Flammendes Inferno: Waldbrände bei Split beleuchten die Stadt. Foto: dpa

An der kroatischen Adriaküste wüten seit dem Wochenende die schlimmsten Waldbrände seit Menschengedenken. Mehrere Fernverkehrsstraßen und eine Bahnstrecke sind wegen der Flammen gesperrt. Die Feuerwehren kämpfen gegen die Flammen – und Regen ist nicht in Sicht.

Dubrovnik - Es sind schwere, von der Plackerei auf dem Acker zerschundene Hände, die der Bauer Pavo Gruica vor das Gesicht schlägt, weil er die Tränen nicht länger zurückhalten kann. „Ich habe alles verloren“, schluchzt er vor laufender Kamera eines lokalen TV-Senders. Haus, Auto und die Ziegen, aus deren Milch der berühmte dalmatinische Hartkäse gemacht wird. Die Tiere, sagt der Bauer, seien vor Angst wahnsinnig geworden und direkt ins Feuer gelaufen statt in die umgekehrte Richtung. Zwar wäre die Feuerwehr aus der Stadt in weniger als 20 Minuten dagewesen. Bis dahin hätten die Dörfler versucht, selbst gegen die Flammen vorzugehen, mit Gartenschläuchen und Feldspaten.

Ein hoffnungsloses Unterfangen: In Mitteldalmatien, an der kroatischen Adriaküste – eine der beliebtesten Destinationen für deutsche Sonnenanbeter – wüten seit dem Wochenende die schlimmsten Waldbrände seit Menschengedenken. Allein in der Region um Split gibt es derzeit 14 Brandherde. Lichterloh brennt es auch bei den Nachbarn in Bosnien und in Montenegro. Seit Mitte Mai ist an der östlichen Adriaküste kein nennenswerter Niederschlag mehr gefallen. Nicht nur Pinien, Zypressen und Kiefern, deren Holz viel Harz enthält, brennen. Auch das Unterholz, die Macchia, deren glänzend grüne Blätter die Uferfelsen überwuchert.

Fernstraßen und eine Bahnstrecke sind wegen der Flammen gesperrt

Mehrere Fernverkehrsstraßen und eine Bahnstrecke sind wegen der Flammen gesperrt, Teile der Adria-Magistrale, die südlich von Split über den bosnischen Korridor nach Dubrovnik führt, sind nur einspurig befahrbar. An den Ausweichstellen mit provisorischen Ampeln bilden sich Staus. Die Touristen wollen schnell weg aus der Feuerhölle. Andere erkundigen sich, zu welchen Konditionen sie ihren Urlaub stornieren können, sogar in der Region um Dubrovnik, die bisher von den Bränden verschont blieb.

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Die „Perle der Adria“, die zum Weltkulturerbe gehört, trennen gut 200 Kilometer vom Zentrum der Brände. Doch sogar hier riecht die Luft nach Rauch, während der Himmel makellos blau ist. In Split dagegen, der zweitgrößten Stadt Kroatiens und im Sommer die heimliche Hauptstadt des Landes, herrscht selbst am hohen Mittag Dämmerung. Die Sicht beträgt oft nur anderthalb Meter. Denn die Flammen kamen den Vororten schon bedrohlich nahe.

Die Nacht zu Freitag sei die letzte gewesen, in der sie durchgeschlafen habe, sagt die Zahnärztin Maria Bojčić. Rauchsäulen über der Adria und lodernde Wälder sind auf Fotos von Satelliten zu sehen, die in einer Höhe von über tausend Kilometern um die Erde kreisen. Feuerwehrleute, Elite-Einheiten der Armee und Katastrophenschützer werden von hunderten Freiwilligen aus ganz Kroatien, darunter auch Fußball-Fanklubs, unterstützt. Sie versuchen, Schneisen zu schlagen, um die weitere Ausbreitung der Brände zu verhindern.

2007 nwurde schon einmal die Evakuierung von Dubrovnik geplant

Doch der Wind ist schneller und dreht sich noch dazu mehrmals am Tage. Weht er wieder aus Westen, so fürchtet der Ziegenhalter Gruica aus Sitno Gornje, wo zehn Häuser abgebrannt sind, könnte das ganze Dorf Raub der Flammen werden. Die Situation ist so dramatisch, dass Kroatiens Präsidentin Kolinda Grabar Kitarović ihren Besuch in Österreich vor der Zeit abbrach, um sich mit den Opfern zu treffen. Premier Andrej Plenković, Verteidigungs- und Innenminister sind bereits vor Ort.

Plenković in Split kündigte Korrekturen der nationalen Sicherheitsdoktrin an. „Wir sind nun mal ein Mittelmeerland, wo es im Sommer immer brennt. Darauf müssen wir uns schon im Winter effektiver als bisher vorbereiten.“ Zu Brandstiftung durch Bodenspekulanten, wie Beobachter sie nicht ausschließen, wollte er sich vor Abschluss der Ermittlungen nicht äußern.

Maria Novaković aus Dubrovnik verfolgt die TV-Berichterstattung mit Grausen. 2007 hatten sich die Brände so dicht an die Stadt herangefressen, dass die Stadtverwaltung bei nächtlicher Krisensitzung bereits die Komplett-Evakuierung der 40 000-Einwohner-Stadt plante. „Alles nur das nicht noch mal erleben, „ sagt Novaković. Als gute Katholikin bete sie natürlich zur Heiligen Jungfrau. Doch ob das hilft, da ist sie sich so sicher nicht. Eine Bauernregel besage, dass erste Niederschläge frühestens zu Mariä Himmelfahrt am 15. August zu erwarten seien.

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