Die Stadträtin Lucy Schanbacher liest den Kindern vor. Foto: Lg/Piechowski

Stuttgarter Lokalpolitiker haben anlässlich des bundesweiten Vorlesetags die Stadtbibliothek besucht. Um frontales Vorlesen vor großen Gruppen geht es dabei allerdings nicht.

Stuttgart - „Die Kuh macht Kacka!“ ruft ein kleines Mädchen und deutet mit dem Finger auf eine Buchseite. Sie liegt mit zwei Gleichaltrigen in einer Leseecke der Stadtbibliothek und verfolgt gebannt, was im Bilderbuch „Mein Haus ist zu eng und zu klein“ noch so alles passiert. Darin geht es um Oma Agathe, die in ihrem kleinen Heim allerlei Tiere beherbergt: Kühe, Hühner, Schweine und Ziegen. Stadträtin Lucia Schanbacher muss gar nicht mehr viel vorlesen, so eifrig macht sich ihre kleine Zuhörerschaft über das Buch her.

Wieder einmal sind anlässlich einer Veranstaltung des Projekts Leseohren am Freitag Stadträte aller Fraktionen in die Stadtbibliothek gekommen, um Kita- und Schulkindern vorzulesen. So rätselten die Kinder mit Alexander Kotz über den Namen des pinken Ungetüms, das sich in seinem Buch breit macht. „Es watschelt träge auf dem Land, liegt müde oft am Meeresrand“, las Kotz vor. Antwort: das Walross! Grünen-Stadträtin Raphaela Ciblis zog ihre kleinen Zuhörer mit einem Kinderbuch-Klassiker in den Bann: in „Wo die wilden Kerle wohnen“ wird fürchterlich gebrüllt, werden die Zähne gefletscht und die Krallen gezeigt.

Nicht nur rezitieren, sondern die Kinder miteinbeziehen

Luigi Pantisano beschäftigte die Kinder mit der Geschichte von Wilfried und seinem Elch Marcel, und Martin Körner erklärte seinen Schülern, warum die Protagonistin in seinem Buch ganze zehn Taschentücher vollschnieft, wenn sie Liebesfilme ansieht: „Weil sie die so schön findet!“, so Körner. Der Erfolg des Besuchs der Politiker liegt allerdings nicht allein an deren Vorlesetalent. „Die Kinder merken, dass das heute etwas Besonderes ist und dass extra jemand vorbeikommt. Das erhöht die Aufmerksamkeit natürlich“, sagt Katinka Emminger, Direktorin der Stadtbibliothek.

Langweilig wurde es den Kindern auch deshalb nicht, weil ihre Vorleser nicht stur die Texte rezitierten, sondern die Kinder in Gespräche verwickelten und Nachfragen stellten. Das gehöre zum Konzept, erklärt Karin Rösler, die Mitbegründerin des gemeinnützigen Vereins Leseohren, der Kindern Spaß an Büchern vermitteln will. „Das Ziel ist, dass alle Kinder mitkommen und die Geschichte verstehen“, so Rösler. Das sogenannte dialogische Vorlesen eigne sich da deutlich besser als das frontale Vorlesen vor großen Gruppen, die still und stumm dasitzen müssen und nicht selbst aktiv werden dürfen.

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