Gestürzt von den eigenen Spielern: Bundestrainer Nebojsa Novoselac Foto: dpa

Meuterei im Becken: Die Spieler der Wasserball-Nationalmannschaft haben den ungeliebten Bundestrainer Nebojsa Novoselac aus dem Amt gedrängt.

Stuttgart - Es klingt ganz harmlos. Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) hat mitten in der Vorbereitung auf das Weltliga-Spiel am 20. Januar in Bremen gegen den EM-Siebten Spanien seinen Bundestrainer Nebojsa Novoselac (Berlin) in den Urlaub geschickt. „Er soll Überstunden abbauen“, lautet die offizielle Begründung. In Wirklichkeit aber ist Novoselac wohl seinen Job los. Die Nationalspieler haben ihn gestürzt.

Bereits im Dezember hatten sie gegenüber dem Vorsitzenden der DSV-Fachsparte Wasserball, Hans-Jörg Barth (Esslingen), ihr Misstrauen gegen Novoselac (40) bekundet. „Es besteht ein Graben, und der scheint sehr tief zu sein“, sagt Barth. In einem Brief an DSV-Präsidentin Christa Thiel hatten die Spieler geklagt: „Keiner von uns konnte seit der Einsetzung des Trainers sein Maximum erreichen. Wir sehen die Olympia-Qualifikation gefährdet. Wir wurden beschimpft. Er hat demotiviert statt motiviert.“

Unter Novoselac, der 2005 als Spieler mit Serbien Weltmeister war, verpasste die Mannschaft als EM-Neunter 2014 die Qualifikation für die WM in diesem Jahr. Zudem hängt die Qualifikation für Olympia 2016 in Rio am seidenen Faden. Bei der EM hatte Novoselac unter anderem die konditionelle Verfassung seiner Spieler kritisiert: „In den Vereinen wird zu wenig trainiert.“ Das kam bei seinen Spielern nicht gut an.

Angeführt wird die Meuterei offenbar von dem Ex-Cannstatter Moritz Oeler und von Marko Stamm. Beide spielen für Rekordmeister WF Spandau 04, den Novoselac vor seinem Wechsel ins Amt des Bundestrainers erfolgreich trainiert hatte. Schon damals galt er wegen seines unbändigen Ehrgeizes und daraus resultierender Umgangsformen als menschlich schwierig. „Die Angst der Spieler war teils sehr groß. Wenn jemand den Mund aufmachte, bekam er das zu spüren“, berichtete ein Spieler von damals. Allerdings gilt auch die Spandauer Mannschaft als schwierig: Erst Ende April hatte sie den damaligen Trainer Andras Gyöngyösi auf ähnliche Weise aus dem Amt gejagt.

Wie es mit Novoselac weitergeht, will Hans-Jörg Barth am Wochenende in Hannover mit den Vereinen besprechen, die hauptsächlich die Nationalspieler stellen. Auch der SV Cannstatt und der SSV Esslingen sollen mit von der Partie sein. „Wir beraten, wie wir weiter vorgehen. Das Thema liegt tiefer“, sagt Christa Thiel. Schon kursieren Namen möglicher Nachfolger – Vorgänger Hagen Stamm und Sören Mackeben. Zufall oder nicht: Beide sind Spandauer.

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