Im Gaza-Krieg droht nach dem Ablauf der Waffenruhe ein Neubeginn der Kämpfe. Foto: dpa

Im Gaza-Krieg wird nach Ende einer dreitägigen Feuerpause ein Neubeginn der Kämpfe befürchtet. Unterhändler Israels und der Palästinenser rangen in Kairo um eine Einigung in letzter Minute.

Im Gaza-Krieg wird nach Ende einer dreitägigen Feuerpause ein Neubeginn der Kämpfe befürchtet. Unterhändler Israels und der Palästinenser rangen in Kairo um eine Einigung in letzter Minute.

Gaza/Tel Aviv/Kairo/Rom - Wenige Stunden vor Ablauf einer Waffenruhe zwischen Israel und militanten Palästinensern hat Israel zusätzliche Truppen an die Grenze zum Gazastreifen verlegt. Israelische Medien berichteten am Mittwoch, es seien auch weitere Reservisten mobilisiert worden. Unterhändler beider Seiten setzten in Kairo ihre indirekten Verhandlungen unter ägyptischer Vermittlung über eine dauerhafte Waffenruhe im Gaza-Krieg fort. Mit Ende einer dreitägigen Feuerpause um 23.00 Uhr (MESZ) wurde ein neuer Ausbruch der Gewalt befürchtet, sollte es keinen Durchbruch geben.

Bei der Explosion eines israelischen Blindgängers im Gazastreifen wurden am Mittwoch sechs Menschen getötet, darunter zwei Journalisten. Das Außenministerium in Rom bestätigte den Tod des 35-jährigen italienischen Journalisten Simone Camilli, der für die Nachrichtenagentur AP arbeitete. Er war der erste ausländische Journalist, der im Gaza-Krieg getötet wurde.

Die anderen Opfer waren ein palästinensischer Journalist sowie vier Bombenentschärfer, wie das Gesundheitsministerium in Gaza mitteilte. Sechs weitere Menschen seien verletzt worden. Sprengstoffexperten wollten das Geschoss aus einem dicht bewohnten Viertel in offenes Gelände transportieren, um es dort kontrolliert zu sprengen. Dann explodierte es jedoch plötzlich. Am letzten Tag der dreitägigen Waffenruhe zwischen Israel und den Palästinensern sprach sich Ägypten nach palästinensischen Angaben für eine Verlängerung der Feuerpause aus, um die Gespräche in Kairo fortsetzen zu können.

Kais Abdul Karim, Mitglied der palästinensischen Delegation in Kairo, sagte, die Kluft bei den indirekten Gesprächen mit Israel sei immer noch groß. Ohne echte Fortschritte würden die Palästinenser aber keiner Verlängerung der 72-stündigen Waffenruhe über Mittwoch hinaus zustimmen. Die letzte Verhandlungsrunde sei daher „von kritischer Bedeutung“.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verglich die Taten der Hamas am Mittwoch mit denen der sunnitischen Miliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak. Netanjahu nannte die radikal-islamische Organisation eine „Terror-Tyrannei“. Wie IS verfolge Hamas Christen, Schwule und Frauen. „Im Grunde lehnen sie alles Moderne ab“, sagte der Ministerpräsident. Er warf dem UN-Menschenrechtsrat auch vor, mörderische Organisationen wie Hamas und IS zu legitimieren.

Israel pocht auf eine Entmilitarisierung der Enklave

Die israelische Nachrichtenseite „ynet“ berichtete am Mittwoch, Ägypten habe den Delegationen beider Seiten einen Vorschlag für eine langfristige Entschärfung des Gaza-Konflikts unterbreitet. Demnach sollten unter anderem Sicherheitskräfte des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas an den Grenzübergängen Israels mit dem Gazastreifen stationiert werden. Die Fangzone im Mittelmeer solle schrittweise auf 12 Seemeilen ausgeweitet werden, hieß es ferner. Die Verhandlungen über einen See- und Flughafen sowie über die Rückführung der Leichen zweier israelischer Soldaten sollten hingegen um einen Monat bis nach Ende des Gaza-Kriegs verschoben werden.

Zu Beginn des kommenden Jahres solle die Pufferzone im Grenzgebiet zu Israel, die von Palästinensern nicht betreten werden darf, aufgehoben werden. Auch hier sollten Sicherheitskräfte von Abbas die Kontrolle übernehmen, hieß es. Israels Ombudsmann will Vorwürfe über Menschenrechtsverstöße im Gaza-Krieg selbst prüfen. Staatskontrolleur Joseph Schapira kündigte am Mittwoch ferner an, er wolle den Entscheidungsprozess der militärischen und politischen Führung vor und während der Offensive im Gazastreifen untersuchen. Hintergrund der Entscheidung seien Vorwürfe, der Staat Israel habe in Gaza gegen das humanitäre Völkerrecht verstoßen.

Israel hatte seine Offensive im Gazastreifen am 8. Juli als Reaktion auf fortwährenden Raketenbeschuss seiner Grenzorte begonnen. Vor gut einer Woche zog es seine Bodentruppen wieder ab, setzte seine Luftangriffe aber fort, mit Unterbrechungen während zweier Feuerpausen. Seit Beginn der Offensive starben nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums mehr als 1950 Menschen und mehr als 10 000 wurden verletzt. Auf israelischer Seite wurden 64 Soldaten und drei Zivilisten getötet. Mehrere hundert Menschen erlitten Verletzungen.

Die Hamas fordert als Bedingung für ein Ende der Raketenangriffe eine Aufhebung der Blockade des Gazastreifens durch Israel und Ägypten. Weitere Forderungen sind der Bau eines See- und Flughafens sowie die Freilassung von Häftlingen. Israel will eine Entmilitarisierung der Enklave.

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