Matthias Schweighöfer (links) und Til Schweiger Foto: Verleih

Filme von Schweiger und Schweighöfer, Steven Spielberg, Josef Hader und Guillermo del Toro bekommen Cineasten im Jahr 2018 geboten. Viele deutsche Filmemacher setzen auf Komödien. Hollywood bietet neben einer Handvoll Filmkunstwerke mit Oscar-Anwartschaft viele kassenträchtige Fortsetzungen.

Stuttgart - Wenn zwei der heimischen männlichen Filmstars gemeinsam auf die Leinwand kommen, ist mit Millionenpublikum zu rechnen. Til Schweiger und Matthias Schweighöfer geben gleich zum Jahresauftakt in der Buddy-Komödie „Hot Dog“ (Start: 18. Januar) ein ungleiches Duo in der Eliteeinheit namens „GSG 10“. Beide werden strafversetzt als Wachposten im Schloss Bellevue. Als dort auf spektakuläre Weise die hübsche Tochter des moldawischen Präsidenten entführt wird, machen sich der Macho und das Weichei mit unkonventionellen Mitteln auf die Suche nach den Kidnappern. Mit Zoten, Slapstick und coolen Sprüchen darf gerechnet werden: „Sie nuscheln immer so!“, lässt sich Schweiger von Schweighöfer selbstironisch in den Senkel stellen.

Als Regisseur und Hauptdarsteller lädt Schweiger mit Samuel Finzi und Milan Peschel im Herbst zum „Klassentreffen 1.0 – Die unglaubliche Reise der Silberrücken“ (20. September). Das Remake der dänischen Erfolgskomödie ist, wie das Original, bereits als Trilogie angelegt, deren Teile im Jahresabstand in die Kino kommen sollen: Serie geht nicht nur bei Netflix und Co., sondern auf auch der Leinwand.

Sandra Hüller spielt eine Obstverkäuferin im Großmarkt

Für die US-Version von Schweigers Publikumserfolg „Honig im Kopf“ gibt es noch keinen Starttermin, immerhin sind die Dreharbeiten mittlerweile nun fest für den Mai geplant. Ob tatsächlich Tom Hanks statt des abgesprungenen Michael Douglas die Rolle von Dieter Hallervorden übernehmen wird, ist noch unbestätigt.

Handfeste Genre-Action à la Hollywood in Frankfurt am Main bietet der Gangster-Streifen „Nur Gott kann mich richten“ (25. Januar). Der deutsch-türkische Regisseur Özgür Yildirim hat mit dem hamburger Gangster-Drama „Chiko“ (2008) einst ein furioses Kino-Debüt geboten, sein „Tatort: Feuerteufel“ mit Wotan Wilke Möhring erzielte 2013 Traumquoten. Yildirims aktueller düsterer Krimi glänzt nun mit einer Top-Besetzung: Moritz Bleibtreu als Klein-Ganove, dem jeder Coup misslingt. Birgit Minichmayr als resolute Polizistin, die aus Verzweiflung kriminell wird, Alexandra Maria Lara als reiche Ex von Bleibtreu sowie Peter Simonischek mit Griesgram-Auftritt.

Dessen „Toni Erdmann“-Partnerin Sandra Hüller gibt derweil „In den Gängen“ (noch ohne Starttermin) eine Obstverkäuferin im Großmarkt, in die sich Franz Rogowski als schüchterner Staplerfahrer verliebt. Die Verfilmung der Kurzgeschichte von Clemens Meyer übernahm Thomas Stuber, ein Absolvent der Ludwigsburger Filmakademie, der im Vorjahr für „Herbert“ den Deutschen Filmpreis bekam. Im Februar läuft der Film im Berlinale-Wettbewerb.

