Ilkay Gündogan (links) und Mesut Özil lassen sich mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan (rechts) ablichten.Foto:dpa Foto:  

Die Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan senden mit ihrem Auftritt beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ein fatales Zeichen, findet unser Kommentator Marko Schumacher.

London - Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist ein Autokrat, der die Menschenrechte mit Füßen tritt, Oppositionelle und Journalisten ins Gefängnis werfen lässt und auch sonst seit Jahren alles dafür tut, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in seinem Land abzuschaffen. All das kann auch den Fußballmillionären Mesut Özil und Ilkay Gündogan nicht entgangen sein, selbst wenn sie üblicherweise nicht für Weltpolitik, sondern für Unterhaltung zuständig sind. Es hat sie nicht davon abgehalten, mit Erdogan auf dessen Wahlkampftour in England auf gemeinsamen Fotos zu posieren.

Aushängeschilder des deutschen Nationalteams

Dem Fußball wird gerne vorgeworfen, er ducke sich weg, wenn es politisch wird. In diesem Falle haben Mesut Özil und Ilkay Gündogan das Gegenteil getan – und damit ein fatales Zeichen gesetzt. Ob sie nur aus reiner Dummheit gehandelt haben oder gar aus Kalkül, spielt keine entscheidende Rolle. Tatsache ist, dass sie nicht nur den Deutschen Fußball-Bund (DFB), der mit der Türkei um die Ausrichtung der EM 2024 konkurriert, völlig vor den Kopf gestoßen haben. Sondern auch ihr Land, für das sie seit Jahren erfolgreich Fußball spielen und das es Erdogan aus gutem Grund verboten hat, vor den Präsidentschaftswahlen am 24. Juni Wahlkampf zu machen.Als Beispiele gelungener Integration galten Özil und Gündogan bislang, zugleich als Aushängeschilder des deutschen Nationalteams. Folgt nun keine kompromisslose Kehrtwende des Duos, muss man sich allerdings fragen, ob sie wirklich in dem WM-Kader stehen sollten, den Bundestrainer Joachim Löw an diesem Dienstag benennt. Für die Reise nach Russland jedenfalls, ein Land, das es mit den Menschenrechten ganz ähnlich wie die Türkei hält, kann man sich kaum schlechtere deutsche Repräsentanten vorstellen.

marko.schumacher@stzn.de

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: