Bis jetzt zeichnen sich vier Anwärter für den Posten als Vorstandsvorsitzender beim VfB Stuttgart ab, für das Amt des Präsidenten sind zwei bekannt. Überdies könnte – in anderer Funktion – Rainer Adrion zurückkehren.
Stuttgart - Demnächst kommt Jürgen Klinsmann wieder nach Deutschland geflogen. Der Wahlkalifornier wird in seiner Funktion als TV-Experte die Spiele der deutschen Fußball-Nationalelf in der EM-Qualifikation am 6. September in Hamburg gegen die Niederlande und am 9. September in Nordirland begleiten. Und dazwischen macht der 55-Jährige, der Kandidat für den neuen Posten als Vorstandsvorsitzender beim Zweitligisten VfB Stuttgart ist, einen Abstecher in seine württembergische Heimat.
Denn am 8. September (13.15 Uhr/Sport 1) ist VfB-Legende Klinsmann Gastgeber bei einem Benefizspiel in Geislingen. Der Erlös der Partie kommt dem dortigen Herzenssache-Kinderhaus K 19 zugute, einem neuen Projekt seiner Kinderstiftung Agapedia. Ob der frühere Nationalspieler und Bundestrainer im Rahmen seines Deutschlandaufenthalts auch einen Abstecher zum VfB machen wird, ist dagegen offen. Das Folgegespräch, das bei einem ersten Informationsaustausch über eine Zusammenarbeit im Juli vereinbart wurde, ist bis jetzt nicht terminiert.
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Beim VfB sind zurzeit sogar gleich zwei Führungspositionen zu besetzen. Der gesuchte Vorstandsvorsitzende der VfB Stuttgart 1893 AG wird künftig der starke Mann sein. Der neue Präsident des VfB e. V. mit seinen 70 000 Mitgliedern wird wie der zurückgetretene Wolfgang Dietrich zugleich einen Platz im Aufsichtsrat erhalten, aber auch aufgrund der strukturellen Veränderung im Vorstand nicht mehr so großen Einfluss im operativen Geschäft haben wie dieser.
Seit dem Rücktritt von Dietrich nach der turbulenten Mitgliederversammlung Mitte Juli leitet der Vizepräsident Bernd Gaiser interimsweise das Präsidium und übernahm auch die Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender. Zusammen mit seinen Aufsichtsratskollegen Wilfried Porth und Hermann Ohlicher bildet er den sogenannten Präsidialrat, der die Gespräche mit den Kandidaten für die Position des Vorstandsvorsitzenden führt. Begleitet wird der Prozess von einer Personalberatung, die Entscheidungsgewalt liegt allerdings voll in den Händen des VfB-Aufsichtsrats.
„Wir arbeiten an der Besetzung der Position des Vorstandsvorsitzenden und kommen gut voran, der Prozess wird aber noch dauern“, sagt Gaiser. „Wir sind mit mehreren Kandidaten im Gespräch. Der Ablauf ist vertraulich.“ Namen will er mithin nicht kommentieren.
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Noch zu Zeiten von Ex-Clubboss Dietrich galt Robert Schäfer, bis April Vorstandsvorsitzender bei Fortuna Düsseldorf, als Favorit. Neben Jürgen Klinsmann haben sich aber mittlerweile noch weitere Alternativen für den Topjob herauskristallisiert. Ein heißer Kandidat ist Alexander Wehrle. Der 44-Jährige fungiert beim 1. FC Köln seit 2013 als Geschäftsführer, zuvor arbeitete er als Assistent der Geschäftsführung beim VfB. Er ist ein Zögling des Stuttgarter Ehrenpräsidenten Erwin Staudt. Sein Herz hängt am VfB, er hat aber noch einen Vertrag in Köln bis 2023.
Überdies ist ein interner Kandidat im Rennen: Thomas Hitzlsperger. Der 37 Jahre alte Ex-Nationalspieler wurde erst im Februar vom Leiter des Nachwuchsleistungszentrums zum Sportvorstand befördert und könnte gleich noch eine weitere Stufe auf der Karriereleiter nehmen.
Für das Präsidentenamt haben bis jetzt der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer und der Böblinger Unternehmer Claus Vogt öffentlich ihren Hut in den Ring geworfen. Bis 15. September läuft noch die Bewerbungsfrist beim Vereinsbeirat. Danach prüft dieser die Bewerbungen, lädt geeignete Kandidaten zu Vorstellungsgesprächen ein und entscheidet sich für einen oder zwei davon.
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Gewählt wird der neue Präsident dann bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 15. Dezember. „Unser Ziel als Vereinsbeirat ist es, den Mitgliedern zwei geeignete Kandidaten zu präsentieren und ihnen so eine demokratische Wahlmöglichkeit zu geben – ich gehe fest davon aus, dass das klappen wird“, sagt Wolf-Dietrich Erhard, der Vorsitzende des Gremiums, der schon einige Sondierungsgespräche mit potenziellen Bewerbern für das Präsidentenamt geführt hat: „Unser Ziel ist es, die zwei Kandidaten bis Ende Oktober gekürt zu haben.“
Für das Präsidentenamt steht Rainer Adrion nicht zur Verfügung, eine andere Aufgabe beim VfB könnte er sich aber vorstellen. Kürzlich gab es diesbezüglich einen Austausch zwischen dem früheren U-21-Nationaltrainer mit langer VfB-Vergangenheit und dem Vorstand. Zunächst einmal soll aber der neue Präsident gewählt sein. „Der ist maßgeblich dafür, wie die Konstellation aussieht“, erklärt Adrion, der bei der Mitgliederversammlung Mitte Juli mit einer guten Rede auffiel: „Jetzt gilt es, die richtigen Leute zu finden, damit wieder klar eine VfB-DNA herausgearbeitet wird.“
Ein Mandat im Aufsichtsrat, in dem seit dem Ausscheiden von Guido Buchwald in Hermann Ohlicher nur noch ein Mann mit Vergangenheit als Profifußballer sitzt, wäre für den 65-Jährigen aus Remseck beispielsweise denkbar. „Das könnte ich mir theoretisch vorstellen, je nachdem, wie man die Aufgaben definiert“, sagt Adrion, der es generell als wünschenswert erachtet, dass „ein Team zusammengestellt wird, mit dem die Sportkompetenz gestärkt wird neben Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat“.