Das private Museum von Herbert Wilhelm sitzt in einer einstigen Mosterei in Weinstadt-Strümpfelbach – und öffnet am Sonntag ausnahmsweise seine Tür. Spaziergänger, die an einer Wein-Kultur-Wanderung teilnehmen, dürfen hinein und Erstaunliches entdecken.
Wer über die Schwelle von Herbert Wilhelms Privatmuseum in der Strümpfelbacher Ortsmitte tritt, katapultiert sich mit einem Schritt in längst vergangene Zeiten. Es geht, grob geschätzt, zurück in einen Abschnitt zwischen 1570, dem Baujahr des denkmalgeschützten Gebäudes mit der Nummer 4, und den 1960er-Jahren. In dem Gebäudeteil, wo lange Zeit eine Mosterei untergebracht war, hat Herbert Wilhelm all jene Gegenstände zusammengetragen, die in früheren Zeiten zu einem (Wengerter-) Haushalt im Remstal gehörten. Das meiste davon stammt aus seiner Familie. „Meine Mutter hat vieles aufgehoben“, sagt Herbert Wilhelm und lässt den Blick durch den nicht gerade kleinen, aber sehr gut gefüllten Raum schweifen.
Zehn Stationen entlang des Spazierweges
Normalerweise ist das private Museum in der ehemaligen Mosterei nicht zugänglich, doch am Sonntag, 21. April, haben Teilnehmende der Wein-Kultur-Wanderung die Möglichkeit, sich dort umzuschauen und Herbert Wilhelms Erzählungen zu lauschen. Denn das uralte Haus ist die vorletzte von insgesamt zehn Stationen, welche die Spaziergänger am Sonntag auf dem Weg von der Ortschaft Aichelberg hinunter nach Strümpfelbach ansteuern. Die Verbindung der beiden Orte sei immer eng gewesen, sagt Werner Kuhnle vom gleichnamigen Weingut: „Die Strümpfelbacher hatten immer viele Äcker dort oben, es war ein ständiges Rauf und Runter.“
Statt harter Feldarbeit wie einst steht am Sonntag Genuss auf dem Programm. Falls das Wetter mitmacht, bietet sich den Tourteilnehmern ein schöner Ausblick bis zur Schwäbischen Alb und den Kaiserbergen. Entlang des Weges bauen mehrere Weingüter und -produzenten Stände auf, berichten über ihre Weine und servieren natürlich auch Kostproben.
Gerda Kopetzky von der Albvereinsgruppe Weinstadt erläutert unterwegs Wissenswertes zur Landschaft rundum sowie zu den Gesteinsarten entlang des Weges. Sie hat auch das eine oder andere schwäbische Gedicht parat. Da auf der Route keine Treppen zu überwinden sind, ist die Tour auch für Familien mit Kinderwagen geeignet.
Eine frühere Herberge für Pilger auf dem Jakobsweg
Unten im Tal angelangt, machen die Spaziergänger einen Halt im Weingut Kuhnle, wo es neben weiterer Kostproben auch Toiletten gibt. Danach folgt der Abstecher ins Privatmuseum von Herbert Wilhelm. Der Weg dorthin führt zunächst durch den urigen Gewölbekeller des Hauses, das früher als Herberge für Pilger auf dem Jakobsweg diente. Wo einst Fässer lagerten, stehen nun Skulpturen des Bildhauers Karl Ulrich Nuss.
Im Stockwerk darüber warten die Alltagsgegenstände aus der Vergangenheit – vom verzierten Bauernschrank aus dem Jahr 1844 über historische Familienfotos, Kinderspielzeug und Musikinstrumente über ein gut 100 Jahre altes funktionsfähiges Grammophon bis hin zu Haushaltsgeräten wie dem mit Holz befeuerten Küchenherd samt Schürhaken, dem „Äbira-Hafa“ mit Drahteinsatz für Kartoffeln oder dem laut Verpackung patentierten „Super-Konservierungs- und Frischhalteapparat“ namens Frauenstolz.
Das Museum bringt Verborgenes ans Tageslicht
Eine Schaufensterpuppe trägt die frühere Ausgehtracht der Strümpfelbacherinnen. Ganz in Schwarz, inklusive einer Haube mit etwas zarter Spitze. Selbst das, was Frauen früherer Generationen unten drunter trugen, wird im Museum ans Tageslicht gebracht. „Das ist eine Stehbrunzhose“, erklärt Herbert Wilhelm und zeigt auf weiße Beinkleider mit einer schlitzartigen Öffnung im Schritt, die unter dem Rock getragen wurden. So konnte frau unterwegs ohne großen Aufwand austreten.
Die riesig wirkenden Filzstiefel wiederum seien zur Winterszeit im Wengert getragen worden, sagt Herbert Wilhelm, der zu jedem Exponat etwas erzählen kann. Dann deutet er auf einen Stapel von Gärkörbchen, die beim Brotbacken zum Einsatz kamen und sagt knitz: „In einem davon ist Moses die Rems runtergeschwommen.“
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Tour
Der Spaziergang mit Weinverkostung beginnt am Sonntag, 21. April, um 13 Uhr an der Feldkirche Aichwald-Aichelberg, Schurwaldstraße 1. Die sechs Kilometer lange Route führt durch die Weinberge ins Strümpfelbacher Tal. Insgesamt dauert die Tour fünf Stunden. Die Teilnahme kostet 45 Euro pro Person, enthalten sind entlang der Strecke ein kleines Vesper und ein Abschlussessen, bei dem das Weingut Wilhelm Maultaschen und Fleischküchle serviert.
Anmeldung
Für eine Teilnahme muss man sich anmelden, entweder per E-Mail an verkauf@weingut-kuhnle.de oder telefonisch unter 0 71 51/612 93.
Programm
Die Führung übernimmt Gerda Kopetzky vom Albverein Weinstadt. Weitere Beteiligte sind Weinstadts Oberbürgermeister Michael Scharmann, der Karlsteinverein und Herbert Wilhelm mit seinem Museum. Die Weinfreunde Strümpfelbach kredenzen Weine der Remstalkellerei, die Neue Weinscheune einen Piwi-Wein, außerdem sind die Weingüter Mannschreck, Kuhnle und Wilhelm mit von der Partie.