Die Dänen beim Feiern, noch ohne württembergischen Wein Foto: dpa

In Dänemark steigt gerade die Handball-EM, unser Kolumnist Michael Weier fährt hin – natürlich mit ein paar Flaschen Württemberger im Gepäck.

Stuttgart - Es gibt ja einige unter meinen Kollegen, die halten mich für ein kleines Großmaul. Dabei bin ich nur ein ganz normaler ­Oeffinger! Der Homo Oeffingerensis (Joschka Fischer, Sami Kedhira) zeichnet sich dadurch aus, dass er dem Rest der Welt überlegen ist. Und er zeichnet sich durch seine große Bescheidenheit aus.

Wie auch immer: Eine Kollegin hat mir am Wochenende erzählt, dass sie mir ­natürlich nicht so recht geglaubt hat, als ich davon geschrieben habe, kommendes Jahr den schönsten Weinberg der ganzen Stadt bearbeiten zu dürfen. Ich habe ihr diesen Weinberg gezeigt, sie sagte nur: Wow, du hast recht. Dieser Ausblick! Absolut grandios! Und mein zweijähriger Sohn war ebenfalls total begeistert. Weniger über den Ausblick, mehr angesichts des Geländes: Er ist die Treppen mit großer Begeisterung rauf gerannt, und dann zwischen den Reben wieder runter. War eine gewaltige ­Sauerei, aber für einen guten Wein muss der Mensch eben gelegentlich Opfer bringen.

Heute darf ich Ihnen, liebe Leser, noch ein paar Details zu meinen Plänen ­verraten. Bei dem Wengert handelt es sich, wie gesagt, um eines der am höchsten gelegenen ­Stückle in Rotenberg. Deshalb der gute Ausblick, deshalb aber auch die Chance für mich: Denn ganz oben ­wachsen noch ein paar Reben, die bei der Rebflurbereinigung links liegen gelassen worden sind. Dort stehen noch Mauern, eine Bearbeitung mit dem Traktor ist nicht möglich. Und damit ist das Stück aus rein wirtschaftlicher Sicht nicht mehr sehr spannend. Und hier komme nun ich ins Spiel: Mir geht’s nämlich nicht ums Monetäre, mir geht’s ums Prinzip!

Ein Problem dabei hat sich beim ­Prinzip allerdings schon aufgetan: Ich wollte ­eigentlich den besten Lemberger der Welt produzieren, als ich aber mit Martin Kurrle, dem Kellermeister vom Collegium Wirtemberg, darüber geredet habe, meinte er nur: „Geht das dort oben? Der beste Lemberger?“ Geht das? Woher soll denn ich das wissen?!?! Ich brauche nun einen Lagenexperten, natürlich gibt’s solche beim Collegium ebenfalls. Wir müssen zunächst einmal den Boden ­anschauen, dann die Lage beurteilen, dann entscheiden. Spätburgunder? Wäre sicher eine gute Wahl, ist, wie schon öfter erwähnt habe, der Lieblingswein meiner Frau. Und mit zufriedenen Frauen geht die Arbeit im Weinberg gleich leichter von der Hand.

Riesling vielleicht? Nein. Ich will Rot. Geht meines Erachtens einfacher. Wenn also ein Winzer dies liest und eine Idee hat: Bitte melden. Und wenn das ganz schnell geht: Welchen Württemberger soll ich denn mit nach Dänemark nehmen? Dort werde ich auf dem Weingut selbstverständlich wieder Wein aus unserer Region auftischen. Frei nach dem Motto: Wir bescheidenen Oeffinger werden es Dänen schon zeigen!

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