In vier Kommunen im Rems-Murr-Kreis stehen in diesem Jahr jeweils Bürgermeisterwahlen an. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Zwei Oberbürgermeister wollen demnächst bei ihren parallel stattfindenden Neujahrsempfängen verkünden, ob sie für eine zweite Amtszeit zur Verfügung stehen oder nicht.

Während die Bürger in diesem Sommer landesweit an nur einem Tag, dem 9. Juni, gleich in vierfacher Mission an die Urnen gerufen werden – nämlich zur Kommunal-, Kreistags-, Regional- und Europawahlen –, ist der Ankreuz-Aufwand kreisweit betrachtet ansonsten eher überschaubar: Lediglich in vier Kommunen laufen 2024 die Amtsperioden der jeweiligen Rathauschefs aus. Darunter fallen allerdings zwei Große Kreisstädte im Remstal.

 

Zäsur in Großerlach

Den Anfang macht in drei Wochen aber eine kleine Kommune im Schwäbischen Wald. In Großerlach steht nicht nur bereits fest, dass insgesamt sechs Kandidaten zur Wahl stehen werden. Es kündigt sich auch eine Zäsur an, denn der Amtsinhaber Christoph Jäger wird nicht auf dem Wahlzettel stehen. Der 55-Jährige hat 24 Jahre lang die Geschicke der 2600 Einwohner zählenden Kommune geleitet, steht aber nicht mehr für eine vierte Amtsperiode zur Verfügung. Jägers Begründung für seinen Rückzug aus dem Rathaus: „Wenn man erkennt, dass man die nötige Kraft für etwas, das man liebt, nicht mehr aufbringen kann, muss man loslassen.“

Bekenntnis zu Winterbach

Ganz im Gegenteil zu seinem Kollegen Sven Müller. Der steht im Herbst zwar erst vor dem Ablauf seiner ersten Amtsperiode in Winterbach. Aber der Diplom-Verwaltungswirt, der seine berufliche Karriere im Waiblinger Landratsamt begonnen hatte und zuletzt Hauptamtsleiter in Remshalden gewesen ist, hatte bereits bei einer Einwohnerversammlung vor mehr als anderthalb Jahren betont, 2024 gerne wieder als Bürgermeister der Remstalkommune kandidieren zu wollen. Der 47-Jährige war im Juni 2016 mit 78,9 Prozent der Wählerstimmen zum Schultes der knapp 8000 Einwohner starken Gemeinde und damit dem Nachfolger von Albrecht Ulrich gewählt worden. Müller hatte sich im ersten Wahlgang gegen drei Konkurrenten durchgesetzt. Wann genau die Bürger zu den Urnen gerufen werden, steht noch nicht fest.

Gewissheit beim Neujahrsempfang

Ob Gabriele Zull einen Anlauf unternehmen wird, ihr Engagement in Fellbach fortzuführen, wird die amtierende Rathauschefin beim Neujahrsempfang der Großen Kreisstadt am Sonntag, 21. Januar, verkünden. Das lässt die 56-Jährige auf Nachfrage mitteilen. Zumindest vonseiten des Gemeinderats dürfte einer erneuten Kandidatur nichts im Wege stehen. So lobte Ulrich Lenk, Co-Chef der größten Fraktion, der Freien Wähler/Freien Demokraten, kürzlich zum Abschluss seiner Haushaltsrede: Zull habe „in den zurückliegenden, nicht immer einfachen Jahren mit fachlichem Können, großer Erfahrung, mit Herz und mit der Gabe ausgestattet, auf Menschen zugehen zu können, unsere Stadt gut geführt und ein ,Wir-Gefühl’ in Fellbach entwickelt“. Die Juristin und Mutter eines 17-jährigen Sohns war im September 2016 mit 61,2 Prozent der Stimmen zur Nachfolgerin von Christoph Palm (CDU) gewählt worden. Die parteilose seitherige Erste Beigeordnete von Göppingen hatte sich im ersten Wahlgang gegen den SPD-Mann Carsten Hansen, Referatsleiter im Städte- und Gemeindebund, durchgesetzt. Den neuerlichen Wahltermin will der Gemeinderat der 46 000 Einwohner starken Kommune im Februar festlegen.

Ähnliche Vorzeichen in Weinstadt

Unter ganz ähnlichen Vorzeichen wie in Fellbach steht auch die wohl ebenfalls im Herbst anstehende Oberbürgermeisterwahl in Weinstadt. Auch der dort amtierende OB Michael Scharmann will sich beim Neujahrsempfang erklären, der kurioserweise zeitgleich mit jenem in Fellbach stattfindet. Auch Scharmann gehört keiner Partei an, wenngleich er für die Freien Wähler ein Mandat im Rems-Murr-Kreistag wahrnimmt. Der 49-Jährige hatte sich im Oktober 2016 ähnlich klar gegen zwei Kandidaten durchgesetzt. 64,3 Prozent der Wähler votierten für den damals im Landtagsgebäudemanagement beschäftigten Oberregierungsrat. Scharmann hatte bis dato ein Mandat für die Freien Wähler im örtlichen Gemeinderat, nun ist er dessen neutraler Vorsitzender.