Gerlinde Feine gibt wertvolle Tipps für die Trauung. Foto: factum/Weise

Ist es zeitgemäß, dass der Vater die Braut zum Altar führt? Darf ein Hund die Ringe bringen? Und ist „Halleluja“ von Leonard Cohen ein geeignetes Lied für eine Trauung? Auf diese und andere Fragen bekommen Brautpaare in einem Wedding-Workshop Antworten.

Böblingen - Gespannt sitzen neun Brautpaare auf der Orgelempore der Böblinger Stadtkirche und lauschen den Worten von Pfarrerin Gerlinde Feine. Ein Beamer wirft Bilder von royalen Hochzeiten an die Wand – verschiedene Paare mit ihren komplett unterschiedlichen Trauungen. Und dann sagt Pfarrerin Feine den Satz, der die Botschaft des Tages für die Hochzeitspaare werden soll: „Gestalten Sie die Hochzeit so, dass sie zu Ihnen passt.“

Die Pfarrerin und der Kantor Eckhart Böhm bieten den Wedding-Workshop zu Beginn der Hochzeitssaison an, da sie die Erfahrung gemacht haben, dass Paare zwar ihre Hochzeit lange planen, die Planung der Trauung aber meist erst zum Schluss kommt. „Beim Traugespräch ist es dann oft zu spät, wenn die Paare bereits Sänger oder Fotografen gebucht haben, ohne zu wissen, was möglich ist und was nicht“, sagt Feine. Außerdem will sie dafür werben, dass auch kirchliche Trauungen individuell gestaltet werden können. Denn immer mehr Paare verzichten inzwischen auf den kirchlichen Segen. „Mit dem Workshop wollen wir vor allem die vielen Möglichkeiten aufzeigen“, sagt Feine.

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Auch einige der anwesenden Paare sind etwas angespannt, weil sie befürchten, dass ihre Vorstellungen von einer Trauung sich vielleicht nicht mit den Regeln einer evangelischen Kirche vereinbaren lassen. „Wir heiraten schließlich zum ersten Mal und wissen noch nicht, ob unsere Vorstellungen realisierbar sind“, erklärt Cordula Schrädt. Sie und ihr Freund Christian Krug wollen im Oktober in der Stadtkirche heiraten.

Dämpfer zu Beginn des Workshops

Doch gleich zu Beginn des Workshops bekommen sie einen kleinen Dämpfer verpasst. „Ich würde mich gerne von meinem Vater in die Kirche einführen lassen und wollte wissen, ob das möglich ist?“, fragt Cordula Schrädt. Bei Pfarrerin Feine stößt sie damit nicht gerade auf Begeisterung: „Werden dann auch noch zehn Kamele übergeben?“ Zu ihrer Ausbildungszeit sei es unüblich gewesen, dass sich die Braut vom Vater in die Kirche bringen lässt, sagt Feine, die bereits seit mehr als 20 Jahren Paare vermählt. Doch inzwischen sei die Vorstellung sehr von amerikanischen Filmen geprägt. „Überdenken Sie Ihre Vorstellungen und fragen Sie sich, was zu Ihnen als Paar passt“, empfiehlt sie.

Doch dann gibt sie Entwarnung: „Wenn ein Paar gut begründen kann, warum der Einzug durch den Vater wichtig ist, ist es für mich in Ordnung.“ Grundsätzlich sei vieles möglich, wenn es der Würde des Kirchenraumes entspreche, ermutigt Feine die Paare. Auch Fotografieren sei erlaubt, wenn der Fotograf zurückhaltend vorgehe.

Ausgefallene Ringübergaben führen oft zu Pannen

Die Paare haben viele Fragen, die die Pfarrerin meist bejahen kann: „Kann die Familie in die Zeremonie einbezogen werden?“, „Ist ein Sektempfang nach der Trauung möglich?“ oder „Ist Deko erlaubt?“. Andreas Rommel, der seine Freundin im Oktober in der Martinskirche in Sindelfingen heiraten will, hat einen ausgefallenen Wunsch: „Darf ein Hund die Ringe bringen?“, will er wissen. „Ich rate von allem ab, was zu Pannen führen kann“, warnt die erfahrene Pfarrerin. Sie habe schon erlebt, dass die Hochzeitsgesellschaft über dem Lüftungsschacht gekniet sei, weil die Ringe dort reingekullert waren.

Vorsicht bei der Liedauswahl

Auch die Musikwünsche bergen oft Fallstricke. So wissen viele nicht, dass das beliebte Lied „Halleluja“ von Leonard Cohen auch von sexueller Begierde und dem Zerbrechen der Liebe handelt. Feine plädiert deswegen dafür, sich auch mit den Liedtexten auseinanderzusetzen und frühzeitig Musikwünsche mit dem Kantor abzusprechen.

Dieser zeigt den Paaren eindrucksvoll, dass sein Spiel an der Orgel keinesfalls nur auf Kirchenlieder reduziert ist und eine besondere Stimmung in die Kirche zaubert. Dass er sogar ein klassisches Stück mit der Star-Wars-Melodie verweben kann, begeistert auch Paare, die der Orgel bisher kritisch gegenüberstanden. „Wir dachten, dass Orgelmusik eher konservativ ist, aber das war richtig toll“, zieht Christian Krug nach dem Workshop ein Fazit. Außerdem nimmt sich das Paar den Rat von Gerlinde Feine zu Herzen, sich den Tag so zu gestalten, dass er zu ihnen passt – und dadurch schöne Erinnerungen zu sammeln, die sie in ihrer Ehe begleiten werden.

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