Im Südwesten herrscht Forstminister Peter Hauk (CDU) zufolge kein Mangel an dem Rohstoff. Nachschubprobleme gibt es dennoch.
Stuttgart - Rekordmengen, Rekordpreise, Lieferengpässe: Der Holzmarkt ist in den zurückliegenden anderthalb Jahren von Extremen geprägt gewesen. Welche Gründe stehen hinter dem derzeitigen Nachfrageboom – und wie könnte die weitere Entwicklung aussehen?
Im Jahr 2020 wurde in den deutschen Wäldern so viel Holz geschlagen wie noch nie seit der Wiedervereinigung: 80,4 Millionen Kubikmeter. Mehr als die Hälfte davon waren Kalamitätshölzer, also Bäume, die vom Borkenkäfer befallen waren. Hitze und Trockenheit hatten den Schädlingsbefall begünstigt. Als Baustoff wurde dieses günstige Holz in China stark nachgefragt, da es im Kern dieselben statischen Eigenschaften wie ein gesunder Baum hat, allenfalls optische Mängel bestehen und etwas mehr Abfall entsteht. Insgesamt gingen im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt 12,7 Millionen Kubikmeter Rohholz in den Export, davon mehr als die Hälfte nach China. Die Exportquote hat sich seit 2015 mehr als verdreifacht. Auch die Nachfrage nach bereits geschnittenem Holz wuchs im In- wie im Ausland massiv. Der Landesverband Holzbau Baden-Württemberg zählte im Mai in einem Schreiben an seine Mitglieder eine ganze Reihe von Gründen auf, die zum derzeitigen Nachschubproblem beitragen:
Waldbrände und Strafzölle: die Gründe für den Nachfrageboom
– Holz wird als nachhaltiger Baustoff von der Politik stark beworben und bei den Bauträgern immer beliebter. Der Anteil von Ein- und Zweifamilienhäusern in Holzbauweise liegt mittlerweile bei 39 Prozent.
– In den USA werden mehr als 80 Prozent der Häuser aus Holz gebaut. Nach dem Schock der ersten Coronawelle nutzten viele Bürger den Lockdown für Bau- und Do-it-yourself-Produkte.
– Waldbrände und ein früher Wintereinbruch bremsten 2020 den Holzeinschlag in den USA. Zugleich gingen die Importe von Schnittholz aus Kanada zurück, da der damalige US-Präsident Donald Trump Strafzölle von 20 Prozent darauf erhoben hatte. Kanada kämpfte außerdem mit dem Bergkieferkäfer, der in der Provinz British Columbia Hunderttausende von Quadratkilometern Wald zerstörte.
– In Deutschland beschränkt das Forstschädenausgleichsgesetz den Einschlag von Fichtenholz im Halbjahr März bis September 2021 auf 85 Prozent.
Holzbauverband appelliert an die Sägeindustrie
Zusammenfassend schreibt der Holzbauverband: „In Nordamerika werden – im Vergleich zu Deutschland – generell weit höhere Preise für Frisch- und Schnittholz gezahlt. Deshalb ,saugen’ die USA seit Monaten verstärkt den deutschen Markt ab. Die Folge ist, dass mehr oder weniger die gesamte deutsche Sägeindustrie ihre Ware verstärkt in die beiden Länder exportiert, die bereit sind, doppelt so hohe Preise zu zahlen: nach China und in die USA.“ In zahlreichen Gesprächen habe man deshalb versucht, bei Sägereien und Händlern das hiesige Handwerk in Erinnerung zu rufen. „Wir sind es, die auch nach dieser Blase weiterhin ihre Kunden sind, wenn die übersteigerte Nachfrage aus den USA und China längst wieder abgeklungen ist“, sagte der Hauptgeschäftsführer Thomas Schäfer. Mittlerweile sieht der Verband auch Anzeichen einer Preis- und Marktberuhigung. Zudem räumen die USA die Handelsbeschränkungen gegenüber Kanada wieder ab.
Forstminister Hauk: Wir haben genügend Holz
Auch der baden-württembergische Forstminister Peter Hauk (CDU) appellierte schon Ende April an die Waldbesitzer, das noch in Nasslagern zur Konservierung zwischengelagerte Holz rasch den Sägewerken bereitzustellen und bei der Vermarktung die regional ansässigen Betriebe ausreichend zu versorgen. Zudem sollten Holzbauunternehmen auf Doppelbestellungen und „unnötige Schnittholzlager“ verzichten. Jeder müsse beitragen, die hiesigen Wertschöpfungsketten zu unterstützen, sagte der Minister. Im Grundsatz herrsche im Land kein Mangel, meint Hauk: „Wir haben genügend Holz.“