So könnte es aussehen: Der Nesenbach kommt ans Tageslicht. Foto: Stadt Stuttgart

Man glaubt es kaum, doch tatsächlich soll der Nesenbach aus seinem Dasein im Kerker befreit werden. Frisches Wasser soll durch die Innenstadt sprudeln.

Die Landeshauptstadt rühmt sich gerne ihrer Mineralquellen. Ansonsten steht das Wasser nicht sehr hoch im Kurs. Der Fluss ist weit weg, draußen im Neckartal, der Eckensee muffelt, im Max-Eyth-See in Hofen darf man nicht baden. Und der Nesenbach ist verdohlt. Bis jetzt.

 

Vergraben und vergessen

Ein Häusle am Hang – damit gehört man zur Hautevolee, ein Häusle am Fluss, davon träumte einst niemand. Gerber, Färber, Metzger, sie alle wohnten am Nesenbach und vertrauten ihre Abfälle dem Wasser an. Irgendwann stank der Bach bestialisch zum Himmel, man hat ihn wie die anderen Stuttgarter Wasserläufe verdreckt, in einen Kanal gepresst und vergessen. Im Jahr 1961 verschwand dann der letzte Fitzel des Bachs unter der Cannstatter Straße. Seitdem haben viele Stuttgarter den Bach nur gesehen, wenn sie beim Kaufhaus Breuninger die Rolltreppe benutzten.

Mehr Blau

Das soll sich nun ändern. In zwei Jahren soll der Nesenbach an zwei Stellen ans Tageslicht zurückkehren. Auf der Möhringer Straße sollen es 100 Meter Bachlauf zwischen der Tannenstraße und dem Marienplatz sein, in der Nesenbachstraße zwischen der Sophien- und der Christophstraße 90 Meter. „Wir brauchen mehr Blau in der Stadt“, sagt Oberbürgermeister Frank Nopper (CD), „wir bringen jetzt mehr Nesenbach in die Stadt.“ Die Bauarbeiten sollen Anfang 2024 beginnen und Ende 2025 fertig sein.

Was kostet das?

Möglich wird dies, weil man den Nesenbach auf mehreren Kilometern Länge in eine eigene Leitung legt. Bisher fließt das Wasser von der Quelle in Vaihingen kommend im Abwasserkanal durch die Stadt und wird in Mühlhausen ins Klärwerk geleitet. Eine neue Leitung für das Bachwasser zwischen der Böblinger Straße bis zur Eberhardstraße soll entstehen. Auch zwischen dem Eckensee und dem Königin Katharina-Stift bekommt der Bach eine neue Leitung. Das Wasser wird wie früher in den Neckar fließen. Die Stadt rechnet mit Kosten von 3,5 Millionen Euro.

Wohin fließt der Bach?

Der Nesenbach querte früher Stuttgart von Südwesten nach Nordosten und mündete nach 13 Kilometern im Neckar. Er fließt zwischen Kaltental und Heslach noch oberirdisch, bevor er in einem Kanal verschwindet und als Hauptsammler die Abwässer der Stadt aufnimmt und letztlich im Klärwerk Mühlhausen endet. 1970 verschwand das letzte offene Stück, der Unterlauf bei Berg wurde in eine Hülle gezwängt.

Nun soll der Nesenbach an einigen Stellen wieder ans Licht.