Vorreiter Esslingen baut Netz aus Zukunft gehört dem O-Bus

Von Annette Mohl 

Den 125 Jahre alten Oberleitungsbussen (O-Busse) gehört die Zukunft. Davon sind Fachleute des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR) überzeugt.

ESSLINGEN - Den 125 Jahre alten Oberleitungsbussen (O-Busse) gehört die Zukunft. Davon sind Fachleute des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR) überzeugt. In Esslingen, wo seit 1942 O-Busse im Linienverkehr unterwegs sind, veranstaltete das DLR jetzt eine Fachtagung für rund 80 kommunale Vertreter, Verkehrsplaner und Ausstatter.

Mit Solingen, Eberswalde und Esslingen ist der O-Bus in Deutschland gerade noch in drei Kommunen unterwegs. Weltweit verkehren jedoch 40.000 Oberleitungsbusse. Außer in Afrika fahren Trolleybusse auf allen Kontinenten. In der Schweiz und Österreich setzen auch größere Städte wie Zürich, Luzern oder Salzburg auf das Konzept, ebenso in den USA und in Kanada. Und auch Rom ist auf den O-Bus gekommen: "Wenn eine Stadt mit Unesco-Weltkulturerbe die Oberleitung nicht scheut, dann können wir auch gut damit leben", meint Esslingens Bürgermeister Bertram Schiebel, dem der städtische Verkehrsbetrieb untersteht. Denn an die Kritik an den "Kabeln" ist Schiebel gewöhnt: "Wir haben 1999 heftige Diskussionen geführt, als wir uns für neue O-Busse entschieden haben."

Dabei ist der Makel im Stadtbild durch die Leitungen der einzige Nachteil, den O-Busse haben. Schiebel nennt als entscheidende Vorteile die größere Flexibilität gegenüber einer Bahn, sehr geringen Lärm, kein Feinstaub und geringe Störanfälligkeit. Die Lebensdauer von 16 Jahren sei eineinhalbmal so lang wie die eines Dieselbusses, die Anschaffungskosten lägen aber um 20 Prozent höher.

"Der O-Bus ist im Verhältnis zum Stadtbahn-System äußert konkurrenzfähig", sagt Schiebel. Die Stadt werde ihr Oberleitungs-Netz deshalb erweitern. In ein paar Jahren soll die O-Bus-Linie am Zollberg verlängert werden, zum einen bis zur Stadtbahnhaltestelle in Ostfildern-Nellingen und zum andern bis nach Esslingen-Berkheim. Die Stadt stehe in Verhandlungen mit der Firma Festo, um den O-Bus über das Firmengelände nach Berkheim zu führen. Wieder einführen will Esslingen auch Duo-Busse, die das Stromnetz verlassen können. Die alten, bei denen von Elektro- auf Dieselbetrieb umgestellt werden konnte, wurden ausrangiert, weil sie störanfällig waren und durch ihr hohes Gewicht viel Energie benötigten. Jetzt soll das Oberleitungssystem mit Batterie und Superkondensatoren kombiniert werden. Damit, so Reinhard Kühne vom DLR, könnten kurze Strecken ohne Fahrdraht zurückgelegt werden. So werden in Peking O-Busse am Platz des himmlischen Friedens abgehängt, damit man auf die Oberleitung verzichten kann, nach der Querung gehen sie wieder an die Strippe.

Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des DLR, hält die Elektromobiliät für eines der wichtigsten Zukunftsthemen. Das DLR beschäftige sich nicht nur mit Luft- und Raumfahrt, sondern ebenso mit Energie und Verkehr: "Oberleitungsbusse sind deshalb ein typisches Thema für uns". Diese Fahrzeuge erfüllten alle Anforderungen an Ökologie, Ökonomie, Sicherheit, Mobilität und gesellschaftliche Akzeptanz.

Ähnlich den Duo-Bussen mit Dieselantrieb können Hybridbusse entweder elektrisch oder mit Dieselkraftstoff betrieben werden. Im Gegensatz zum Duo-Bus mit zwei unabhängigen Antrieben bewegen sich Hybridbusse nur mit Elektromotoren, die von einem Stromerzeugungsaggregat gespeist werden. Sie wiegen damit aber deutlich mehr als netzgebundene Elektrobusse.

Lesen Sie jetzt