Die Kugelahornbäume will die Bahn sich selbst überlassen. Foto: Steffen Honzera

Spazierengehen unter den Kugelahornbäumen am Hasenberg ist wohl bald nicht mehr möglich.

Stuttgart-Süd - Wenn das passiert, geht Heslach auf die Barrikaden“, ist sich ein Anwohner sicher. Gemeint sind die Pläne der Bahn den Panoramaweg unterhalb des Blauen Wegs für die Öffentlichkeit zu sperren. Die Strecke ist bei Wanderern weit über den Süden hinaus beliebt.

Lange war nicht klar, ob Bahn oder Stadtverwaltung für den Weg am Hasenberg zuständig sind. Die Strecke, die in Verlängerung der Rebenreute ein herrliches Panorama über Heslach bietet, verwahrloste zunehmend. Die Ahornbäume sind seit Jahren nicht zurückgeschnitten worden, Waldreben drohen sie zu überwuchern.

Der Bezirksbeirat hatte die Stadtverwaltung im November gebeten, sich des Weges anzunehmen. Nun teilte die Bahn auf Nachfrage unserer Zeitung mit, dass sie das Nutzungsrecht für den Weg habe. „Für die Zwecke der Bahn wird der Weg jedoch nicht gebraucht“, so der Sprecher, der damit die Entscheidung der Bahn begründet, Durchgangverbotsschilder an der Kreuzung zum Pfarrwegle und an der Kreuzung zur Verlängerung der Hasenstraße aufzustellen. „Wenn von der Stadtverwaltung die Notwendigkeit gesehen wird, den Weg für die Öffentlichkeit bereitzuhalten, stehen wir als Gesprächspartner zur Verfügung“, betonte der Bahnsprecher weiter.

Verärgerung im Bezirksbeirat

Bezirksvorsteher Rupert Kellermann ist schockiert: „Der Antrag der FDP war in guter Absicht. Jetzt wurde genau das Gegenteil erreicht.“ Die Vertreter der Fraktionen im Bezirksbeirat sind verärgert. „Es kann nicht sein, dass ein so beliebter Weg gesperrt wird“, sagt Wolfgang Jaworek, Sprecher der Grünen im Bezirksrat. Als unklug bezeichnet Roland Petri, CDU-Bezirksrat, die Pläne der Bahn. „Die Bahn bekäme ein schlechtes Image. Ich rate zum konstruktiven Gespräch zwischen Bahn und Bezirksbeirat, damit eine für alle Seiten gute Lösung gefunden wird.“

Die FDP hofft darauf, dass sich Stadtverwaltung für die Verbindung zum Blauen Weg und zum Birkenkopf entsprechend ihrem ursprünglichen Antrag einsetzt. „Wir hoffen, dass die Stadt Stuttgart und die Deutsche Bahn AG hier eine gute und tragbare Lösung finden werden“, so die liberalen Bezirksbeiräte Monika Foak und Wolf-Dieter Wieland.

Die Stadt will das Gespräch suchen

Die Zeichen dafür stehen nicht schlecht. „Wir wollen das der Weg offen bleibt“, betonte Harald Beutel, Sprecher der Stadt Stuttgart. Er kündigte an, dass die Verwaltung das Gespräch mit der Bahn suchen werde. Die wichtigste Frage, die in diesem Gespräch zu klären sein wird, ist die Frage der Kosten der Pflege und Baumbeschneidung. Dass die Stadtverwaltung die Pflege des Panoramawegs für die Bahn übernehme, wollte Beutel nicht zusichern. „Das ist eine Frage, die in den Verhandlungen mit der Bahn geklärt werden muss“, so Beutel. Davon hängt aber ab, ob der Weg sicher für Spaziergänger und Wanderer ist. Einige der Kugelahornbäume sind bereits abgestorben und umgeknickt.

Für den Schriftsteller Heinrich Dosedla, der den Panoramaweg fast jeden Tag entlang geht und dort nach dem Rechten schaut, ist die Entscheidung der Bahn unverständlich. Die Kugelahorne seinen ein Naturdenkmal, sie müssten gepflegt und erhalten werden. „Ich würde die Bäume ja selbst zurückschneiden, wenn ich dafür grünes Licht von der Bahn bekäme. Den Weg zu sperren ist doch keine Lösung“, findet Dosedla.

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