Das Verhältnis der Geschlechter, das unser Bild zufällig zeigt, dürfte für den gesamten „Weibermarkt“ in etwa zutreffen. Foto: Michael Steinert

Ob Kunst, Kunsthandwerk oder Design, ob Gesundheit, Wellness oder Ernährung: Beim „Weibermarkt“ in der Kulturmühle Rechberghausen präsentieren drei Dutzend Frauen ihre Produkte und Angebote – und sind damit vor allem bei ihren Geschlechtsgenossinnen erfolgreich.

Rechberghausen - Ursula Seng grinst schelmisch: „Selbstverständlich dürfen die Männer hier einkaufen – und arbeiten“, sagt die Vorsitzende des Vereins Kulturmühle Rechberghausen. Das Ausstellen sei beim „Weibermarkt“ allerdings den Frauen vorbehalten, fügt sie hinzu. Warum das so ist, kann Seng rasch erklären: „Als wir vor acht Jahren angefangen haben, wollten wir ganz gezielt Künstlerinnen eine Plattform bieten, weil es viele starke und kreative Frauen schwer hatten, sich in ihrer Selbstständigkeit zu behaupten.“ In der Kunst- und Kulturszene habe sich das inzwischen zwar ein Stück weit verändert. Allgemein seien Frauen aber immer noch benachteiligt, ergänzt sie.

In der Kulturmühle ist das am Wochenende definitiv nicht der Fall gewesen. Denn ganz gleich ob Kunst, Kunsthandwerk oder Design, ob Gesundheit, Wellness oder Ernährung: das Angebot hätte frauenaffiner kaum sein können. Schmuck und Taschen, Wolle und Blumen, Düfte, Beauty- und Anti-Aging-Produkte, Dekoartikel und andere Accessoires – auch die präsentierte Mode war rein weiblich ausgerichtet. Entsprechend waren die Besucherinnen – und erst recht die Käuferinnen – in Rechberghausen klar in der Überzahl.

Gregor Mann: Das Einkaufen hier überlasse ich meiner Freundin

„Es sind zwar immer wieder Männer dabei und ihre Resonanz ist auch positiv“, betont Viola Scalzo, die selbst gefertigte Kinderkleidung feil bietet. „Die nicken es aber eher ab, wenn ihre Begleiterinnen etwas gefunden haben“, fasst die Designerin aus Zell unter Aichelberg ihre Beobachtungen zusammen. Auch die Naturheilpraktikerin Manuela Bäumler hat noch keine männliche Kaufwut verspürt. „Viele trauen sich gar nicht zu fragen, was natürlich daran liegen könnte, dass Männer insgesamt zurückhaltender agieren, wenn es um das Thema Gesundheit geht.“

Der Göppinger Gregor Mann bestätigt diese These: „Mich interessieren eher das Material und die Verarbeitung, auch wenn bei manchen Dingen Kindheitserinnerungen in mir hochkommen.“ So kann er auch den Kräuterkissen von Christa Hummel durchaus etwas abgewinnen. „Das Einkaufen hier überlasse ich aber meiner Freundin“, stellt Mann klar. Wohl fühle er sich in dem tollen Ambiente hier dennoch, fährt er fort. „Das hat schon einen anderen Charakter als andere derartige Veranstaltungen.“

Dickes Lob von Daniela D’Ambrosio für die Organisatoren

Auf das besondere Flair des „Weibermarkts“ , dessen Titulierung bei seiner Premiere nicht nur im Ort für einige Irritationen gesorgt hatte, hebt auch Daniela D’Ambrosio ab. „Ich bin zum ersten Mal hier und total begeistert“, sagt die Künstlerin aus Weinstadt-Beutelsbach im Rems-Murr-Kreis, die vor allem mit Glas arbeitet und dabei vorzugsweise alt in neu verwandelt.

Als Mitveranstalterin der Ausstellung „art-verwandt“ im Waiblinger Schlosskeller weiß sie nicht nur um das „etwas andere Kaufverhalten von Männern und deren fehlende Zuständigkeit, wenn es um Geschenke geht“, sondern auch um den Aufwand, den eine solches Event für die Organisatoren mit sich bringt. „Der Verein hier macht das super, total liebevoll und wirklich professionell“, ist Daniela D’Ambrosio voll des Lobes. Und dass der „Weibermarkt“ nur Ausstellerinnen offen stehe, finde sie ebenfalls toll: „Ich kann nicht genau sagen warum, aber der Austausch mit den Kolleginnen ist irgendwie entspannter.“

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