesetzt.

Die Polen waren in Sachen Wein nicht sehr kooperativ

Apropos Polen: Dort schaffte ich es bei gleicher Gelegenheit leider nicht auf ein Weingut. Erstens waren die Polen nicht sehr kooperativ (was wohl am schlechten Wein lag), zweitens war die deutsche Mannschaft vor zwei Jahren noch mit dabei. Und das erforderte natürlich mehr Konzentration als zuvor.

Zwischendurch war ich mit meinen Freunden übrigens noch bei einer Endrunde der Champions League (Riesling aus dem Rheingau) und in Frankreich bei der Weltmeisterschaft. Dabei haben wir einen Stopp in der Champagne eingelegt. Das läuft ein bisschen außer Konkurrenz, war ja keine Europameisterschaft, aber dafür hatten wir Weltklasse im Glas.

An diesem Wochenende sieht die Welt nun komplizierter aus. In Kroatien wäre der Wein durchaus einen Abstecher wert. Nur: Bisher plane ich nur mittelmäßig, da ich noch mit unserer Mannschaft mit zittere. Vielleicht schaffen sie es ja noch! Zweiter Knackpunkt: Wir sitzen mitten in der Hauptstadt, und das gibt’s außer in Stuttgart und Wien eben selten, dass in Metropolen auch Wein angebaut wird. Aber Weinlokale gibt’s. Sogar eine Urban Wine Bike Tour gibt’s im Angebot.

Ich werde mich umschauen, versprochen. Und es steht zu vermuten, dass unsere Mannschaft mir Zeit lässt, mich auf den Wein zu konzentrieren.

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