Elmar Wepper fliegt den Sorgen in der bayerischen Heimat davon

Mit Vorschuss-Lorbeeren vom Filmfest München, dem Preis für das Beste Drehbuch, geht Jungfilmerin Mareille Klein mit ihrem Debüt „Dinky Sinky“ am 8. Februar an den Start. Erzählt wird von der Pädagogin Frida, Mitte 30, die verzweifelt ein eigenes Kind möchte. Das Baby bleibt aus, dafür lässt sie der langjährige Partner plötzlich sitzen. Aber Frida präsentiert sich als trotziges Stehauf-Frauchen mit „Bridget ­Jones“-Qualitäten. Eine echte Entdeckung ist Katrin Röver, mit ihrer leinwandpräsenten Mischung aus äußerer Bockigkeit und innerer Sensibilität wirkt sie wie eine Soul-Sister von Sandra Hüller. Gewohnt lakonisch gibt sich der österreichische Kabarettist Josef Hader in „Arthur und Claire“ (1. März), einer schwarzhumorigen Tragikomödie um zwei Lebensmüde, die sich zufällig in einem Hotel in Amsterdam begegnen. Ebenfalls auf kauzige Komik setzt Oscar-Gewinner Florian Gallenberger in „Grüner wird’s nicht“ (18. Oktober). Elmar Wepper spielt darin einen verzweifelten Gärtner, der den Sorgen in der bayrischen Heimat entflieht, indem er mit seinem rostigen Propellerflugzeug in die Freiheit fliegt.

Während im deutschen Film im kommenden Jahr viele Regisseure auf komödiantische Stoffe setzen, präsentiert die internationale Konkurrenz ambitioniertes Arthaus-Kino mit Oscar-Potenzial. Allen voran der Sizilianer Luca Guadagnino, dessen leidenschaftlich flirrend Lovestory „Call Me By Your Name“ (1. März) bei den Kritiken-Auswertern „MetaCritic“ und „Rotten Tomatoes“ die Traum-Zustimmungsquote von superlativen 98 Prozent bekam. Die radikal romantische Liebesgeschichte zwischen einem 17-jährigen, ungestümen Schöngeist (Thimotée Chalamet) und einem 24-jährigen US-Sonnyboy (Armie Hammer) spielt im sommerlichen Bella Italia der frühen 80er Jahre. Und sie bietet ein bewegendes Vater-Sohn-Gespräch, wie es großartiger im Kino wohl noch nicht zu sehen war.

Alicia Vikander beerbt Angelina Jolie als Grabräuberin

Mit solch raffinierter Grandezza inszeniertes Gefühlskino dürfte die Oscars im „Titanic“-Sturm abräumen. Als schärfster Konkurrent könnte sich der Mexikaner Guillermo del Toro („Pans Labyrinth“) erweisen, der mit seinem poetisches Fantasy-Märchen „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ (15. Februar) bereits beim Filmfestival Venedig auf dem Siegertreppchen stand. Sally Hawkins gibt darin eine Putzfrau, die in den frühen 60er Jahren in einem geheimen US-Forschungslabor auf einen Amphibienmenschen trifft – und im Wassermann die Liebe ihres Lebens findet. So hätte es wohl ausgesehen, wenn Douglas Sirk statt Jack Arnold „Der Schrecken vom Amazonas“ inszeniert hätte. Die Amphibie spielt Doug Jones, ein Spezialist für eigenartige Kreaturen und aktuell in der Serie „Star Trek: Discovery“ als sensibler Kelpianer zu sehen.

Ansonsten setzt die Traumfabrik weiter auf Fortsetzungen bewährter Kassenschlager. Das frivole Lustspiel „Fifty Shades of Grey“ (9. Februar) geht in die dritte Runde. Die guten alten Saurier treten zum fünften Mal in „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ an (8. Juni) an. Tom Cruise ist im sechsten Teil von „Mission: Impossible“ (2. August) noch einmal als Actionhelden zu sehen, derweil der Superheld Spider-Man in seinem siebten Film „A New Universe“ (20. Dezember) animiert daherkommt. Frauenpower bietet Alicia Vikander, die Angelina Jolie als Grabräuberin in „Tomb Raider“ beerbt (Start: 15. März), Anne Hathaway dagegen spielt die leibhaftige „Barbie“ (9. August).

Als qualitativ hochwertige Alternative zum Fastfood-Kino empfiehlt sich Steven Spielberg. Er erzählt in „Die Verlegerin“ (Start: 2. Februar) ein Mediendrama um die Washington Post, die in den 70er Jahren eine brisante Geschichte zum Vietnam-Krieg veröffentlichen will. Tom Hanks spielt einen ehrgeizigen Redakteur, Meryl Streep die ­Titelrolle.

Sie lädt im Sommer zudem zur furiosen Film-Party für alle ABBA-Fans: Der globale Mega-Hit „Mamma Mia“ geht am 19. Juli in die zweite Runde unter dem Titel „Here We Go Again!“. Colin Firth, Pierce Brosnan und Amanda Seyfried sind bei der Neuauflage wieder dabei, außerdem die länger abgetauchte Cher – die nun schon 71 ist.

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