Künftig rollen weniger Lastwagen durch die Herrenberger Innenstadt. Foto: Stolte

Erstmals gibt es Verkehrsschilder aus Aluminium-Verbundmaterial im Kreis Böblingen. Sie sind leichter und umweltfreundlicher als ihre Alu-Vorgänger.

Das erstmals im Kreis Böblingen für Verkehrsschilder benutze Material könnte Kunstkennern schon bekannt sein: Alu-Dibond, ein Material, auf dem großformatige Fotos aufgezogen werden. Dass man damit außer Kunst noch ganz andere Sachen aufziehen kann, wurde am Donnerstag einer Runde aus Vertretern des Regierungspräsidiums und der Stadt Herrenberg geschildert: An acht Kreuzungen lenken 23 Schilder den Verkehr neu. Insgesamt 120 Quadratmeter groß sind die Flächen, die den Herrenbergern künftig zeigen, wo es lang geht, wenn sie zur Autobahn wollen.

 

Spürbare Verkehrsberuhigung

Die Schilder zeigen auch, wo es nicht langgeht. Die große Tafel am Kreisel im Herrenberger Süden, auf dem die eisernen Säulen des Künstlers Lutz Ackermann stehen, verbietet Lastwagen, nach Norden zu fahren: „Damit haben wir eine Beruhigung der Seestraße geschafft, die wir jetzt schon spüren“, konstatierte der erste Herrenberger Bürgermeister Stefan Metzing. Der Verkehrsdezernent des Landkreises Thomas Wagner lobt die Umweltverträglichkeit der Schilder, deren Herstellung deutlich weniger CO2 erfordere als herkömmliche Schilder.

Wurden in früheren Zeiten Emaille-Schilder am Wegrand aufgestellt, kam nach einer Zeit Stahl in Mode, das wiederum durch Aluminium abgelöst wurde, das mit Kunststoff beschichtet war. Das ist auch der Stand der Technik heute. Der Stand der Technik seit heute wäre dann das Alu-Dibond der Firma 3A Composites aus Singen am Bodensee.

Zwei Lagen Blech, eine Lage Plastik

Das Material, besteht aus zwei Lagen Aluminium außen und einer Lage Kunststoff innen. Weil Aluminium gespart wird, sind diese Sandwich-Schilder umweltfreundlicher, denn die Herstellung aus Bauxit mittels Schmelzelektrolyse ist sehr energieaufwendig ist. Die Firma 3A Composites hat auch eine Recycling-Technik für das Verbundmaterial gefunden. Weil sich Aluminium anders verbiegt als der Kunststoff, kann der Kunststoff in rotierenden Trommeln aus dem Aluminium gehämmert werden. Das Material wird dann geschreddert und getrennt recycelt.

Die Vorteile des neuen Produkts sind vor allem ein geringeres Gewicht. So werden die Transportkosten geringer, und es können auch die Befestigungen geringer dimensioniert werden, was wiederum weniger Geld kostet. Sechs Jahre hat die Firma gebraucht, um den neuen Werkstoff für den Straßenverkehr zulassen zu können und dabei Hand in Hand mit der Universität Düsseldorf gearbeitet. Dort wurden nicht nur Verwitterung und Verkehrssicherheit getestet, sondern auch Angriffe von Vandalen: „Die Schilder wurden mit Baseballschlägern und Glasflaschen traktiert“, und sie hätten es ausgehalten, berichtet Moritz Pieper, von 3A Composites, der extra angereist war.

Bisher bekommt immer der wirtschaftlichste Anbieter den Zuschlag

Ob die neuen Dibond-Schilder jetzt flächendeckend im Kreis Böblingen zum Einsatz kommen, ist noch unsicher. „Wir sind gezwungen den wirtschaftlichsten Anbieter zu beauftragen“, sagt der Verkehrsdezernent Thomas Wagner, dennoch will er in einer Expertenrunde prüfen, ob das Regierungspräsidium dem neuen Material nicht den Vorzug geben sollte.