Es ist kaum zu glauben: In Seedorf wurden der Familie Straßner direkt vor dem Haus schon drei Autos zu Schrott gefahren, obwohl sie ordnungsgemäß geparkt waren. „Die Fahrer passen nicht auf, rasen hier vorbei und hupen auch noch.“
„Ich habe den Knall jedes Mal gehört“, sagt Christoph Straßner etwas resigniert gegenüber dem Schwarzwälder Boten. Er zweifelt langsam am Verstand der Verkehrsteilnehmer. Seine Frau Antje sagt: „Die Rücksichtslosigkeit hat zugenommen. Viele sind aggressiv und hupen auch noch beim Vorbeifahren.“ Was ihnen im letzten Dreivierteljahr widerfahren ist, untermauert das leider nur allzu deutlich. Zwei Chrysler und ein Toyota sind Schrott.
Die Familie wohnt im alten Schulhaus in Seedorf, direkt an der Ortsdurchfahrt am Ortsausgang nach Waldmössingen. Sie haben eine kleine Hofeinfahrt, manchmal muss eins der Familienautos aus logistischen Gründen an der Straße geparkt werden – was dort auch erlaubt ist. Auch Besuch parkt ab und an dort. Doch scheinbar werden stehende Autos in einer Ortsdurchfahrt nicht mehr akzeptiert – oder einfach nicht gesehen?
Sprinter kracht in Chrysler
Zum ersten Mal knallte es Ende März. Ein Sprinter – beladen mit Blutkonserven – krachte aus Waldmössingen her kommend am helllichten Tag in die hintere linke Ecke des Chrysler Cabrios von Christoph Straßner. Der Sprinter drehte sich, verkeilte sich im Radkasten des „Opferfahrzeugs“ und schob dieses gleich noch in das dahinter geparkte andere Fahrzeug der Familie – ebenfalls ein Chrysler. „Alle drei Fahrzeuge waren wirtschaftlicher Totalschaden“, berichtet Straßner. Die Wucht des Aufpralls deute darauf hin, dass der Verursacher mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit ins Dorf hinein raste.
Ein einmaliger Fall? Von wegen. Am 3. Oktober hörte er wieder ein Knall vor dem Haus – und wusste gleich, was los ist. Es war nachts um 4.30 Uhr. Der Blick aus dem Fenster brachte Gewissheit: Der vor dem Haus geparkte Toyota – vom Kumpel des Sohnes – war kaputtgefahren. Diesmal kam der Fahrer eines Mercedes Sprinter doch tatsächlich von der anderen Seite und schaffte es, quer über die Straße in das geparkte Auto zu rasen.
Tempo 30 lässt viele völlig kalt
In der vielbefahrenden Ortsdurchfahrt gilt vor dem Haus übrigens seit einiger Zeit Tempo 30. Interessiert nur nicht wirklich jemand, weiß die Familie. Vom erhofften Lärmschutz-Effekt oder einer Verkehrsberuhigung sei hier jedenfalls nichts zu spüren. Was den Arbeitsmediziner und seine Frau zudem bedenklich stimmt ist, dass viele heutzutage „einfach drauflosfahren, da kann kommen was will“. Auch bei einem Hindernis auf der Straße werde keine Sekunde gewartet – und womöglich dabei noch das Handy in der Hand gehalten. Wer eine Weile vor der Haus der Familie innehält und den Verkehr beobachtet, kann sich selbst davon überzeugen.
Die ganze prekäre Situation hat die Familie auch ins Rathaus gemeldet: „Flapsig ausgedrückt: Es wird weiter gerast auf der Waldmössinger Straße und fast kein Schwein kümmert sich um die 30 km/h-Schilder“, heißt es in der Mail an den Bürgermeister. Die leidgeprüften Anwohner merken darin außerdem höflich an, dass von Kontrollen an dieser Stelle bislang nichts zu merken sei.
Bürgermeister Peter Schumacher zog in der jüngsten Gemeinderatssitzung wiederum das Fazit, dass die meisten Anwohner mit der Tempo 30-Regelung zufrieden seien. Sie habe sich „bewährt“.
Straßner bleibt unerschrocken
Nun, vor dem Haus der Straßners sieht die Lage etwas anders aus. Der zerbeulte Toyota steht aktuell noch als kleines Mahnmal auf dem Parkplatz des daneben liegenden Autohauses. Christoph Straßner bleibt übrigens auch künftig unerschrocken und parkt sein Auto immer noch hin und wieder an der Straße. Auch wenn dann gehupt und geflucht wird. Dass es wieder knallt, will keiner hoffen. Auszuschließen ist es nicht.