Muss das Waldhaus einmal abgerissen werden, weil es zu marode ist, dann ist ein Neubau an der Stelle ausgeschlossen. Foto: Achim Zweygarth

Einst war das Waldhaus eines der beliebtesten Ausflugsziele der Stadt. Seit sechs Jahren steht das Traditionslokal im Stuttgarter Westen verlassen da. Heute verfällt es mehr und mehr. Die Gründe dafür liegen im Dunkeln.

S-West - Jetzt ist es wieder vernagelt. Eine Zeit lang aber standen im Waldhaus auf dem Hasenberg Fenster und Türen sperrangelweit offen. Dass keine ungebetenen Gäste in den Räumen randalierten, verdankt sich vermutlich bloß seiner abgelegenen Lage. Ansonsten hat sich in der Zwischenzeit nichts getan, und es steht auch nicht erwarten, dass sich jemand dieses alten Hauses erbarmt, es herrichtet und für Gäste öffnet.

Seit sechs Jahren steht das Waldhaus verlassen da. Es war eines der beliebtesten Ausflugslokale der Stadt gewesen. Bei klarer Luft reichte der Blick bis zur Schwäbischen Alb und zum Schwarzwald. Seit Errichtung des Hasenbergturms durch den Verschönerungsverein 1879 waren massenweise Ausflügler heraufgepilgert. Nach dem steilen Aufstieg stillten sie Durst und Hunger im Waldhaus. Der Turm wurde im Zweiten Weltkrieg aus Sicherheitsgründen gesprengt. Die Gastronomie blieb.

Otto Herbert Hajek zählte zu den Stammgästen

Der letzte Pächter war der Poet, Maler und Wirt Günter Lemme. Er hatte 1960 als Kellner im Waldhaus angeheuert und machte 2008 als letzter das Licht aus. Bisweilen bewirtete er prominente Gäste wie Willy Brandt und Heidi Kabel. Der Künstler Otto Herbert Hajek, der auf der Hasenbergsteige sein Atelier hatte, zählte ebenso zu seinen Stammgästen wie der Fernsehturm-Architekt Fritz Leonhardt.

Als vor sechs Jahren die Generalsanierung anstand, kam das Aus. Die Besitzer, mehrere Erben, brachten das Geld dafür nicht auf und kündigten den Pachtvertrag mit Lemme. Die Stadt schob dräuenden Spekulationsgeschäften mit der Immobilie rasch einen Riegel vor: An diesem Standort dürfen keine Luxuswohnungen gebaut werden. Entweder er wird weiterhin gastronomisch genutzt oder gar nicht. „Es handelt sich um ein Außengebiet und ist nicht bebaubar“, erläutert der Bezirksvorsteher Reinhard Möhrle. „Aber das Gebäude hat Bestandschutz, sofern sich seine Nutzung nicht ändert.“

Konflikte bleiben im Dunkeln

Seither gammelt das traditionsreiche Wirtshaus vor sich hin. Dabei gab es durchaus Interessenten, die gerne ein neues Lokal eröffnet hätten. „Es gab schon mit etlichen Firmen und Brauereien Gespräche. Aber sie sind immer wieder abgesprungen“, berichtet der Bezirksvorsteher. Manche Geschäftsidee sei einfach nicht erlaubt gewesen – beispielsweise ein Show-Cooking. Doch der größte Hemmschuh seien die ungeklärten Eigentumsverhältnisse: Das Waldhaus gehört nicht bloß einer Erbengemeinschaft, sondern auch noch einer Einzelperson. Dem Vernehmen nach sind nicht bloß die Gemeinschaft und der Einzelne uneins darüber, was mit der Immobilie geschehen soll, sondern auch die Mitglieder der Erbengemeinschaft untereinander. Einig ist man lediglich darin, dass man nicht mehr mit der Presse sprechen wolle. So bleiben die Konflikte im Dunkeln. Bekannt ist nur, dass der einzelne Besitzer unlängst im Umwelt- und Technikausschuss des Gemeinderates einen Bauantrag gestellt hat. Es ging um Umbaumaßnahmen für einen gastronomischen Betrieb und zwei Wohnungen. Der Antragsteller hoffte offenbar, dass sich das Waldhaus leichter veräußern ließe, wenn bereits die Baugenehmigungen vorliegen. Der Gemeinderat mochte aber in nichtöffentlicher Sitzung dem Antrag nicht zustimmen: Prinzipiell sei zwar gegen die Umbauten nichts einzuwenden. Allerdings müssten zuerst die Besitzverhältnisse geklärt sein. Der Mann wurde gebeten, seinen Antrag zurückzuziehen, was er offenbar auch tat. Die Räte haben den Ball an ihn zurückgespielt.

Nun herrscht wieder die vertraute Pattsituation am Hasenberg, und nichts geschieht. „Die Eigentümer tun sich keinen Gefallen“, sagt der Bezirksvorsteher Möhrle. Mit ihm bedauert wohl mancher Ausflügler, dass er die schöne Aussicht vom Hasenberg wohl nie mehr von einem Biertisch aus wird bewundern können. „Denn wenn das Waldhaus einmal verrottet ist, dann gibt es hier keinen Neubau.“

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