Trotz einer prall gefüllten Wahlkampfkasse, dem professionellsten Wahlkampfteam und der Erfahrung von vor vier Jahren konnte Mitt Romney in Iowa nicht zulegen. Foto: privat

Iowa wird wieder einmal seinem Ruf gerecht, keine Sieger, sondern Verlierer zu produzieren.

Iowa wird wieder einmal seinem Ruf gerecht, keine Sieger, sondern Verlierer zu produzieren. Der knappste Ausgang in der Geschichte republikanischer Caucuses hebt das dramatisch hervor. Hier das vorläufige Ergebnis (Stand 7 Uhr 30 MEZ):

Rick Santorum – 25 Prozent
Mitt Romney - 25 Prozent
Ron Paul - 21 Prozent
Newt Gingrich - 13 Prozent
Rick Perry - 10 Prozent
Michelle Bachmann - 5 Prozent
Jon Huntsman – nicht angetreten

Die Spinmeister Mitt Romneys können das Ergebnis drehen, wie sie wollen. Der Kandidat schafft es nicht über 25 Prozent der Wählerstimmen hinauszukommen. Trotz einer prall gefüllten Wahlkampfkasse, dem professionellsten Wahlkampfteam und der Erfahrung von vor vier Jahren konnte er in Iowa nicht zulegen. Er erzielte genau das gleiche Ergebnis wie 2008. Drei von vier Republikanern trauen dem notorischen Wendehals weiterhin nicht über den Weg. Daran ändern auch die patriotischen Verse nichts, die er in der Wahlnacht aufsagte. Peinlich, peinlich wie sich der Kandidat versucht, bei den Fundis anzubiedern. Weil der überzeugende Wahlsieg ausfiel, erklärte sich Romney in der Wahlnacht generös zu einem der drei “Sieger” von Iowa.

Bachmann wirft bald das Handtuch

Verloren hat auch die schrille Michelle Bachmann. Die in Waterloo, Iowa geborene Kandidatin erlebte in Iowa eben dies: Ihr persönliches Waterloo. Dass sie vor ihren Anhängern am Ende der Wahlnacht noch von “einer weiteren Michelle im Weißen Haus” fantasierte, ändert nichts an den Realitäten. Mit enttäuschenden fünf Prozent wird Bachmann gewiss bald das Handtuch werfen. Wegen ihrer kleinen Schar an enthusiastischen Anhängern dürfte sie von allen Konservativen für ihre Unterstützung umworben werden.

Cowboy Rick Perry braucht mit zehn Prozent in Iowa sein Pferd weder für New Hampshire noch South Carolina zu satteln. Nach diesem traurigen Abschneiden hier trottet er besser nach Texas zurück. Nicht viel weniger als das kündigte er in der Nacht vor seinen Anhängern an als er seine weiteren Wahlkampftermine bis auf weiteres absagte. Bye, bye Marlborough-Mann.

Newt Gingrich verpasste ebenfalls unter den ersten drei über die Ziellinie zu kommen. Mehr als dreizehn Prozent waren für ihn in Iowa nicht drin. Genug, um noch eine oder zwei Runden im Rennen zu bleiben. Auch wenn er sich selber “am Beginn eines außerordentlichen Wahlkampfs” sieht, schlägt die Stunde der Wahrheit für Gingrich in South Carolina. Der Wadenbeißer bleibt vor allem im Rennen, um Romney zu verhindern. Ein angeschlagener Newt ist gefährlicher für Mitt, als einer der gleichauf liegt. Der Speaker hat jetzt nichts mehr zu verlieren.

Paul ist ein Überzeugungstäter

Paul ist ein Überzeugungstäter

Tea-Party-Rebell Ron Paul versuchte seinen dritten Platz mit 21 Prozent vor seinen Fans schön zu reden. Tatsächlich blieb er in Iowa hinter den selbstgesteckten Erwartungen zurück. Ohne Sieg im Mittleren Westen gibt es auch für seine Kandidatur kein plausibles Szenario, wie er die Nominierung erreichen kann. Nicht einmal bei den Rechtsaußen-Republikanern in Iowa sind seine außenpolitischen Ideen mehrheitsfähig. Was den 76-jährigen nicht abschreckt weiterzumachen. Paul ist ein Überzeugungstäter.

Bleibt Rick Santorum, der dem Wahltag am ehesten etwas Positives abgewinnen kann. Der Pollunder-Träger blieb genau zum richtigen Zeitpunkt als letzter Kandidat übrig, der seine fünfzehn Minuten Berühmtheit bei diesen Vorwahlen noch nicht hatte. Der erzkonservative Katholik schaffte es, die Evangelikalen hinter sich zu scharen, die auch diesmal wieder knapp sechs von zehn Caucus-Teilnehmern stellten.

Santorum: Populistische Töne

Grund für den Kandidaten, “dem lieben Gott” am Ende der Wahlnacht ”ganz öffentlich” für seine 25 Prozent zu danken. Überirdische Hilfe braucht er nun, seine schwache Organisation in New Hampshire und South Carolina zu stärken und die leere Wahlkampfkasse zu füllen. In seiner “Sieger”-Rede schlug Santorum populistische Töne an, in denen er an seine bescheidene Herkunft aus dem ländlichen Pennsylvania erinnerte und sich zum Sprachrohr der kleinen Leute machte. Nicht ohne Seitenhieb auf den Rollt-Royce-Kandiaten Romney. Auf jeden Fall kam der Patriarch “echter” rüber als der geleckte Romney.

Die Republikaner insgesamt bleiben im Hawkeye-Staat bei der Wahlbeteiligung weit hinter den rosa-roten Erwartungen zurück. Die Dauerpolemik gegen Obama schlägt sich nicht in der Mobilisierung von Wählern wieder. Kein Vergleich zu 2008 als Kandidat Obama in Iowa tausende neue Wähler auf die Beine brachte. Ohne die Erstwähler, die Pauls auf die Beinen brachte, sähe es noch düsterer aus.

Die doppelte Botschaft aus Iowa lautet: Romney bleibt ein schwacher Favorit der Parteiführung, der 25 Prozent seine Grenze erreicht. Auf der anderen Seite können sich Christen-Fundis und Tea-Party-Anhänger bisher nicht auf einen Anti-Romney einigen. Eine zerrissene Partei, die gewiss den Wunsch hat, Obama zu einem Einweg-Präsideten zu machen, aber nicht so recht weiß wie.

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