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Die Spurensuche nach Karl-Wilhelm Beck ist schwierig. Bei vielen Menschen ist er zwar noch immer für seine Rekordfahrten auf Skiern bekannt, wo er aber inzwischen steckt, weiß niemand.

Was machen Sportler heute, die vor vielen Jahren Geschichte(n) geschrieben haben? In unserer Serie gehen wir auf Spurensuche. Heute: Karl-Wilhelm Beck aus Neuffen, der 1973 mit 183 km/h schnellster Deutscher auf Skiern war.

Die Spurensuche nach Karl-Wilhelm Beck (61) ist schwierig. Bei vielen Menschen aus seiner Heimatstadt Neuffen ist er zwar noch immer für seine Rekordfahrten auf Skiern bekannt, wo er aber inzwischen steckt und was er macht, weiß niemand. Nur einer kann weiterhelfen: Friedhelm Schweizer, der Stiefbruder des weißen Blitzes vom Rande der Schwäbischen Alb. Früher waren die beiden unzertrennlich. Und Friedhelm Schweizer ist vor allem der Tag in Erinnerung geblieben, als sie mit Alpinskiern von der Skisprungschanze in Neidlingen sprangen. Damals war Beck erst zehn Jahre alt. Und das Wort "Angst" kannte er nur vom Hörensagen. Es gab keinen Hang, der ihm steil genug war. "Ich war ein Draufgänger", sagt er heute und schmunzelt verlegen.

Alfred Blanker, sein Trainer bei der Skiabteilung des VfL Kirchheim, weckte sein Interesse an den Hochgeschwindigkeitsrennen. Beck kam in die Sportkompanie der Bundeswehr in Mittenwald. Er trainierte täglich, am Wochenende nahm er an Wettkämpfen teil. "Das hat mich im Skisport nach vorne gebracht", sagt Beck. Schon als Teenager hatte er den Sprung in den Kader des Schwäbischen Skiverbands (SSV) geschafft. Sponsoren wurden auf ihn aufmerksam. Einer von ihnen war Sohler, ein Skihersteller aus Wangen im Allgäu. Sohler zahlte dann auch die Ausrüstungen und die Reisen zu dem jährlich stattfindenden Geschwindigkeitsrennen am Plateau Rosa (Italien).

Beim Kilometro Lanciato, wie es damals in Italien hieß, feierte Karl-Wilhelm Beck den größten Erfolg seiner Karriere. Er war ein guter Gleiter und raste der Konkurrenz oft davon. Drei Jahre stürzte er sich die 1000 Meter lange, fast senkrecht abfallende Strecke hinab. 1973 war er der Schnellste der Welt - bis der Italiener Alessandro Casse im fünften Versuch Becks Geschwindigkeit von 183,486 km/h noch übertraf. "Ich habe einen taktischen Fehler gemacht", ärgert sich Beck heute. Aufgrund schlechter Pistenbedingungen hörte er nach dem dritten von fünf Versuchen auf und schonte seine Kräfte für den nächsten Tag.

Doch die Verhältnisse wurden nicht besser, es wurden keine Rekordversuche mehr erlaubt. Der weiße Blitz aus Neuffen war schnellster Deutscher auf Skiern, aber nicht der Schnellste der Welt. In der Heimat feierten sie ihn trotzdem wie einen Champion. "Die ganze Stadt war stolz auf ihn", erinnert sich Skikamerad Peter Kuhn. Zeitungen schrieben ihm, Fernsehsender baten ihn zum Interview.

Doch schon ein Jahr später war Schluss. Beck beendete spontan seine Karriere, weil er den tödlichen Sturz eines Skiakrobaten, der vor ihm an den Start ging, miterleben musste. Außerdem musste er sich um sein berufliches Fortkommen kümmern. Er machte die Prüfung zum staatlich geprüften Elektrotechniker. 1974 gründete er sein eigenes Elektrogeschäft, das er später verkaufte. In der Branche ist er bis heute geblieben. Als Pionier der Videotechnik setzt Karl-Wilhelm Beck auf Messen die Verkaufsstände der Hersteller in Szene. Auch als Unternehmer beim Multimediasystemhaus ICT hat er Erfolg. Zuletzt als Entwickler der LED-Kugel für die Expo 2010 in Schanghai.

Für den Skilauf findet der Vater von drei Kindern nur noch selten Zeit. Doch an den Kilometro Lanciato denkt er oft zurück: "Die Erlebnisse haben mich für mein Leben geprägt." Ob er angesichts der heutigen Spitzenwerte von 251 km/h noch einmal an Geschwindigkeitsrennen teilnehmen würde? "Ich würde es sofort wieder tun", antwortet er spontan. Und er blickt so, als dürfe man ihm das glauben.

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