Susanne Eisenmann ist unterwegs, um ihren Umgang mit Corona zu erklären. Foto: dpa/Marijan Murat

Eigentlich ist Sommerpause. Doch Corona lässt die Schulministerin und CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann nicht los. Wir haben sie bei ihrer Besuchtstour durch die Sportlandschaft im Südwesten ein Stück begleitet.

Oftersheim/Schwarzach - Renate Vogt schnalzt einen flotten Rhythmus mit der Zunge und zeichnet mit der linken Hand ein paar kleine, tänzelnde Schritte in die Luft. „Wir tanzen auch mit dem Rollator – zu ‚Strangers in the Night’ zum Beispiel“, erzählt die 76-Jährige, und das restliche Dutzend Mitglieder der Rollator-Sportgruppe vom TSV Oftersheim kichert. Die Senioren sind gut drauf beim Besuch der Kultusministerin Susanne Eisenmann. Die ist dieser Tage durch die Sportlandschaft Baden-Württembergs getourt und beginnt, sich als CDU-Spitzenkandidatinfür die Wahl im Frühjahr warmzulaufen.

 

Jetzt besucht sie die Oftersheimer Senioren, die sich zweimal pro Woche beim TSV auf dem Sportplatz treffen. Mal üben sie sich auf einem Parcours mit roten und gelben Hütchen und Paletten in der Kunst, mit Hindernissen umzugehen. Mal beweisen sie beim Tausendmeterlauf auf der Aschenbahn, dass sie zwar alt, aber nicht eingerostet sind. „Lustig ist es, wenn die Malaika mit ihren langen Beinen da drüben und wir hier rumspringen“, sagt Renate Vogt. Gemeinst ist Malaika Mihambo, deutsche Olympiahoffnung im Weitsprung, sie trainiert in der Sprunggrube kaum fünf Meter weiter.

Die Ministerin ist begeistert

Breiten- und Spitzensport: Beides fällt neben den Schulen in Eisenmanns Ressort. Jetzt ist sie sichtlich beeindruckt: „Ich bin begeistert, mit welchem Schwung Sie das hier machen.“ Rollatorsport – das hatte die Ministerin noch nie. Berührungsängste hat sie auch nicht. Die Sportler haben auch ihr einen Rollator als Trainingsgerät hingestellt; sie geht ohne Zögern auf den Parcours. Angst könnte sie tatsächlich im virusgeprägten Vorwahlkampf auch weniger gebrauchen denn je. Dass Winfried Kretschmann, den sie aus der Villa Reitzenstein verdrängen will, auch nach fast zehn Amtsjahren große Popularität genießt, wusste sie schon, als sie im Juli vor einem Jahr mit 95 Prozent der Stimmen von der Südwest-CDU zur Spitzenkandidatin gekürt wurde.

Corona erschwert Eisenmanns Position im Kampf um die Macht

Dass Corona die politische Großwetterlage und ihre persönliche Position im Kampf um die Macht derart verändern würde, konnte sie nicht ahnen. Die souveräne Leichtigkeit, die Eisenmann bei der Nominierung im Juli 2019 im Blick auf die grüne Konkurrenz ausstrahlte, ist inzwischen zerstoben. Im Zentralbiotop der Stuttgarter Landespolitik reagiert Eisenmann mittlerweile dünnhäutig auf die nicht abreißende Kritik. Ihr Haus liefert Coronaverordnungen in Serie ab, und sie kassiert von den politischen Wettbewerbern wie von den Interessensverbänden rund um das Schulgeschehen heftige Watschen in so rascher Abfolge, dass sie kaum nachkommt, nach der rechten, auch die linke Wange hinzuhalten.

Aus dem Blickwinkel der Ministerin ist die Pandemie uferlos. Nach jeder Verordnung tauchen neue Regelungslücken auf – Singen, Blasmusik, Maskenpflicht für Schüler, das Recht auf Tests für Lehrer, und wie kommen Desinfektionsmittel überhaupt in die Schulen? Ein Ende des schulischen Ausnahmezustand ist nicht absehbar.

Dass manche Kritikerden Vorwurf erheben, sie habe die Misere durch mangelndes Engagement mindestens verlängert, wenn nicht schon fast schuldhaft verursacht, zerrt an ihren Nerven. Hinzu kommt die Nervosität in der CDU, ob die Kombination aus Kultusressort und Spitzenkandidatur sich noch zum Handycap auswachsen könnte.

Nicht überall im Land ist die Stimmung frostig

Ob in Oftersheim oder beim „Kraft-Werk“ in Schwarzach, wo Europameister im Gewichtheben wie Jürgen Spieß und Nico Müller unter einem Dach mit Behinderten und Nichtbehinderten, Kindern und Erwachsenen trainieren – egal wo Susanne Eisenmann auf ihrer Tour Station macht, ist das Virus schon da. Auch die Sportler müssen Hygieneregeln beachten, viele Vereine kooperieren mit Schulen. Deshalb sitzt Eisenmann da, hört geduldig zu und erklärt, wie sich das mit den Masken und Abstand, dem Singen und dem Schwimmunterricht, den Tests und den Hygieneregeln verhält.

Dabei hat sie auch ein paar gute Nachrichten im Gepäck: Dass das Abitur in diesem Jahr trotz Corona besser ausgefallen ist als 2019, dass die Lernbrücken zum Nachlernen versäumten Stoffes am Ende der Ferien ordentlich Zulauf haben, und dass zum Schuljahrsende mit sechs Prozent deutlich weniger Lehrer und auch weniger Schüler (unter ein Prozent) zur Risikogruppe zählten als zunächst befürchtet worden war.

Eisenmann weiß, dass das nächste Schuljahrtrotzdem eine Herausforderung wird. Von ihrer Sommertour nimmt sie aber auch gute Nachrichten mit. Die wichtigste: Nicht überall im Land schlägt ihr eine so aufgeraute Stimmung entgegen wie in Stuttgart. In Schwarzach berichten Corinna und Oliver Caruso, die das Trainingszentrum für die Gewichtheber aufgebaut haben, dass Fernunterricht und Notbetreuung während der Schulschließung gut funktioniert haben. Corinna Caruso ist Lehrerin an der benachbarten Grundschule. Die Frage, was Eisenmann für ihren Wahlkampf von den Spitzensportlern lernen könne, beantwortet Oliver Caruso in einem Wort: „Weitermachen.“